Grüne Höfe Neu-Ulm denkt groß

Der Entwurf für die "Grünen Höfe" in Neu-Ulm stammt vom Ulmer Büro Mühlich, Fink & Partner.
Der Entwurf für die "Grünen Höfe" in Neu-Ulm stammt vom Ulmer Büro Mühlich, Fink & Partner. © Foto: Mühlich, Fink & Partner
Neu-Ulm / HANS-ULI THIERER 25.11.2015
Der Oberbürgermeister sieht in den "Grünen Höfen" das letzte große Fenster, das sich im Zusammenhang mit der Bahntieferlegung "NU 21" schließt. Der Stadtrat ist daher bereit, auch "groß zu denken". Mit einem Kommentar von Hans-Uli Thierer: Zweiter Anlauf.

Zweiter Anlauf mit neuem Investor und neuem Planungsbüro: Der Ulmer Bauträger Realgrund AG hat das frühere Postgelände in Neu-Ulm zwischen Philosophenweg, Garten-, Bahnhof- und Hermann-Köhl-Straße vom Illertissener Unternehmer Ulrich Nickel übernommen. Das Ulmer Planungsbüro Mühlich, Fink und Partner, Haus- und Hofplaner von Realgrund, nimmt nun den vor fast drei Jahren beschlossenen Masterplan "Grüne Höfe" für dieses 2,5 Hektar (entspricht drei Sportplätzen) große Areal entlang des Bahntrogs zur Grundlage für ein neues Bebauungskonzept.

Architekt Peter Fink stellte die neuen städtebaulichen Überlegungen am Dienstag im Ausschuss für Stadtentwicklung des Neu-Ulmer Stadtrats vor. Sie fanden die einhellige Zustimmung aller Fraktionen. Deren Sprecher Reinhard Junginger (CSU), Antje Esser (SPD), Albert Obert (Pro Neu-Ulm), Alfred Schömig (FDP) und Mechthild Destruelle (Grüne) teilten mehr oder weniger vorbehaltlos die Einschätzungen von OB Gerold Noerenberg.

Der Oberbürgermeister hatte - wohl auch im Blick auf das von Fink vorgeschlagene 13-geschossige Gebäude am Stadteingang zur Hermann-Köhl-Straße - die "Grünen Höfe" in den großen Entwicklungsrahmen gestellt. Neu-Ulm sei in den vergangenen Jahren um 10 000 auf 60.000 Einwohner gewachsen. Um diesem Prozess gerecht zu werden, "müssen wir die neue städtebauliche Ausrichtung annehmen". Die zielt in diesem Fall auf ein modernes Stadtquartier ab, das sich in kammartig angelegten Gebäudekomplexen (bis zu sieben Geschosse) mit einsehbare Höfen zur Bahnlinie hin öffnet, während zwei Querriegel (vier bis fünf Geschosse) die stark verdichtete Wohnbebauung Richtung Stadt und Verkehr abgrenzen. Noerenberg sieht in den "Grünen Höfen" den letzten großen Baustein, mit dem - abgesehen von kleinen Arrondierungen - das Neu-Ulmer Jahrhundertprojekt NU 21 abgeschlossen werde.

Wie gesagt: Die Fraktionen signalisierten Einverständnis mit den großen städtebaulichen Zielen. Freilich nicht ohne die eine oder andere kritische Anmerkung. Esser und Obert fragten, ob der Lärmschutz der offenen Höfe zum Bahntrog hin genüge. Stadtbaudirektor Markus Krämer erwiderte, es gebe heute viele bautechnische Möglichkeiten für eine hinreichende Abschottung.

Schömig regte angesichts der Lage auf dem Wohnungsmarkt an zu prüfen, ob die städtische Nuwog mit ins Boot genommen werden kann, um in einem der Wohnblocks kostengünstige, neue Wohnungen zu realisieren. Ulrich Seitz (SPD) äußerte Bedenken, auf der der Stadt zugewandten Front entlang der Gartenstraße, wo die sich die Zufahrten zur Tiefgarage befinden, könnte ein langer Bauriegel aus Beton und Abluftschächten städtebauliche Monotonie erzeugen.

Stadtbaudirektor Krämer hatte eingangs den zeitlichen Rahmen abgesteckt. Nachdem das Grundkonzept vorliege, werde 2016 der vorhabenbezogene Bebauungsplan auf den Weg gebracht. Bei optimalem Verlauf könne mit der ersten Hochbauten vielleicht noch Ende 2016 begonnen werden.

Die Nutzungsschwerpunkte

Wohnen Eine genaue Anzahl an Wohneinheiten, die in den Grünen Höfen entstehen können, vermag Architekt Peter Fink noch nicht zu nennen. "Es ist erst der städtebauliche Entwurf", erläuterte er gegenüber unserer Zeitung. Es werde aber verschiedene Wohnformen geben: klassisches Wohnen, also 2-, 3- und 4- Zimmerwohnungen im Teil entlang der Von-Hünefeld-Straße, wo auf etwa 16.500 qm rund 200 Wohneinheiten entstehen könnten. Bis zu 200 weitere Wohneinheiten in Sonderformen wie betreutes Wohnen oder Wohnen in Micro-Appartements könnten westlich davon (auf 9000 Quadratmetern) gebaut werden.

Gewerbe Für Büros, Gewerbe (denkbar auch ein Hotel) sind im Osten an der Hermann-Köhl-Straße 10.000 qm Nutzfläche vorgesehen; darunter die 13 Stockwerke im Turmgebäude am Quartiereingang.

Kommentar von Hans-Uli Thierer: Zweiter Anlauf

Der Stein war nicht zu sehen, der der Neu-Ulmer Stadtspitze und den Stadträten da vom Herzen gefallen ist. Die Erleichterung war im Fachausschuss am Dienstag aber deutlich zu vernehmen: Im potenten Ulmer Bauträger Realgrund ist nun für einen zweiten Anlauf ein Investor gefunden, der es - wohl anders als der Vorgänger - wirtschaftlich, logistisch und vermarkterisch im Kreuz hat, das Projekt "Grüne Höfe" zeitnah zu realisieren.

Im Büro Mühlich, Fink und Partner, namentlich im Architekten Peter Fink, ist ein Garant für Qualität gefunden. Finks Entwurf spricht die Sprache von morgen. Er schlägt ein modernes, in Ansätzen großstädtisches, um gewerbliche Nutzungen ergänztes Wohnquartier für alle Altersklassen - und hoffentlich auch alle Einkommensschichten - vor. Dass beide zusammen, Investor und Planer, Großprojekte auf die Beine stellen und abwickeln können, haben sie bereits bewiesen, siehe Jahnufer.

Es ist müßig zu fragen, ob es nicht gescheiter gewesen wäre, die Stadt hätte dieses Grundstück nicht dem privaten Markt überlassen. Jetzt gilt es, wie Stadtrat Alfred Schömig anmerkte, gemeinsam mit dem für neue Konzepte offenen Bauträger Mittel und Wege zu finden, dass im Quartier nicht nur Wohnungen für Betuchte entstehen. Dabei sollte nicht aus dem Auge verloren werden, dass noch ein potenzieller Bauplatz existiert: Der, auf dem noch ein sanierungsfälliges Parkhaus steht . . .

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