Ulm Neue Musik und die Welt der Schönheit

Musik und Farben: Mathis Mayr (l.) und Antonis Anissegos.
Musik und Farben: Mathis Mayr (l.) und Antonis Anissegos. © Foto: Udo Eberl
Ulm / UDO EBERL 12.04.2016
Mit zwei sehr selten zu hörenden Werken wählte Jürgen Grözinger einen großartigen Einstieg in sein Festival "Beautybroken" im Stadthaus.

Alles im Zeichen der Schönheit, die so gar nichts mit der plakativen Topmodel-Oberflächlichkeit unserer Tage zu tun hat. Jürgen Grözinger, wie immer Projektleiter des Festivals Neue Musik im Stadthaus, machte sich bei der Auswahl der Kompositionen für das Festival "Beautybroken" auf, die Essenz der Schönheit in dieser aufgebrochenen Welt zu finden. Das Festival nahm mit dem Prolog gleich richtig Fahrt auf. Grözinger zog perkussiv hinein in die Welt der Schönheit und öffnete den Raum auch für leise Reize. Mit Gérard Griseys "Prologue" für Solobratsche ging's auf eine Reise durch spröde Glissandi- und Flageolett-Schleifen, die zu Beginn noch unsicher vibrierten. Bratschistin Shasta Ellenbogen brauchte eine Weile, um sich freizuspielen. Das gelang ihr in den ekstatischen Teilen, die mehr nach Improvisation klangen als notiert.

Zum Herzstück des Abends wurde nach der Pause fraglos Morton Feldmans 90-minütiges "Patterns in a Chromatic Field" für Cello und Klavier", bei dem es sich etliche Liegendhörer auf den bereitgelegten Yogamatten bequem machten. Was der Cellist Mathis Mayr und der Pianist Antonis Anissegos in Fußballspiellänge boten, das führte mitten hinein in die Seele der Musik und die Reinheit des Klangs.

Die Sensibilisierung der Sinne konnte man hier genauso erfahren wie die magische, fast schon hypnotische Kraft des Werks. Dieses wurde über weite Strecken durch Visuals von Kurt Laurenz Theinert noch intensiver. Er flutete den Raum mit Farben, rotierender Grafik sowie mit Projektionen, die am Ende wie abstrakte Malerei wirkten. An erster Stelle war dieses "Chromatic Field" allerdings ein intensiver, tief bewegender Augen-zu-Flug, der alle Zeit-Metren aus den Angeln zu heben schien und der - ja, so schön war es - viel zu früh endete.

Info Das Festival wird am Dienstag, 19 Uhr, im Stadthaus fortgesetzt mit dem "Salon Lulu". Es erklingen Werke von Schönberg ("Verklärte Nacht"), Berg, Webern und Haas. Mitwirkende sind Maria Rosendorfsky, das European Music Projekt und Matthias Kaiser (Moderation).

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