Soziales Neue Ideen für das Leben im Alter

Ulm / Verena Schühly 11.08.2018

Vor einem Monat hat der letzte formale Akt stattgefunden, um das Kapitel städtisches Alten- und Pflegeheim Wiblingen zu schließen: Der Eigenbetrieb wurde – rückwirkend zum 31. Dezember 2017 – aufgelöst und die Betriebssatzung aufgehoben.  Aber das Thema Altenhilfeplanung hat sich für die Stadt damit nicht erledigt, machte Bürgermeisterin Iris Mann dabei deutlich.

Was bedeutet das konkret? Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht, sagt die Bürgermeisterin: „Das Thema ist komplex.“ Und der  Bereich Pflegeheime ist nur ein Aspekt von vielen. „Realität ist, dass die Menschen lieber daheim bleiben wollen, statt ins Heim zu gehen.“ Es geht also um die Wünsche der Älteren bezüglich eines selbstbestimmten Lebens. Das bedeutet: Es braucht ein großes und dichtes Netz von unterschiedlichen Unterstützungs- und Betreuungsangeboten, die sich individuell anpassen lassen, je nach Bedarf.

Das Land Baden-Württemberg will das Projekt „Modellkommune Pflege“ auflegen, in dem ausgesuchte Städte und Gemeinden neue Pflege-Konzepte erproben. Mit dem Ziel, unterschiedliche Mischungen von Angeboten zu testen und damit „Best-Practice-Beispiele“ aufzustellen. Allerdings sind die Vorgaben noch nicht konkret formuliert. Das soll aber bis Ende 2018 geschehen, kündigt das Sozialministerium an. „Wir werden uns die Ausschreibung sehr genau anschauen und entscheiden dann, ob wir uns bewerben“, sagt Iris Mann.

Präventive Angebote sinnvoll

Die Idee ist, durch neue Strukturen den Kommunen mehr Steuerungsmöglichkeiten zu geben. Im Bereich der Jugendhilfe hat Ulm damit gute Erfahrungen gemacht. Mit dem Konzept der Sozialraumorientierung sind in den vergangenen 14 Jahren trotz deutlich gestiegener Fallzahlen die Kosten nicht aus dem Ruder gelaufen. Es ist gelungen, dass niederschwellige und frühzeitig ansetzende Angebote die Betroffenen erreichen. Die Konsequenz: Spätere und teurere Hilfsmaßnahmen sind deutlich zurückgegangen. Ulm war damit Vorreiter im Land.

Allerdings gibt es einen großen Unterschied zwischen Jugend- und Altenhilfe: Bei Ersterer ist die Kommune für die Finanzierung zuständig, bei Zweiterer sind es maßgeblich die Pflege- und Krankenkassen. Für neue Strukturen „muss man die Bezahllogik ändern“, betont Iris Mann. Daher braucht es mehr als nur Ideen der Kommune.  

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