Asyl Neubauten für Flüchtlinge

Ein Gebäude der Kaserne soll als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden.
Ein Gebäude der Kaserne soll als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / CHIRIN KOLB 13.03.2015
Die Stadt Ulm will an zunächst fünf Standorten neue Unterkünfte für Flüchtlinge schaffen. An dreien sind Neubauten geplant. Gesamtkosten: rund 20 Millionen Euro. Stadt und Stadträte drücken aufs Tempo.

Die weiter steigenden Flüchtlingszahlen bringen die Stadtverwaltung unter Druck. "Wir mieten alles an, was wir kriegen können", beschrieb Bürgermeisterin Iris Mann vor Stadträten die Lage. Die Zahl der Menschen, die die Stadt unterbringen muss, werde sich weiter erhöhen. Derzeit leben 480 Flüchtlinge in Ulm, Ende des Jahres werden es Prognosen zufolge 714 sein. Es fehlen Unterkünfte. Die fehlenden Plätze beziffert die Verwaltung auf 364 Ende Dezember.

Deshalb will die Stadt möglichst schnell neue Unterkünfte schaffen. Und zwar an mehreren Stellen im Stadtgebiet, denn die Flüchtlinge sollen nicht zentral untergebracht werden. Geplant sind drei Neubauten: in Böfingen in der Nähe des Seniorenzentrums, in den Wiblinger Eschwiesen und in der Weststadt neben dem Westbad. Weitere Standorte sind ein Haus in der Magirusstraße, das die Stadt gekauft hat, und die Hindenburgkaserne. Insgesamt bringt das rund 540 Plätze.

Böfingen Zwei Standorte standen zur Auswahl, die Stadträte haben sich auf jenen "Am Böfinger Weg" westlich des Seniorenzentrums St. Michael festgelegt. Das Grundstück gehört der Stadt. Dort soll ein Wohnheim, bestehend aus zwei zweigeschossigen Gebäuden in Modulbauweise, mit Platz für rund 120 Flüchtlinge entstehen. Die Stadt schätzt die Investitionskosten auf rund 4,9 Millionen Euro.

Die CDU bevorzugte zunächst den zweiten Standort nördlich des Kindergartens. Er kommt aber nach Darstellung der Verwaltung aus mehreren Gründen nicht in Frage. Das Grundstück ist zu klein, dort könnte nur eine Unterkunft für 35 Menschen geschaffen werden. Um die vorgesehenen 120 Plätze zu erreichen, müssten die derzeit zulässigen Baugrenzen derart überschritten werden, dass ein neuer Bebauungsplan nötig wäre. Zeitverlust: mindestens ein Jahr.

Wiblingen Auf dem Grundstück zwischen Aldi und der bestehenden Wohnbebauung im Gebiet Eschwiesen will die Stadt ebenfalls in Modulbauweise zwei Gebäude mit Platz für 72 Menschen erstellen. Die geschätzten Kosten liegen bei rund 2,7 Millionen Euro.

Westbad Wo jetzt noch Autos parken, sollen bald Flüchtlinge leben. Die städtische Wohnungsgesellschaft UWS will auf dem Parkplatz am Westbad in herkömmlicher Bauweise, also nicht im einfachen Modulsystem, ein Haus bauen, das Wohnraum für 50 Menschen und Büros für städtische Mitarbeiter bieten wird. Sollte es einmal nicht mehr für Flüchtlinge gebraucht werden, kann es weitergenutzt werden. Zu den Baukosten wollte sich UWS-Geschäftsführer Dr. Frank Pinsler noch nicht äußern. Sie dürften aber im Bereich von fünf, sechs Millionen Euro liegen. Der Baubeginn ist für 2016 vorgesehen.

Dieser Standort sei "hervorragend für Wohnbau geeignet", sagte Baubürgermeister Alexander Wetzig. Die wegfallenden Parkplätze werden an der Moltkestraße ersetzt: auf dem Rasen zwischen Gehweg und Westbad.

Hindenburgkaserne Ein Gebäude der Kaserne soll als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden. Die Stadt kann die Kaserne voraussichtlich im Juli dieses Jahres übernehmen, erst dann können die Pläne konkretisiert werden. Der Umbau kostet rund 3,7 Millionen Euro. 150 Menschen sollen dort unterkommen.

Magirusstraße Die Stadt hat das siebengeschossige Bürogebäude in der Magirusstraße 17 gekauft. Dort sollen ab Frühjahr 2016 bis zu 150 Menschen einziehen. Noch ist ein Teil des Gebäudes vermietet. Die Verwaltung schätzt die Kosten auf rund 3,8 Millionen Euro.

Dieses Konzept haben die Stadträte beider beteiligter Ausschüsse einstimmig beschlossen. Auch die CDU stellte ihre Bedenken zurück, weil sie am Gesamtkonzept nicht rütteln und keinen Zeitverzug riskieren will.

Zu jedem einzelnen Vorhaben wird es eine Bürgerbeteiligung und Infoveranstaltungen geben. Die erste zum Neubau am Westbad ist bereits terminiert: Donnerstag, 19. März, 19 Uhr im Weststadthaus.

Bessere Betreuung und Integration von Flüchtlingen

Teilhabe Alle Menschen, die in Ulm leben, sind Ulmer Bürgerinnen und Bürger - von diesem Grundsatz, den OB Ivo Gönner in der Schwörrede betonte, geht die Stadtverwaltung aus. Auch Flüchtlingen, die vielleicht nur zeitweise in Ulm leben, soll Teilhabe ermöglicht werden. Der mit Fachleuten besetzte Runde Tisch hat Vorschläge gemacht, wie Flüchtlinge besser betreut und integriert werden können. Diese sozialen Maßnahmen seien genau so wichtig wie bauliche, sagte Bürgermeisterin Iris Mann. Dazu zählen Sprachförderung, Sportangebote, Dolmetscherdienste. Einige Beispiele:

Kindertagesstätten Die Betreuung in städtischen Kitas ist für Flüchtlingskinder künftig gebührenfrei.

Arbeitsgelegenheiten Der Runde Tisch will Vereine, Behörden und andere Einrichtungen dafür gewinnen, mehr gemeinnützige Arbeitsgelegenheiten für Flüchtlinge zu schaffen. Die Stadtverwaltung selbst will mehr zur Verfügung stellen.

Ehrenamt Schon jetzt seien viele Menschen ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit engagiert, lobte Sozialplaner Markus Kienle. Angesichts von 120.000 Einwohnern und 500 Flüchtlingen sagt er: "Das kriegt man integrationsmäßig hin."

 

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