Zum Jahreswechsel hat das Gelände des ehemaligen Moco-Hobelwerks an der Blaubeurer Straße den Eigentümer gewechselt. Der Stadt Ulm ist es gelungen, das rund 60 000 Quadratmeter große Grundstück, das seit 2013 brach liegt, zu kaufen. Das Areal soll nun neu strukturiert werden. „Der Erwerb von Flächen in diesem Umfang und in direktem Anschluss an die Innenstadt ist eine einmalige Chance für den Wirtschaftsstandort Ulm/Neu-Ulm, Gewerbeflächen zu reaktivieren“, sagt Ulrich Soldner, Leiter der Abteilung Liegenschaften und Wirtschaftsförderung. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Das Gelände liegt nördlich der Blaubeurer Straße zwischen Beringerbrücke und Lupferbrücke und reicht bis an die Bahnanlagen heran. Bis 2013 betrieb die Firma Molfenter unter dem Markennamen Moco dort ein Hobelwerk. Der Standort wurde dann geschlossen.

Die Stadt will auf dem Moco-Areal mehrere Gewerbebetriebe ansiedeln, das Gelände soll dazu „bedarfsgerecht parzelliert“ werden. Auch Erweiterungen bereits ansässiger Firmen seien möglich; Bedarf wurde offenbar schon angemeldet. Gerüchteweise ist zudem die Rede von einem Autohaus, das sich ansiedeln möchte. Die künftige Nutzung beschreibt Soldner so: Kleinere Handwerksbetriebe und Dienstleister sollen Platz finden. Die Fläche könnte darüber hinaus Betrieben aus dem Dichterviertel als Verlagerungsmöglichkeit dienen.

Das Dichterviertel westlich des Hauptbahnhofs ist Sanierungsgebiet. Eines der Ziele ist: Das Wohnen im Quartier soll aufgewertet werden. Auch das Moco-Areal zählt zu diesem Sanierungsgebiet.

Neue Erschließungsstraße

Der Ulmer Gemeinderat hat bereits im Herbst 2014 den städtebaulichen Rahmenplan zur Neugestaltung der Flächen nördlich der Blaubeurer Straße beschlossen. Dazu gehört auch der Bau einer neuen Erschließungsstraße. Sie soll als Verlängerung der Schillerstraße beginnen, unter der Wallstraßenbrücke hindurch führen und hinter Ikea parallel zur Blaubeurer Staße an den Bahnanlagen entlang verlaufen. Auf Höhe der Magirusstraße soll die Straße dann in einem Bogen auf die Blaubeurer Straße treffen.

Der Neubau dieser Straße ist unbedingt erforderlich, um das Konzept der Stadt mit kleinteiligerem Gewerbe zu verwirklichen, sagt Soldner. Denn sonst hätten manche Grundstücke keine Erschließung.

Bevor es an die Umsetzung geht, gilt es nun die rechtlichen und planerischen Voraussetzungen zu schaffen. Es steht also ein Bebauungsplanverfahren an. Soldner rechnet damit, dass die Investoren ab 2020 mit dem Bau beginnen können, „wenn es früher schon klappt, umso besser“. Die Vermarktung der Grundstücke übernimmt der Stadtentwicklungsverband Ulm/Neu-Ulm (SUN), eine gemeinsame Tochtergesellschaft beider Städte, deren Geschäftsführer auf Ulmer Seite Ulrich Soldner und auf Neu-Ulmer Seite Peter Stamm ist.

Wer sich für eines der Grundstücke interessiert, kann sich auf der Internetseite des SUN bereits vormerken lassen: unter stadtentwicklungsverband.ulm.de/gewerbeflaechen/staedtische-flaechen. Dort gibt es auch ein Bewerberformular, auf dem Unternehmen detailliert angeben können, was sie suchen, was sie auf dem Grundstück planen und was sie an Infrastruktur brauchen.

Bis 2013 ein Hobelwerk


Firmengeschichte

Es war ein Schlag für den Wirtschaftsstandort Ulm: Im Januar 2013 kündigte das Traditionsunternehmen Molfenter an, sein Hobelwerk an der Blaubeurer Straße zu schließen. 100 Arbeitsplätze gingen verloren. Unter dem Markennamen Moco hatte sich der Holzverarbeiter Molfenter vor allem auf hochwertige Hölzer aus Skandinavien spezialisiert und war durch billigere Holzarten und die Finanzkrise in Abnehmerländern unter Druck geraten. Die Holzverarbeitung wurde auf andere Standorte des Unternehmens verteilt. In Ulm verblieb aber  die Firmenverwaltung.

Schiffertradition

Die Firma Molfenter im Besitz der Familie Scheuffele war aus der Tradition der Ulmer Zillenbauer hervorgegangen und wurde 1865 gegründet. Das Unternehmen schaffte nach der Krise 2013 unter dem Namen Mocopinus die Wende und feierte 2015 sein 150-jähriges Bestehen.