Kirche Neubeginn im Ulmer „Kloster im Herzen der Stadt“

Ulm / Verena Schühly 10.12.2018

Baustellen sind in Ulm immer ein Thema, und am Sonntag haben sie es sogar bis in die Predigt in der Wengenkirche geschafft. Pfarrer Michael Estler übernahm das Bild für den Willkommens-Gottesdienst der drei neuen Schwestern vom „Kloster im Herzen der Stadt“.

Alle drei gehören dem Orden der Franziskanerinnen von Reute an: Schwester Elisa Kreutzer (37) ist in Ulm geboren und in Langenau aufgewachsen. Zuletzt war sie im Integrationszentrum in Weingarten tätig. Schwester Ines Wellhäuser (75) stammt aus der Nähe von Ravensburg, hat als junge Frau in Ulm ein freiwilliges soziales Jahr im Marienheim von St. Elisabeth absolviert und die vergangenen Jahre mit Flüchtlingen in Weingarten gearbeitet. Die Dritte im Konvent ist Schwester Leonie Voitenleitner (38), geboren in der Oberpfalz. Sie arbeitet schon seit Mai als katholische Gemeindereferentin in Dornstadt und wird das auch weiterhin tun.

Alle drei Frauen sagten, dass sie sich auf ihren neuen Lebensabschnitt in Ulm und die Begegnungen mit den Menschen freuten – und die gut 100 Gottesdienstbesucher quittierten das mit herzlichem Applaus.

Pfarrer Estler zog in seiner Predigt zunächst eine Parallele von Großbaustellen wie die der eben in Ulm fertig gewordenen Straßenbahn oder die ICE-Neubaustrecke auf der Alb: „Dafür wurde und wird viel bewegt – mit Mühsal, Arbeit und Geld.“ Auch bei der Menschwerdung Gottes sei vieles im Umbruch und im Wandel: „In diesem Sinn ist Advent keine Zeit der Besinnung und Ruhe, sondern fordert Aktivität am Bauprojekt Gottes.“

So sieht Estler auch den Neuanfang der Schwestern in Ulm, dass „sie auf neuen Wegen unterwegs sind, auch wenn dabei erst noch mancher Hügel abgetragen und manche Brücke gebaut werden muss“. Der Übergang im Konvent sei mit Veränderungen verbunden. Er zollte noch einmal den vor drei Wochen verabschiedeten vier Schwestern seinen Respekt für die in den vergangenen fünf Jahren geleistete Arbeit. „Aber so ist das auf Baustellen auch manchmal: Einer legt das Fundament, und ein anderer baut darauf auf.“ Es bleibe das große gemeinsame Ziel, „dass wir uns für das Evangelium einsetzen“.

Franziskanerinnen-Generaloberin Maria Hanna Löhlein aus Reute nahm Estlers Bild auf: „Die drei Neuen bauen weiter.“ Das sei im Sinn des Heiligen Franziskus, der „selbst immer unterwegs war“ und für den „Kirche aus lebendigen Steinen“ bestehe.

Wie die Oberin schon vor drei Wochen gesagt hatte, wird der Orden in Ulm jetzt „kleine Brötchen backen“. In der Praxis heißt das: Die Schwestern Elisa und Ines haben rechnerisch nur jeweils eine 50-Prozent-Stelle. Denn Erstere macht außerdem die Öffentlichkeitsarbeit für den ganzen Orden. Und Schwester Ines darf altershalber kürzer treten. Schwester Leonie lebt zwar im Ulmer Konvent, arbeitet aber zu 100 Prozent in Dornstadt.

„Wir freuen uns auf den gemeinsamen Weg und ihre Ideen“, meinte Kathrin Kneer, die Vizevorsitzende des Kirchengemeinderats von Wengen.

Angesiedelt bei St. Michael zu den Wengen

Geschichte Die Idee zum „Kloster im Herzen der Stadt“ hat der frühere katholische Dekan Matthias Hambücher vorangetrieben. Eröffnet wurde es am ersten Advent 2013, der Konvent ist im früheren Pfarrhaus der Wengenkirche. Anfangs war es eine Kooperation zweier Orden: der Franziskanerinnen von Reute und der Steyler Missionarinnen. Die Laupheimer haben ihre Schwestern Anfang 2017 zurückgezogen. Vor drei Wochen wurden die vier bisherigen Franziskanerinnen verabschiedet. Künftig wollen sich die Schwestern und das Wengen-Pastoralteam enger verzahnen und mit anderen Einrichtungen kooperieren.

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