Vortrag Grüne: Neue Mobilitäts-Kultur notwendig

Besonders bei der Mobilität muss ein Umdenken stattfinden, sagen die Grünen.
Besonders bei der Mobilität muss ein Umdenken stattfinden, sagen die Grünen. © Foto: Archiv
Ulm/Neu-Ulm / Hans-Uli Mayer 17.05.2018
Die Klimaziele verlangen eine Abkehr vom Auto. Die IHK ist dagegen, wie eine Veranstaltung im Haus der Donau zeigte.

In Sachen Mobilität braucht es nach Ansicht von Klaus Amler von der Beratung Ökonsult eine vollkommen neue Kultur. Er stellte bei einer Veranstaltung der Ulmer Grünen vor 70 Zuhörern im Haus der Donau die Mobilitätsstudie vor, die die Baden-Württemberg-Stiftung von Wissenschaftlern hat erstellen lassen. Mehr Elektroautos und autonomes Fahren allein werden die Probleme nicht lösen, sagte er.

Amler argumentiert aber auch ökonomisch. Er kritisiert, dass die enormen Kosten für Straßenbau und Parkplätze auf die Allgemeinheit umgelegt werden, obwohl zwischen 40 und 50 Prozent aller Haushalte kein Auto haben. „Wo bleibt da die Gerechtigkeit?“, fragte er in der von SÜDWEST PRESSE-Redakteurin Christine Liebhardt moderierten Runde.

Für Brigitte Dahlbender vom BUND ist indes eindeutig, dass ganz viel Überzeugungsarbeit notwendig sein wird, um eine Veränderung im Bewusstsein der Menschen zu erzielen. Es führe kein Weg daran vorbei, „dass wir die Attraktivität des Autos aus den Innenstädten und Wohngebieten zurückdrängen müssen“. Gerade auch die Kommunalpolitik dürfe nicht mehr nur die autogerechte Stadt im Blick haben. Städte müssten nicht nur erreichbar, sondern attraktiv sein, das Einkaufen müsse zum Erlebnis werden und weniger öffentliche Fläche als Parkplätze genutzt werden. Dabei gehe es nicht um Gängelung, sondern um die politische Steuerung einer Notwendigkeit. Auch wenn der Zeitraum bis 2050 noch weit sei, müsse man jetzt anfangen umzudenken.

Mehr ÖPNV und mehr Autos

Klarer Widerspruch kam von Hauptgeschäftsführer der IHK, Otto Sälzle. Der erklärte die Studie kurzerhand für unrealistisch und kann sich höchstens das Szenario mit den geringsten Einschränkungen vorstellen. Seiner Einschätzung nach wird der Verkehr – auch durch E-Mobilität und autonomes Fahren – zunehmen. Die Menschen zu gängeln, indem Verkehrsflächen reduziert werden, hält er nicht für richtig. Schließlich sei Baden-Württemberg das Automobilland schlechthin, und man sollte nicht den Ast absägen, auf dem man sitzt. Für das Stadtgebiet sieht er noch Verbesserungsmöglichkeiten beim Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), auf das Auto aber werde gerade Ulm mit seinem ländlichen Einzugsgebiet nicht verzichten können. Bei den Klimazielen vertraut er auf die Regierung, die das schon regeln werde.

Für Ulms auch für den Verkehr zuständigen Baubürgermeister Tim von Winning sind vor allem die „Entfernungszuwächse“ ein Thema. Menschen haben schon immer von der Wohnung zur Arbeit und zum Einkaufen kommen müssen. Heutzutage aber werde zu viel hin- und hergefahren.

Vor allem aber geht es ihm auch um eine „Kostenwahrheit“ wie er es nannte, weil die Ausgaben für den individuellen Autoverkehr auf die Allgemeinheit umgelegt würden. Etwa 80 Prozent aller Parkplätze in Ulm seien kostenlos, widersprach er außerdem Sälzles Behauptung, Ulm sei autofeindlich.

Wenn man davon ausgehe, dass Ulm die nächsten Jahrzehnte vielleicht um bis zu 20.000 Menschen wachse, dann könne man schon allein daran ablesen, dass es mit dem Verkehr so nicht mehr weitergehen könne. „Städte, die vom Auto wegkommen, sind die beliebtesten mit dem größten Zuwachs“, sagte Winning. Die Realität sei aber leider, dass es schon allein bei jedem neuen Projekt für Radfahrer großen Widerstand gebe. 

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