Parcour Neu-Ulmer zeigt rasante Akrobatik in RTL-Show

Steven Rindle in Aktion bei dem Auftritt in der Sendung. Sein Wissen über das schnelle Zurücklegen von Hindernissen gibt er als professioneller Parkour-Trainer weiter.
Steven Rindle in Aktion bei dem Auftritt in der Sendung. Sein Wissen über das schnelle Zurücklegen von Hindernissen gibt er als professioneller Parkour-Trainer weiter. © Foto: RTL
Neu-Ulm / Valentin Schwarz 15.02.2018

Kurz vor der Show war die Aufregung groß. „Da ist mir der Hintern dann schon auf Grundeis gegangen“, erzählt Steven Rindle. Wenige Wochen vor der Aufnahme hatte er spontan die Einladung des Veranstalters RTL für die Sendung Big Bounce angenommen. Für die Dreharbeiten ging es für ihn am 4. Dezember ins holländische Breda. Auf das Abenteuer hatte er sich gefreut. So weit, so gut. Als Rindles Name im Vorraum des Studios ertönte und er auf die Bühne gebeten wurde, war das Muffensausen aber nicht mehr zu vermeiden. In diesem Moment wurde ihm bewusst: „Was jetzt passiert, wird bald bundesweit, am Freitagabend, in der Primetime zu sehen sein.“ Das war eine  neue Erfahrung für den 25-Jährigen.

Parkour-Pionier

Es war aber nicht der erste Kontakt Rindles mit dem Fernsehen. Das liegt daran, dass er parallel zu seiner Ausbildung zum Physiotherapeuten als freiberuflicher Parkour- und Free-Running-Trainer arbeitet. Und von denen gibt es nicht viele in Deutschland.

Parkour ist eine relativ junge Sportart, die in Frankreich entstanden ist. Dabei muss ein vorher festgelegter Kurs aus Hindernissen möglichst schnell absolviert werden. Die Sportart hat sich in der urbanen Jugendszene entwickelt, in einem ähnlichen Spannungsfeld zwischen Armut und Kreativität, in dem beispielsweise auch die HipHop-Kultur entstanden ist. Jugendliche konnten dem Platzmangel und der heruntergekommenen Infrastruktur der Großstädte entkommen. Denn als Parcours – für den Hinderniskurs selbst wird das französische Wort benutzt  – können auch enge Gassen, Mülltonnen oder Begrenzungszäune dienen. Oft als Trendsport bezeichnet, sind die Strukturen in Deutschland, im Unterschied zu Vorreiter England, allerdings noch nicht so ausgeprägt. Es mangelt an Anlagen, Vereinen und Ausbildern. Medien wenden sich beim Thema Parkour deshalb an die wenigen etablierten Mitglieder der Szene, wie beispielsweise Rindle. Er bezeichnet sein Trainerdasein als „Pionierarbeit“.

Bereits mit vier Jahren ging es auf das Trampolin, er sei ohnehin „schon immer überall hochgesprungen“. Saltos wurden erst im Sandkasten geübt, später auf Gras und dann auf Asphalt. Hinfallen und wieder aufstehen zu müssen, das ist für Rindle eine der wichtigsten Lehren von Parkour. Und einer der Gründe, die den Sport zu seiner Leidenschaft machen.

Da es in seiner Jugend keine professionellen Trainer gab, hat er sich alles selbst beigebracht. Um dies für Neueinsteiger zu ändern, bietet er nun regelmäßig Kurse an. Die Preise sind dabei flexibel: Dem Studenten, der am Monatsende gerade knapp bei Kasse ist, aber trotzdem Parkour ausprobieren will, wird schon auch mal ein Rabatt eingeräumt.

Wichtig sei das Interesse, denn immerhin handle es sich um den „vielleicht natürlichsten Sport, da man fast jede Umgebung verwenden kann und nur den eigenen Körper benötigt“. Mitmachen kann deshalb jeder, Einschränkungen gibt es keine.

Der Beweis: Eine von Rindles Schülerinnen ist 73 Jahre alt. Auch das scheinbare Verletzungsrisiko, das bei Zuschauern oft für ein mulmiges Gefühl sorgt, werde durch die Vorbereitung minimiert. Wer seinen Körper kennt, kennt auch seine Grenzen. Er habe sich „beim Treppen laufen öfter verletzt als beim Parkour“, sagt Rindle und schmunzelt. Gefährlich wird es nur, wenn das Training nicht konzentriert ausgeführt wird und der Fokus mehr darauf liegt, cool auszusehen.

Umgang mit der Angst

Das Lampenfieber beim Big Bounce-Auftritt war schnell wieder vorbei, sagt Rindle. Zum Grübeln bleibe eben keine Zeit, wenn man ein Hindernis nach dem anderen überwinden muss. Mit seiner Leistung ist er zufrieden, das Ergebnis will und darf er aber nicht verraten. Für Rindle ist die Kunst des Parkour, „den mentalen Schalter umzulegen und die innere Blockade zu lösen“. So müsse der Sportler lernen, mit der ständigen Angst umzugehen. Das habe auch positive Auswirkungen auf sein sonstiges Leben gehabt. Noch ein Grund, warum er die Sportart empfiehlt. Jetzt freut er sich aber erst einmal darauf, die Sendung  entspannt vor dem Fernseher anzuschauen.

Sieger bekommt 100 000 Euro

Big Bounce Die Physical Game-Show, ein Wettkampf mit Fokus auf körperlicher Aktivität, läuft seit Januar auf RTL. 400 Kandidaten messen sich, über fünf Sendungen verteilt, in drei  Disziplinen. Bei Duell-, Taktik- und Hoch­parcours sind Geschwindigkeit, Konzentration  und Sprungkraft gefragt. Die 40 besten Teilnehmer kämpfen im Finale am 2. März um 100 000 Euro Preisgeld. Steven Rindles Auftritt wird am morgigen Freitag, 20.15 Uhr, ausgestrahlt.