Ulm Neue Montagehalle: Iveco produziert im Ulmer Donautal wieder Löschfahrzeuge

Ulm / REGINA FRANK 27.09.2013
In Ulm werden wieder Löschfahrzeuge gebaut. In jener Halle, in der Iveco lange Zeit schwere Stralis-Lastwagen herstellte. Die neuen Montagelinien sind am Donnerstag eingeweiht worden.

"Meine Aufgabe ist interessanter und vielfältiger geworden", sagt der gelernte Werkzeugmacher Günter Peltzer (56). Er war Meister im Lkw-Fahrerhausbau und ist jetzt Meister im Feuerwehrfahrzeugbau. Der Facharbeiter trägt noch ein altes Stralis-Polo-Shirt, gleichwohl hat er seine neue Aufgabe verinnerlicht: "Es ist toll."

Im Ulmer Donautal werden erstmals seit 25 Jahren wieder Löschfahrzeuge hergestellt - parallel zur traditionell laufenden Drehleiter-Fertigung. Am Donnerstag hat Iveco seine neuen Produktionsanlagen eingeweiht - unter großem Interesse von Fachjournalisten, Kunden und Repräsentanten der Stadt Ulm. "Es geht hier nicht nur um eine neue Fabrik", betonte Brandschutz-Chef Antonio Benedetti, "es geht auch darum, hier Kompetenzen zu bündeln." Ein 40-Millionen-Euro-Projekt. Für Ulm bedeutet das "eine historische Chance".

Das neue Zentrum für Feuerwehrfahrzeuge nahm seinen Betrieb kurz nach Pfingsten auf und hat weitaus mehr Aufträge als erwartet. "Eine gute Nachricht. Der Markt anerkennt, was in Ulm entsteht", sagt Benedetti. Die große Nachfrage führt allerdings im Moment zu längeren Lieferzeiten - zumal in der aktuellen Phase Auswirkungen des Umbaus noch die Arbeit erschweren. Die Kapazität der vier neuen Montage-Linien ist zurzeit auf 1000 Fahrzeuge im Jahr ausgelegt. Sie kann bei Zwei-Schicht-Betrieb auf 1800 erweitert werden.

Unterdessen rückt der italienische Nutzfahrzeugkonzern Iveco die Ulmer Wurzeln des Feuerwehrwesens stärker in den Vordergrund: Der Name Magirus, der schon mit vielen anderen Namen verbunden war, steht ab sofort alleine als Marke für die Feuerwehrfahrzeuge. Verbunden mit einem neuen Logo, das "unsere Tradition mit unserem Glauben an die Zukunft verbindet" (Benedetti). Aus Ulmer Sicht indes wäre eine Spitze - wie bislang - treffender gewesen, merkte Stadtoberhaupt Ivo Gönner süffisant an. "Wir Ulmer haben auf einen Turm gesetzt, nicht wie die Kölner auf zwei." Wichtiger freilich: Nachdem die Nachricht von der Schließung der Lastwagenproduktion im Sommer 2012 für einen Schock gesorgt hatte und der Umbau des Standorts mit vielen Fragezeichen versehen war, sieht der Oberbürgermeister die Umwandlung als gelungen an und auf dem besten Weg.

Von zuletzt 1800 Arbeitsplätzen blieben 1500 erhalten. 300 Mitarbeiter schieden aus, über Alterslösungen oder Abfindungen. Im Brandschutz arbeiten nun 1000 Mitarbeiter (zuvor 400), die übrigen im verbliebenen Lkw-Bereich (Entwicklung, Umbau), in der Verwaltung oder bei der Werksfeuerwehr.

Arbeitnehmervertreter sind voll des Lobes: "Iveco hat sich insgesamt der Verantwortung gestellt", sagt der Konzernbetriebsratsvorsitzende Wilfried Schmid, "der Standort wird stabil sein". Sein Kollege vom Brandschutz, der Betriebsratsvorsitzende Ulrich Raiber, berichtet: "Die meisten Kollegen sind glücklich und zufrieden."

Der Umbau
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