Name Neue Firmenkultur bei Fritz & Macziol - Namenswechsel Anfang 2017

Dr. Reinhard Schlemmer von Vinci Energies hat große Pläne mit Fritz & Macziol.
Dr. Reinhard Schlemmer von Vinci Energies hat große Pläne mit Fritz & Macziol. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / FRANK KÖNIG 27.09.2016
Vinci stellt beim Systemhaus Fritz & Macziol die gesamten Hierarchien im Management um. Der Namenswechsel auf Axians IT Solutions erfolgt dann Anfang 2017.

Das Hard- und Software-Unternehmen Fritz & Macziol verliert seinen Namen und wird zu Axians IT Solutions, aber das muss kein Weltuntergang sein. Zumindest, wenn man den Chef von Vinci Energies Deutschland, Reinhard Schlemmer, hört. Schlemmer führt das Ulmer Vorzeige-Unternehmen, seit Firmengründer Heribert Fritz und dessen Nachfolger Oliver Schallhorn die Firma nach dem Einstieg des französischen Vinci-Konzerns Knall auf Fall verlassen mussten. Schlemmer will den Job solange machen, bis Axians IT das „innovativste und beste Systemhaus in Deutschland ist“, sagte er beim Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE.

Dabei kann er ziemlich locker bleiben, denn die Management-Philosophie von Vinci sieht den Geschäftsführer nicht als alleinigen Macher einer Firma. Führungskräfte seien häufig zu weit weg vom Geschäft. Schlemmer hält es sogar für eine Gefahr, wenn Entscheidungen ständig von oben verkündet werden. Die Strategie müsse vom Team kommen: „Wir sind sehr hemdsärmlig.“

Daher hat Schlemmer, ohnehin mit Dienstsitz Köln, wichtige Entscheidungen in die neuen 24 Geschäftseinheiten (Business Units) von Fritz & Macziol hineinverlagert. In der französischen Terminologie heißen sie „Entreprises“, was den unternehmerischen Ansatz verdeutlicht. Die Business Units agieren wie eigenständige Betriebe: mit Verantwortung für Einnahmen, Ausgaben, Gewinn. Die Kostenrechung stammt nicht von Controllern, sondern von Ingenieuren und ist nach den Worten Schlemmers gut handhabbar. Dabei gehe Ertrag vor Umsatz, und es gelte die Devise: „Keine Alibis“.

Das Netzwerk der Business Units ersetzt die bisherigen Hierarchien und macht auch die Firmenhüllen weitgehend bedeutungslos – freilich nicht die Standorte. Ulm bleibt unter der Marke Axians ein „Service Hub“ mit Zentralfunktionen wie Buchhaltung, Personal und interne EDV.

Nach Schlemmers Worten wurde der Verlust des gründer-geprägten Firmennamens beim Einstieg von Vinci mit  Heribert Fritz abgesprochen. Fritz habe maßgeblich dazu beigetragen, dass die Firma nicht in den Strudel der Imtech-Insolvenz geriet, sondern 2014 noch rechtzeitig bei Vinci landete. Ungeachtet der Erfolge des Systemhauses und seines starken Wachstums sei der Firmenname Fritz & Macziol aber nur in Süddeutschland wirklich bekannt.

Bei überregionalen IT-Projekten sei es sinnvoll, als Axians zu agieren. So könne man auch Nachwuchskräfte besser ansprechen, die in einer großen Organisation mehr Aufstiegschancen sehen: „Wir kämpfen um die Talente“. Der Namenswechsel in Ulm ist zum 1. Januar 2017 geplant. Das Fritz & Macziol-Schwesterunternehmen Infoma für kommunale Software wird zu Axians Infoma.

Für die beiden Firmen ist der Standort im Hörvelsinger Weg zu klein geworden, vor allem Infoma platzt aus allen Nähten. Daher denkt Schlemmer über einen Neubau oder den Umzug in ein größeres Firmengebäude in Ulm nach. Infoma beschäftigt mehr als 200 Mitarbeiter, davon mit 150 die Mehrzahl in Ulm. Bei Fritz & Macziol sind es 800 Beschäftigte, darunter 220 in Ulm, gesamte Belegschaft am Standort: 370.

Die maßgeblichen Business Units des Systemhauses sind Datenauswertung, Rechenzentren mit Hardware, Cloud-Services. Für die neuen Unternehmer in den Units stellen sich Fragen wie: Wo sind wir gut? Wo wird das Geld verdient? Wie läuft der Markt? Die letztere Frage hat Schlemmer für Vinci Energies im Grundsatz beantwortet. Der Markt in der Energie-Branche läuft in Richtung intelligente Stromnetze, Smart Grids. Dafür, aber auch das vernetzte Smart Home brauche die Vinci-Sparte entsprechendes Wissen aus der IT.

Kommentar

IT: Insgesamt 2000 Mitarbeiter

Vinci Der französische Bau- und Konzessionskonzern Vinci erzielte zuletzt 39 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigt über 185.000 Mitarbeiter. Vinci Energies steht mit Erlösen von 10 Milliarden Euro für ein Viertel des Konzernumsatzes.

Vinci Energies Die Energiesparte ist in 50 Ländern vertreten, beschäftigt etwa 65.000 Mitarbeiter, davon in 12.000 Deutschland, davon 2000 in der IT. Große Themenfelder sind Strom-Infrastruktur und Elektro-Automatisierung in der Industrie.

Fritz & Macziol  Vinci hat Fritz & Macziol 2014 als Teil des ICT-Pakets von Imtech übernommen. Heribert Fritz und Eberhard Macziol hatten die Firma 1987 gegründet und 2006 an Imtech verkauft. Macziol ging nach einem Streit zu Wilken.

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