Im Kommunalwahlkampf sehen drei Parteien einen Schwerpunkt auf dem Wohnungsbau. SPD, Grüne und CDU legen jeweils eine ganze Liste an Vorschlägen vor, wie dem Mangel an Wohnraum vor allem für kleine und mittlere Geldbeutel begegnet werden soll. Alle drei wollen die Bauträger stärker in die Pflicht nehmen. Darüber hinaus gibt es eine Reihe weiterer Ideen. Ein Überblick.

Wettbewerbe Das Bauen ist zu teuer, sagen die Grünen und wollen Bauträger entlasten. Um hochwertige Architektur durchzusetzen, sind Investoren bislang aufgefordert, in einer Art Wettbewerb mehrere Architekturbüros zu beauftragen. Eine Jury kürt aus den Entwürfen einen Sieger. Überflüssig, meint Stadträtin Annette Weinreich, eine gelernte Architektin. „Das verteuert das Bauen unnötig.“ Die Stadt sollte darauf verzichten. Eine hochwertige Fassadengestaltung könne auch über den Gestaltungsbeirat sichergestellt werden.

Stellplätze In verdichteten Wohnlagen lassen sich Parkplätze oft nur in teuren Tiefgaragen herstellen. Die einstige grün-rote Landesregierung habe Möglichkeiten geschaffen, die Zahl der Stellplätze zu reduzieren. „Ulm macht davon nur keinen Gebrauch“, sagt Michael Joukov-Schwelling (Grüne). Eine Möglichkeit: Einem Bauträger, der sich zur Einrichtung eines Carsharing-Platzes verpflichtet und mit einem Anbieter einen Vertrag abschließt, könnte eine bestimmte Anzahl an Stellplätzen erlassen werden.

Sozialbindung Auch privatrechtlich gäbe es nach Ansicht der Grünen Möglichkeiten, günstigen Wohnraum zu schaffen. Die Sozialbindung von öffentlich geförderten Mietwohnungen laufe nach zehn Jahren aus. Beim Grundstücksverkauf könnte die Stadt aber ins Grundbuch eine längere Geltungsdauer eintragen lassen, „zum Beispiel 20 Jahre“.

UWS Die SPD-Fraktion will die Rolle der städtischen Wohnungsgesellschaft UWS stärken. „Sie ist der Garant dafür, dass Mieten erschwinglich bleiben“, sagt Martin Rivoir, der auch Vorsitzender des Mietervereins ist. Er ist überzeugt: Die Lage in Ulm würde ganz anders aussehen, wenn es die UWS nicht gäbe. „Andere Kommunen schlecken sich danach die Finger.“

Die UWS sollte nach Ansicht der SPD verstärkt Mietshäuser kaufen und noch mehr eigene Wohnungen bauen, auch in den Ortsteilen. Für beide Aufgaben müssen die UWS mit Kapital ausgestattet werden.

Grundstücke Für städtische Grundstücke sollte der Grundsatz gelten: Sie bleiben in städtischer Hand, werden also vorrangig der UWS statt privaten Bauträgern angeboten, fordert die SPD: „Eine Privatisierung städtischer Grundstücke muss minimiert werden.“ Einen ähnlichen Ansatz verfolgt die CDU. Die Stadt sollte Grundstücke vermehrt an private Baugemeinschaften und Privatleute zur Eigennutzung verkaufen und auch vermehrt von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen, heißt es in dem Antrag. Außerdem dauern der CDU Ausweisung und Erschließung neuer Baugebiete zu lang. Die Stadt sollte erstens mehr Gas geben und zweitens darüber nachdenken, von der bisher üblichen Praxis abzuweichen, nämlich Baugebiete erst zu vermarkten, wenn sämtliche Grundstücke in städtischem Eigentum sind.

Ausschreibungen Im Geschosswohnungsbau sollten Bauplätze nur noch nach so genannten Konzeptausschreibungen vergeben werden, meint die SPD. Das bedeutet, dass sich Investoren mit einem Konzept bewerben müssen und die Stadträte nach einem Bewertungssystem entscheiden können, wer den Zuschlag erhält. Ein wichtiges Kriterium für die Genossen ist eine „möglichst langfristig festgelegt bezahlbare Miethöhe“.

Baurecht Die Stadt Ulm soll „alle rechtlichen Möglichkeiten konsequent nutzen“, um den Bau bezahlbarer Wohnungen durchzusetzen. Neben Bauleitplanung und Baurecht zählt die SPD dazu auch eine vom Land ermöglichte Zweckentfremdungsverordnung gegen Wohnungsleerstand, die Ulm einführen müsse. Außerdem sollten Baugemeinschaften und Erbbauprojekte stärker gefördert werden.

Werkswohnungen Die Stadt sollte auf Ulmer Unternehmen zugehen und den Bau von firmeneigenen Wohnungen fördern. „Das kann für die Firmen auch ein Standortvorteil bei der Suche nach Fachkräften sein“, sagt Martin Rivoir (SPD).

Baugebiete Die Stadt sollte alles dafür tun, Bauprojekte zu beschleunigen. Als Beispiele nennt die SPD den Parkplatz Stockmahd an der Donauhalle, den Kuhberg nördlich der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule und zwischen der Jugendherberge und der Lindenhöhe. In der Bleidornkaserne könnte die UWS der Bundeswehr anbieten, Wohnungen mit Belegungsrecht für Bundeswehrangehörige zu bauen.

Wohneigentum Wie können Durchschnittsverdiener an Wohneigentum kommen? Diese Frage treibt die CDU-Fraktion um. „Gute und attraktive Stadtlagen“ seien für junge Leute oder Familien mit Kindern kaum mehr bezahlbar. Die eigene Immobilie schaffe aber Sicherheit und beuge Altersarmut vor. Die CDU bringt deshalb die städtische UWS ins Spiel. Sie sei zwar in erster Linie dafür da, sozialverträgliche Mietwohnungen anzubieten. Sie könnte aber jährlich ein Prozent ihrer 7000 Wohnungen an interessierte Mieter verkaufen. So hätten auch Mieter Gelegenheit, Eigentümer zu werden. Zudem sollte die Stadt öfter von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen.