Das Projekt lag ein paar Jahre auf Eis, nachdem es beim Bau von Ikea in der Blaubeurer Straße nicht zu einer richtigen nördlichen Erschließung gekommen war. Aber jetzt ergibt sich mit einem Male die Chance, diese Frage gleich in ganz großem Stil zu lösen, denn: Das Grundstück der Firma Molfenter (Moco) wird frei. Und da fiel es den Strategen um Stadtplaner Volker Jescheck in der Ulmer Stadtverwaltung mit Blick auf den Stadtgrundriss wie Schuppen von den Augen:

Das Gelände zwischen der Blaubeurer Straße und den Gleisen der Bahn kann in Fortführung der Magirusstraße erschlossen werden, über einen Bogen, der einmal in die Schillerstraße mündet, was insgesamt wiederum die Blaubeurer Straße entlastet (siehe Grafik). Es ist "ein kurzes Zeitfenster" (Jescheck), das sich da auftut, und das die Stadträte jetzt mit dem Beschluss eines Rahmenplans genutzt haben. Damit können gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden.

Die Straße: Die neue Erschließungsstraße folgt in Verlängerung der Magirusstraße "dem historischen Schwung des zu erhaltenden Bahngleises", wie die Stadtplaner schreiben, welches die Fernwärme Ulm übrigens weiter nutzen wird. Diese Spange mündet dann in die nördlich von Ikea und Fachmarktzentrum bereits bestehende, aber bisher wenig brauchbare kleine Straße und im Endausbau später weiter in die Schillerstraße, womit der Straßenbogen geschlossen wäre (siehe Info-Kasten). Außerdem schafft die neue Erschließungsstraße die Anschlüsse für neue Gewerbebetriebe im Westen.

Das Hinterland: Mit diesem Durchstich werden also auch die Voraussetzungen für die Weiterentwicklung des Gewerbestandorts an der Blaubeurer Straße geschaffen. Gedacht ist dabei mit Blick auf den bestehenden Handel im Westen erstens an "autoaffines Gewerbe". Größeres Augenmerk gilt zweitens dem Norden, wo Handwerksbetriebe und Dienstleister Platz finden sollen. Hinter der Schauseite der Blaubeurer Straße wird es damit Grundstücke für Gewerbetreibende geben, "die auf eigener Parzelle selber bauen und nicht in Geschossmiete gehen wollen", wie Jescheck sagt. So gesehen hat man es bei diesem Projekt um eine "Innenverdichtung des Gewerbes" zu tun, weg vom Großbetrieb, hin zu Kleinbetrieben.

Der Radverkehr: Gleichzeitig wollen die Planer mit diesem Entwurf den Radverkehr weiter anschieben. Auf der Nordseite der Blaubeurer Straße ist mit neuen Flächen ein breiter Radstreifen vorgesehen, "um die Radwegevernetzung ausbauen zu können und damit zunehmend Alternativen zum motorisierten Individualverkehr zu bieten".

Der Grünstreifen: Zum Gesamtbild gehört aber auch die ökologische Seite. So soll dem Blautal als wichtiger Frischluftschneise für die Stadt Rechnung getragen werden, und zwar gleich in mehreren Punkten. Erstens: Gebäude dürfen nicht höher als 18 Meter werden. Zweitens: Über den vorhandenen Grünzug an der Blau hinaus werden weitere zusammenhängende Grünflächen geschaffen: Südlich der Gleise ist an eine Verlängerung des Pflanzstreifens entlang der Bahnanlagen bis hin zur Lupferbrücke im Westen gedacht. Das dient auch als "Klimapuffer zu den im Sommer stark erhitzten Bahnflächen". Drittens: Entlang der neuen Erschließungsstraße wird eine Baumreihe gepflanzt.

Basierend auf diesem Rahmenplan kann nun ein Bebauungsplan fürs Moco-Areal aufgestellt werden, wobei zunächst die Stadt nach alter Ulmer Grundstückspolitik die nötigen Flächen aufkauft; nur so ist der große Wurf schlussendlich machbar. Das Projekt soll nach Jeschecks Vorstellung dann in den nächsten fünf Jahren realisiert werden.

Die Bedeutung der Schillerstraße

Entlastung Die Erschließung nördlich der Blaubeurer Straße macht auch schon ohne Anbindung an die Schillerstraße Sinn. Doch der Durchstich dort im Osten ist das große Ziel. "Das ist logisch und erschließt sich jedem", sagt Stadtplaner Volker Jescheck, denn diese Erschließung folge dann von der Oberen Donaubastion (Roxy) bis Höhe Blautalcenter den Bahngleisen. "Der Durchbruch unter der Wallstraßenbrücke ist aber noch nicht zu machen." Die Umsetzung folgt im Zuge des Projekts Citybahnhof Ulm.

Citybahnhof Die Schillerstraße ist ein Baustein des Citybahnhofs, für den auch ein Westzugang geplant ist. Sie soll dreispurig sein, mit gepflastertem Mittelstreifen zum Abbiegen und Queren für Fußgänger. Daneben entstehen im Dichterviertel neue Wohnungen.