Neu-Ulm / EDWIN RUSCHITZKA Der Baugenossenschaft geht es hervorragend. Sie hat an Mitgliedern und an Wohnungen dazugewonnen. Und für Anleger gibt es eine vierprozentige Dividende.

Am Ende des offiziellen Teils gibt es Gulasch von der Putenbrust in Rotweinsoße mit Spätzle und Gemüsegarnitur. Und ausgeschenkt werden ein Riesling aus der Pfalz oder ein Rosé vom Kaiserstuhl, wahlweise auch Bier. Eigentlich wäre ein Glas Sekt angemessener gewesen. Dann hätten die 124 zur Jahreshauptversammlung erschienenen Mitglieder der Baugenossenschaft Neu-Ulm (BGNU) am Donnerstag im Edwin-Scharff-Haus mit ihrem Aufsichtsrat und ihrem Geschäftsführer Uwe Fliegner anstoßen können. Denn: Die Baugenossen dürften im siebten Himmel schweben, so gut ist das Jahr 2015 gelaufen. Überall  historische Höchstgrenzen: bei der Zahl der Mitglieder, erstmals über 1000, und bei den vermieteten oder verwalteten Wohnungen.

Der BGNU geht es richtig gut. Auf dem Braunareal mitten in Neu-Ulm sind neue Wohnungen entstanden, öffentlich geförderte, frei vermietetete, aber auch verkaufte. 4,3 Millionen Euro hat die Genossenschaft dafür investiert. Der Verkauf der Eigentumswohnungen hat der BGNU ein dickes Plus beschert, bedingt durch den florierenden Wohnungsmarkt in Neu-Ulm. Derzeit wird am zweiten, 4 Millionen Euro teuren Bauabschnitt gearbeitet.

Parallel zu den Neubauten wird auch der Bestand gepflegt. Im Bereich der Eck-, Silcher- und Schützenstraße wurden die Wohnungen modernisiert, was 2,3 Millionen Euro gekostet hat. Geplant ist auch, ein weiteres Gebäude in der Silcherstraße 20 bis 26 zu modernisieren.

Engagieren will sich die BGNU auch im Wohngebiet „Ulmer Hofgut“ in Ludwigsfeld, das am Entstehen ist. Die Erschließung soll in der ersten Jahreshälfte 2017 erfolgen, danach will die Stadt die Grundstücke vergeben. Die BGNU hofft, mit dabei zu sein, um weiter ihr Ziel zu verwirklichen, das Geschäftsführer Fliegner in der Sitzung wie folgt beschrieb: „Zweck des Unternehmens ist es vorrangig, eine gute, sichere und sozial verantwortbare Wohnungsversorgung von Mitgliedern der Genossenschaft zu gewährleisten.“

Der Bedarf an bezahlbaren Wohnungen, so Fliegner, sei weiter hoch. Es gebe hochpreisige und niedrigpreisige Angebote, „was fehlt, ist das mittlere Segment“. Darüber müsse sich die Politik Gedanken machen. Fliegner hatte auch eine Spitze an die Adresse der Banken und Sparkassen parat, angesichts der Tatsache, dass immer mehr Mitglied der BGNU werden und die Dividende in Höhe von vier Prozent haben wollten. Weshalb man die maximal zu erwerbenden Anteile auf 100 zu je 40 Euro begrenzt habe.  Angesichts der Niedrigstzinsen sei Sparen out. Sparkassen hätten einen Ideenreichtum an Gegenmaßnahmen entwickelt: kürzere Öffnungszeiten, Filialschließungen und  Mitarbeiterentlassungen. Fliegner ist sich sicher, dass das so weiter gehen wird. 

Die BGNU in Zahlen

Abschluss 2015 Die Bilanzsumme beträgt 21,4 Millionen Euro. Als Jahresüberschuss wurden knapp 845 000 Euro erwirtschaftet. Nach Abzug der gesetzlichen Rücklagen (84 500  Euro) bleiben als Bilanzgewinn 760 400 Euro übrig. Der Aufsichtsrat hat entschieden, an die Anleger eine Dividende in Höhe von 4 Prozent auszuschütten. Das sind insgesamt 109 100 Euro. Die BGNU verfügt über Sachanlagen (Wohnungen etc.) im Wert von 17,2 Millionen Euro.  Die Eigenkapitalquote beträgt 42,1 Prozent. Mit 1054 Mitgliedern hat die 1899 gegründete Baugenossenschaft einen historischen Höchststand erreicht. Die Genossenschaft verfügt über 280 frei finanzierte und 78 geförderte Wohnungen. Dazu  werden von ihr auch noch insgesamt 424 Eigentumswohnungen verwaltet.