Wohnungen Neubaupläne für altes Kriegsspital in Neu-Ulm

Neu-Ulm / Edwin Ruschitzka 18.04.2018
Ein Privatinvestor plant Großes an der Memminger Straße: Ein Teil der Bundesfestung wird aufgestockt, daneben neu gebaut.

Es tut sich wieder was am Bahntrog in Neu-Ulm. Dort, wo sich die Realgrund im Bereich des „Südstadtbogens“ an der Memminger Straße gerade mit unliebsamen Bombenfunden plagt, sollen – wie mehrfach berichtet – Wohnungen, Gewerbeflächen und ein 13-geschossiger Büroturm entstehen. Auf der anderen Seite des Bahntrogs befindet sich ein Teil der Bundesfestung, das so genannte Kriegsspital. Dazu kommt noch ein Flachbau, in dem ein Spielcasino untergebracht ist. Beides gehört dem Familienunternehmen Panescu-Immobilien aus Kempten. Und dieses hat nun Großes vor.

Im Fachausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt wurde gestern der Entwurf vorgestellt: Panescu-Immobilien will mit Hilfe der F64-Architekten, ebenfalls aus Kempten, das alte Kriegsspital umbauen: Das Satteldach wird abgerissen, darauf sollen zwei Stockwerke gesetzt werden.

55 Wohnungen sind geplant

Die Flächen im Keller, im Erd- und im Obergeschoss sind weitgehend an Gewerbetreibende und Dienstleister vermietet. Und das soll so bleiben. In den beiden aufgesetzten Stockwerken sollen insgesamt 55 Wohnungen untergebracht werden. Das Ganze ist mit dem Denkmalschutz abgesprochen und genehmigungsfähig, denn: Nach dem Umbau würde das Kriegsspital wieder fast so aussehen wie vor der Zerstörung durch Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg (sieht das historische Foto).

Mehr noch: Der Bauherr will den benachbarten Flachbau abreißen und auf dem Gelände weitere Wohnungen bauen, in mehreren fünf- bis achtgeschossigen Gebäudeteilen. Sie sollen das Pendant zum „Südstadtbogen“ bilden. Geplant sind in diesem Bereich auch zwei Tiefgaragen mit 55 Stellplätzen im Bereich des Kriegsspitals und 146 Stellplätzen unter den Neubauten. Die Erschließung des gesamten Geländes soll über die Turmstraße erfolgen.

Mit dem ersten Bauabschnitt, also dem Umbau des Kriegsspitals, könnte 2020 begonnen werden, mit den Neubauten dann 2024. Zuvor müsste die Stadt aber das Baurecht schaffen, sagt Andreas Buchner von den F64-Architekten.

Die Geschichte des Gebäudes

Historie Das Kriegsspital gehört streng genommen zur Bastion 5 der Bundesfestung auf der Neu-Ulmer Seite. Die Bastion wurde 1844 bis 1850 gebaut. Sie bestand aus Wall, Escarpe, Glacis, Graben mit Künette sowie einer Mörserbatterie hinter einer Schildmauer. Hinter dem Wall wurde von 1850 bis 1854 das Kriegsspital gebaut und 1894 um zwei Stockwerke erhöht. Es war für 380 Patienten ausgelegt, wurde aber zwischen 1873 und 1918 vom I. Bataillon des 1. Bayerischen Fußartillerieregiments als Kaserne genutzt. Das Bauwerk wurde 1945 von Bomben getroffen. Die beiden oberen Stockwerke brannten vollständig aus und wurden danach abgetragen. Die Anlage steht seit 1973 unter Denkmalschutz. Die Bastion ist im Besitz der Stadt Neu-Ulm, das Spital gehört dem Familienunternehmen Panescu aus Kempten.