Tourismus Neuer Stellplatz für Wohnmobile

Für Camper gibt es bald einen neuen Stellplatz.
Für Camper gibt es bald einen neuen Stellplatz. © Foto: Matthias Kessler
Neu-Ulm / Harald John 14.07.2018
Nach langem Vorlauf bekommen Ulm und Neu-Ulm einen neuen Stellplatz für Wohnmobile in der Nähe des Donaubades. Die Friedrichsau soll entlastet werden.

Die jahrelange Suche nach einem Stellplatz für Wohnmobile ist beendet: Auf einer Fläche am Öschweg in Neu-Ulm soll bis zur kommenden Saison ein „Reisemobilhafen“ mit 49 Stellplätzen entstehen, wobei es in einer Ausbaustufe 100 werden können. Das 8000 Quadratmeter große Grundstück, das alte Ulmer noch als „Gold-Ochsen-Wiese“ kennen, ist Überflutungsgebiet, weshalb es unter anderem keine Toilettenanlagen geben wird und Stromsäulen, die im Fall eines Hochwassers demontiert werden können.

Finanzbürgermeister Martin Bendel erläuterte im Hauptausschuss die Vorteile. Zum einen werde der alte Stellplatz in der Friedrichsau nach und nach entlastet („wir werden ihn nicht mehr aktiv bewerben“), zum anderen liege die Stellfläche in Neu-Ulm außerhalb der Umweltzone, so dass – anders als in der Oststadt – auch ältere Wohnmobile anreisen können. Zudem sei das benachbarte Donaubad gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden, Touristen könnten schnell und unkompliziert nach Neu-Ulm oder Ulm fahren.

Die Gesamtkosten liegen bei 600.000 Euro, wobei Ulm 400.000 Euro übernimmt. Die restliche Summe muss der Neu-Ulmer Stadtrat in seiner Sitzung am 25. Juli freigeben. Künftiger Betreiber des Platzes wird die Donaubad GmbH, sie soll auch die Kontrolle übernehmen. Eine Schranke ist nicht geplant, Camper können die tägliche Standgebühr am Kassenautomaten einzahlen.

Immer mehr Wohnmobil-Besucher

Für uns ist diese Entscheidung, sollte Neu-Ulm auch zustimmen, ein Quantensprung“, sagt Wolfgang Dieterich, Geschäftsführer der Ulm/Neu-Ulm-Touristik. Schließlich expandiere der Markt der Wohnmobilisten, Reisemobil-Zeitschriften würden zunehmend über die Doppelstadt berichten. „Ich hatte in den letzten Jahren viele Anfragen wegen eines Stellplatzes“, so Dietrich. Die könne er nun demnächst beantworten. Zudem würde der Platz in der Friedrichsau, der als Park & Ride-Platz gedacht sei, entlastet. Nach Schätzungen der Touristiker kommen jährlich 7000 Wohnmobile nach Ulm, es gibt rund 15.000 Übernachtungen. Die Gäste geben im Schnitt 50 Euro pro Tag aus, das macht jährliche Umsätze von rund 750.000 Euro.

Was lange währt oder: die unendliche Geschichte des Campingplatzes

1954 Es beginnt schon reichlich absonderlich: Im „Campingführer 1954“, der alle Plätze in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Österreich auf 416 Seiten aufführt, taucht auch der Camping-Platz Steinhäule auf. Das hat nur einen Fehler: Es gibt ihn gar nicht. Eine Kommission der Stadt Ulm hatte den Standort wegen Waldbrandgefahr abgelehnt.

1960 Und dann gibt es ihn doch,  den Campingplatz Steinhäule. Der „Campingführer Hamburg-München-Palermo-Gibraltar“ monierte allerdings, die sanitären Anlagen seien mehr als dürftig. Der Camping-
Platz wird daraufhin saniert, es sieht dort aus wie in einer „Musterausstellung des Installateurhandwerks“, schreibt die Schwäbische Donauzeitung 1961.

1979 Der Platz ist ein „Schandfleck“. Er wird aus Hygienegründen geschlossen. Aber: Ein anderer Platz ist nicht in Sicht, Ulm wird zum Camping-Notstandsgebiet. Wie Nessie taucht die Forderung nach einem Camping- oder Caravan-Platz verlässlich in jedem Sommerloch auf. 1993 sollen die Camper nach Finningen, doch die Anwohner machen dagegen mobil.

2000 Camping auf den alten Einsinger Sportplätzen? Oder am „Kaltwässerle“? Vielleicht am Brandstätter See? Immer wieder werden Standorte ins Spiel gebracht, weil der Parkplatz hinterm Gefängnis eine Interimslösung ist. Wohnmobilisten können dort seit 1998 zwar Abwasser ablassen und Frischwasser auftanken, aber: Schön ist anders. ruk

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