Ulm Neue Museumschefin Stefanie Dathe überzeugt mit Inhalten

Sie kommt mit Energie, Optimismus, aber auch mit Forderungen: Stefanie Dathe übernimmt das Ulmer Museum.
Sie kommt mit Energie, Optimismus, aber auch mit Forderungen: Stefanie Dathe übernimmt das Ulmer Museum. © Foto: Lars Schwerdtfeger
LENA GRUNDHUBER 14.07.2016
Der Ulmer Gemeinderat hat sich entschieden: Neue Chefin des Ulmer Museums wird Stefanie Dathe, bisher Leiterin des Museums Villa Rot.

„Wenn mir jemand vor fünf Wochen und zwei Tagen gesagt hätte, dass ich heute hier in dieser Funktion sitze, hätte ich ihn für verrückt erklärt.“ Stefanie Dathe schien es selbst noch nicht ganz fassen zu können: Am Mittwoch wurde die 48-Jährige zur neuen Chefin des Ulmer Museums gewählt, erst vor wenigen Wochen war sie überhaupt als Kandidatin für die Stelle ins Spiel gekommen.

Die Stadträte hatten es aber auch spannend gemacht. Gute 20 Minuten brauchten sie, um den Wahl-Krimi letztendlich doch mit einer satten Mehrheit (31 von 38 Stimmen) zu Ende zu bringen. Dieweil die Nervosität draußen vor den Türen merklich stieg. Denn mit Dathe, bislang Leiterin des Museums Villa Rot in Burgrieden/Rot, holt man sich eine Frau, die zumindest in ihrer offiziellen Vorstellung klare Ansagen machte. Und ehrlich aussprach, dass sie sich das gut überlegt habe, denn der Posten genieße in der Fachwelt keinen guten Ruf – zuletzt hatte ihre Vorgängerin Gabriele Holthuis nach Querelen gekündigt.

Ein Porträt der "unverbesserlichen Optimistin" finden Sie hier.

Das Museum brauche eine Rundumerneuerung, sagte Dathe, und dazu nicht zuletzt die Unterstützung der Politik: „Ich appelliere an Ihren unternehmerischen Geist: Investieren Sie ins Museum!“ Dazu gehöre die Tilgung der Schuldenlast, denn in den vergangenen Jahren ist ein Defizit von rund 300.000 Euro aufgelaufen. Wenn in der Vergangenheit nicht wünschenswert gewirtschaftet worden sei, könne man es nicht dem Nachfolger überlassen, dies auszubaden. „Vielleicht können wir das 100-Jährige dann mit einem Neubau feiern.“

Ein Maximalziel, denn um bauliche Veränderungen gehe es ihr gar nicht in allererster Linie, wie Dathe sagte. Auch aus der Heterogenität des Sieben-Häuser-Hauses lasse sich Kapital schlagen, ja, es könne sogar die Marke des Ulmer Museums sein, „dass es so chaotisch ist“.

Die erste und wichtigste Aufgabe sehe sie in der Verbesserung des äußeren Erscheinungsbildes, in der Schaffung einer Corporate Identity und eines Corporate Design, wozu auch eine eigene Internetpräsenz gehöre. Auslöser für ihre Bewerbung sei die von der Stadt in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie gewesen, der sie in allen wesentlichen Teilen zustimme und die zeige, dass die Stadt zukunftsweisende Wege beschreiten wolle.

Neben der großen Vision – „Ulm als Kunststadt etablieren“ – punktete Dathe indes auch mit ganz konkreten Vorschlägen zur Gestaltung: Die Ulmer Sammlung biete einen reichhaltigen Fundus, den man für thematische Wechselausstellungen nutzen könne. Um in der Sammeltätigkeit Schwerpunkte zu setzen, könne man etwa an das vorhandene Konvolut von 25.000 Papierarbeiten anknüpfen und diesen Bestand ausbauen.

Was die inhaltlichen Vorschläge anging, konnte die in der Region gut vernetzte Kunsthistorikerin klar gegen die Vorträge ihrer Mitbewerber punkten.  Der freie Kurator Christian Philipp Schoen aus Ansbach blieb in seinen Vorschlägen zur Profilierung des Hauses als „einzigartiges Museum“ allzu allgemein. Stefan Borchardt, Kustos der Kunststiftung Hohenkarpfen, hob die Vielfalt als Qualität hervor, die man fruchtbar machen müsse, indem man die Sammlung neu denke.

Letztlich aber schien die Entscheidung des Ulmer Gemeinderats offensichtlich auf große Zustimmung unter den zukünftigen Kollegen und Kooperationspartnern von Stefanie Dathe zu stoßen, die jedoch „frühestens Anfang nächsten Jahres“ antreten wird. „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit“, sagte Mittelalter-Kuratorin Eva Leistenschneider. Und Stadthaus-Chefin Karla Nieraad: „Ich freu mich total, ich finde, das ist die richtige Frau.“