Operation Neuartige implantierbare Kontaktlinse bei Alterssichtigkeit

Ulm / Christoph Mayer 16.05.2017

Altersfehlsichtigkeit gepaart mit Kurz- oder Weitsichtigkeit – Patienten, die dieses Problem nachhaltig und brillenfrei gelöst haben wollten, blieb bisher nur eines übrig: eine Augen-OP, bei der die eigene Linse vom Operateur herausgeschnitten und gegen eine künstliche eingetauscht wurde. Auch wenn solche Eingriffe längst Routine sind, schrecken viele Menschen davor zurück, sagt Dr. Rüdiger Schmid. „Wer gibt schon gerne ein eigenes Körperteil her, dazu ein hochsensibles wie die Augenlinse? Da tun sich viele schwer.“

Doch glaubt man dem Ulmer Augenchirurg und Inhaber der Privatpraxis Accuratis in der Weststadt, so gehört dieses „Amputationsverfahren“ bald der Vergangenheit an. Als erster seiner Zunft in Deutschland hat Schmid vor wenigen Wochen bei einem 50-jährigen Patienten eine neuartige Kontaktlinse implantiert. Das Besondere bei diesem nur knapp zehn Minuten dauernden Eingriff: Die körpereigene Linse bleibt erhalten. Der Chirurg setzt mit einer Art Spritze lediglich eine hauchdünne Folie aus Acrylat zusätzlich ins Auge ein. Schon am Tag nach der Operation habe der Patient seine volle Sehstärke gehabt und dank der multifokalen Linsenoptik gut nah und fern sehen können.

Der Ulmer „Patient 1“ war kein Versuchskaninchen. Das Verfahren mit der zusätzlichen Linse werde in Asien sowie in einigen europäischen Ländern schon seit einigen Jahren erfolgreich  angewendet, sagt Schmid, der von mehreren zehntausend Eingriffen spricht. „Auch in Deutschland besteht große Nachfrage, aber der Hersteller hat das hierzulande  bisher nicht vertrieben.“ Richtiggehend im Nacken gesessen habe er dem Unternehmen „Domilens“ seit 2008.  Und deshalb nun den Zuschlag bekommen, das neue System als erster in Deutschland und wenige Wochen vor der offiziellen Markteinführung auszuprobieren. Von Juni an werde es wohl von allen größeren operierenden Augenarztpraxen angeboten. „Jeder geübte Chirurg kann das Verfahren anwenden.“

Gesetzliche Krankenkassen zahlen die Behandlung (wie auch die bislang übliche)  nicht, private übernehmen immerhin ein Drittel bis zur Hälfte der Kosten. Ein Eingriff an beiden Augen schlägt mit 5000 bis 5400 Euro zu Buche, was auch daran liegt, dass die Kunstlinse individuell angefertigt werden muss. Über die Jahre gesehen rechne sich die Behandlung aber schon wohl, weil man weder Kontaktlinsen noch Brille brauche. 

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