Ulm Neu am Theater Ulm: Sidonie von Krosigk und Dan Glazer

Spielen in dieser Saison zusammen in fünf Stücken: Sidonie von Krosigk und Dan Glazer.
Spielen in dieser Saison zusammen in fünf Stücken: Sidonie von Krosigk und Dan Glazer. © Foto: Oliver Schulz
Ulm / MAGDI ABOUL-KHEIR 02.10.2014
"Kabale und Liebe" ist die erste Schauspiel-Premiere der Spielzeit im Großen Haus. Mit Sidonie von Krosigk und Dan Glazer sind darin neue Ensemblemitglieder zu sehen, die schon seit Kindertagen schauspielern.

Zuweilen imitiert die Kunst nicht das Leben, sondern verdreht es ins Gegenteil. In Schillers Trauerspiel "Kabale und Liebe", das heute am Theater Ulm Premiere feiert, steht die nicht standesgemäße Verbindung zwischen der bürgerlichen Luise Miller und dem adeligen Major Ferdinand im Mittelpunkt. Gespielt werden sie von zwei neuen Ensemblemitgliedern: Sidonie von Krosigk und Dan Glazer - doch stammt sie von einem Adelsgeschlecht aus Sachsen-Anhalt ab, während er bürgerlich ist.

Natürlich spielt so etwas heute keine Rolle mehr. "Komplett aktuell" sei das Stück aber dennoch, betont Sidonie von Krosigk. Soziale Klüfte, kulturelle Unterschiede: "Menschen, denen es schwer gemacht wird, zusammen zu sein, gibt es immer noch." Und die Themen Ängste, Vorurteile und vor allem Liebe seien sowieso zeitlos.

"Kabale und Liebe" ist Sidonie von Krosigks erste große Bühnenhauptrolle, aber die 25-jährige blickt auf reichlich Film- und Fernseherfahrung zurück. Mit sieben stand die Münchnerin erstmals vor der Kamera. Die mit ihren Eltern befreundeten Schauspieler Franziska Walser und Edgar Selge erzählten, dass für einen TV-Film ein Mädchen gesucht werde. Sidonie von Krosigk ging zum Casting, wurde genommen, "und daraus ergab sich dann alles andere".

Alles andere: alsbald eine größere Rolle in dem Familiendrama "Verschwinde von hier", etliche Auftritte in Serien, Fernsehkrimis - und vor allem die Titelrolle in den "Bibi Blocksberg"-Kinohits von 2002 und 2004. Im ersten Teil begeisterte die damals Zwölfjährige mehr als zwei Millionen Kinobesucher, es war der erfolgreichste deutsche Film des Jahres. Sidonie von Krosigk hatte schon als kleines Mädchen "Bibi"- Kassetten gehört und fand die Dreharbeiten neben Schauspielern wie Katja Riemann und Ulrich Noethen als "herrliche Zeit und großen Spaß", auch wenn der Kontrast zu ihrem normalen Leben als Schülerin "extrem" war.

In den Folgejahren stand sie immer wieder vor der Kamera, doch nach dem Abitur fragte sie sich: "Soll ich irgendwie so weitermachen oder das Schauspiel-Handwerk richtig lernen?" Sie studierte vier Jahre an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt, nun hat sie in Ulm ihr erstes festes Engagement: eine ganz bewusste Entscheidung fürs Theater.

Auch Dan (mit langem "a") Glazer hat früh angefangen: 1990 in Baden bei Wien geboren ("gemütlich wie hier in Ulm"), stand er mit neun erstmals auf einer Bühne. Er spielte im Schultheater, in Jugendclubs, "mal da, mal dort". Die Schauspielerei war "ein Riesenhobby" und nach dem Abitur dachte er sich: "Es wäre schade, wenn ichs nicht wenigstens probieren würde, das zum Beruf zu machen." Er bewarb sich an der Otto-Falckenberg-Schule in München - und es klappte sofort. 2013 schloss er das Studium ab, spielte an der Münchner Schauburg, in Zürich, bei den Burgfestspielen Jagsthausen. Nun ist er seit April in Ulm, gastierte bereits in "In der Ebene", jetzt ist er festes Ensemblemitglied.

Die Rolle des Ferdinand sei für ihn eine "Herzensangelegenheit". Denn "mit dem Ferdinand hab ich mich schon an der Falckenberg-Schule beworben, und dann habe ich den Monolog auch beim Vorsprechen genommen". Der große Monolog sei unfassbar komplex: "Jeder Satz ist eine Welt". Und so freut er sich total, "jetzt meine erste große Hauptrolle" zu spielen.

Sidonie von Krosigk und Dan Glazer stehen nicht nur gemeinsam in "Kabale und Liebe" auf der Bühne, sie proben auch für das Weihnachtsstück "Der Zauberer von Oz", das am 23. Oktober Premiere feiert. Sie spielen Dorothy und den Löwen - wieder tragende Rollen.

Zwei Stücke, die sich derart unterscheiden, das sei "richtig gute Abwechslung", sagt Dan Glazer. "So eine große Spannbreite, ein Klassiker und ein Kinderstück, das ist toll", freut sich auch Sidonie von Krosigk. Reizvolle Gegensätze: "Luise steigt immer tiefer ins Verderben, Dorothy ist ein quirliges Mädchen, das in eine Zauberwelt kommt." Ob ihr in Oz die Erfahrung als Hexe Bibi weiterhilft? Eher nicht, sagt die 25-Jährige lachend.

Es sei aber toll, in Ulm gleich so oft auf der Bühne stehen zu dürfen, "viel besser, als in einem ganz großen Theater den dritten Baum von rechts zu spielen".

Heute Premiere: "Kabale und Liebe"

Drama Friedrich Schillers Trauerspiel "Kabale und Liebe", das heute, 20 Uhr, im Großen Haus Premiere feiert, ist nicht nur ein Schlüsselwerk des Sturm und Drang, sondern ein Klassiker der gesamten deutschen Theatergeschichte. Er ist eine radikale Abrechnung des 23-jährigen Schiller mit der Gesellschaftsordnung.

Handlung Die bürgerliche Luise Miller und der adelige Major Ferdinand lieben sich. Mutig verteidigen sie die nicht standesgemäße Verbindung, doch Ferdinands Vater, Präsident von Walter, will seinen Sohn aus machtpolitischen Gründen mit Lady Milford, der Geliebten des Herzogs, verheiraten. Angetrieben von Sekretär Wurm spinnt der Vater eine Intrige: Er macht Ferdinand glauben, Luise betrüge ihn. Das muss zur Katastrophe führen.

Inszenierung Regie führt Schiller-Spezialist Andreas von Studnitz. Bühne und Kostüme sind von Marianne Hollenstein.

Besetzung Jörg-Heinrich Benthien (Präsident von Walter), Dan Glazer (Ferdinand), Wilhelm Schlotterer (Hofmarschall von Kalb), Tini Prüfert (Lady Milford), Fabian Gröver (Wurm), Gunther Nickles (Miller, Stadtmusikant), Sibylle Schleicher (Millerin), Sidonie von Krosigk (Luise, dessen Tochter), Christel Mayr (Dienerin der Lady).

Aufführungsdauer Gut zwei Stunden, inklusive einer Pause.

Nachtkritik Eine kurze Kritik steht etwa eine Stunde nach Ende der Premiere online unter swp.de

 

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel