Unterwegs schnell ein Handyvideo verschicken oder übers mobile Netz eine App downloaden: In Ulm und Neu-Ulm geht das nicht überall problemlos. Die Netzbetreiber Telekom, Telefónica (O2) und Vodafone bieten zwar in großen Teilen der Städte schnelles 4G an – selbst in den Stadtzentren haben Nutzer teils aber nur eine meist langsamere 3G- oder 2G-Verbindung. Das zeigt die Funkloch-Karte der Bundesnetzagentur. Sie basiert auf Nutzermessungen mit der App „Breitbandmessung“, die es bei Google Play und im Apple App Store zum Download gibt.

Auf der Karte unterteilt die Agentur Deutschland in Waben. Dabei zeigt sich vom Eselsberg bis Pfuhl und vom Wiley bis zum Böfinger Süden: Die Mehrheit der App-Nutzer mit Telekom-Netz hatte in den vergangenen zwölf Monaten in etwa 23 Prozent der Waben, für die Messergebnisse vorliegen, keinen 4G-Empfang. Bei Vodafone waren es knapp 18 Prozent, bei der Telefónica um die 17 Prozent (Stand 20. Januar). Bei allen Anbietern gab es auch in den Städten Gebiete mit überwiegend 2G-Verbindungen – etwa bei der Telefónica und Vodafone im Lehrer-Tal-Weg.

Telekom: Weniger Messdaten als bei der Konkurrenz vorhanden

Nutzer des Telekom-Netzes haben in Ulm und Neu-Ulm an deutlich weniger Orten Messungen durchgeführt als die Kunden der anderen Mobilfunknetze. So liegen auf dem Eselsberg zwischen der Universität und den Bahnschienen fast keine Informationen für das Telekom-Netz vor, während einzelne Nutzer der anderen Netze dort Messungen vorgenommen haben. Auf dem Universitätsgelände scheint die 4G-Abdeckung der Telekom zudem schlechter als die von Vodafone zu sein.

Karte: Netzabdeckung der Telekom in Ulm und Neu-Ulm

Netzabdeckung der Telekom – Hellviolett: 4G; Dunkelviolett: 3G; Blau: 2G; Türkis: kein Empfang Karte:
© Foto: Screenshot von Bundesnetzagentur.de/ GeoBasis-DE/ BKG 2016

Telefónica (O2): 4G-Funklöcher in Neu-Ulm

Rund um die Donauwiese in Ulm zeigt die Karte bei der Telefónica mehr 4G-Waben als bei Vodafone an. Für die Telekom liegen in diesem Bereich teils keine Daten vor. Vom Eselsberg bis Lehr hat mindestens ein Nutzer in vielen Bereichen ausschließlich 2G-Empfang gemeldet. Entlang der Memmingerstraße in Neu-Ulm ergab eine Mehrzahl der Messungen nur 3G-Empfang. Nutzer der anderen Netze haben hier meist eine 4G-Verbindung. Im Süden Pfuhls haben Nutzer teils 4G, teils aber auch nur 3G-Empfang.

Karte: Netzabdeckung der Telefónica in Ulm und Neu-Ulm

Netzabdeckung der Telefónica – Hellviolett: 4G; Dunkelviolett: 3G; Blau: 2G; Türkis: kein Empfang
© Foto: Screenshot von Bundesnetzagentur.de/ GeoBasis-DE/ BKG 2016

Vodafone: Häufig nur 3G in der Oststadt

In Teilen der Ulmer Oststadt haben viele Vodafone-Nutzer nur eine 3G-Verbindung. Richtung Lehr hat – wie bei der Telefónica – mindestens ein Nutzer ausschließlich 2G-Empfang gemeldet. Auf dem Eselsberg scheint der 4G-Empfang im Vodafone-Netz hingegen vergleichsweise gut zu sein – allerdings liegen hier auch bei diesem Anbieter nur wenige Messdaten vor. Entlang der Memmingerstraße in Neu-Ulm haben Vodafone-Nutzer überwiegend eine 4G-Verbindung.

Karte: Netzabdeckung von Vodafone in Ulm und Neu-Ulm

Netzabdeckung von Vodafone – Hellviolett: 4G; Dunkelviolett: 3G; Blau: 2G; Türkis: kein Empfang
© Foto: Screenshot von Bundesnetzagentur.de/ GeoBasis-DE/ BKG 2016

Anbieter bewerten ihre Netze deutlich positiver

Die Qualität des Datenmaterials auf der Funkloch-Karte ist von Ort zu Ort unterschiedlich. So liegen für den Eselsberg nur wenige Messwerte vor. In einigen Waben liegen die 4G- und 3G-Messdaten in etwa gleichauf: Eine Wabe, in der 128 Messpunkte eine 4G-Verbindung anzeigen, aber 129 Messpunkte eine 3G-Verbindung, wird allerdings als 3G-Wabe angezeigt. Zudem beschweren sich Nutzer der App über ungenaue Messergebnisse. In den App-Stores hat „Breitbandmessung“ jeweils nur zwei von fünf Sternen.

Die Anbieter bewerten ihre Netze ohnehin positiver: Die 4G-Abdeckung liege in den besiedelten Gebieten von Ulm und Neu-Ulm bei fast 100 Prozent der Bevölkerung, teilt ein Vodafone-Sprecher auf Nachfrage mit. Die Telekom spricht  deutschlandweit von 97,9 Prozent LTE-Abdeckung, die Telefónica von mehr als 90 Prozent. Online bieten alle drei Anbieter Karten an, die für die zwei Städte eine fast vollständige 4G-Abdeckung anzeigen. Die Realität vieler Nutzer sieht offenbar anders aus.

Neue Funkmasten in Ulm und Neu-Ulm geplant

Schuld an Funklöchern haben der Telekom zufolge andere: „Alle wollen schnellen Mobilfunk, aber keiner will eine Antenne in der Nähe“, sagt Telekomsprecher Hubertus Kischkewitz unserer Zeitung. Das eine sei ohne das andere nicht zu haben, man brauche „dringend eine Entschlackung der Genehmigungsverfahren“.

Bisher habe es keine Widerstände gegen Mobilfunkmasten gegeben, teilt die Stadt Neu-Ulm auf Nachfrage mit. Die Stadt Ulm hält sich nach eigenen Angaben an die in der Landesbauordnung gesetzten Fristen. Meist werde innerhalb von drei Monaten nach Erhalt der kompletten Unterlagen über einen Standort entschieden, sagt Pressesprecherin Marlies Gildehaus. „Falls ein Standort aus städtebaulichen Gründen abgelehnt werden muss, werden Alternativen vorgeschlagen.“

Die Telekom plant in Ulm und im Landkreis Neu-Ulm 20 neue LTE-Standorte bis 2022 und 20 Erweiterungen an bestehenden Masten. Vodafone will bis Ende 2020 eine LTE-Station aufrüsten und an drei Masten erstmals LTE installieren. Die Telefónica sagt, man baue das Netz derzeit „so schnell aus wie kein anderer Anbieter in Deutschland“.

Doch auch ein flächendeckender Ausbau des 4G-Netzes garantiert nicht, dass alle Nutzer schnell und zuverlässig surfen können. 4G ermöglicht zwar höhere Surfgeschwindigkeiten als 3G, doch das bringt den Nutzern nichts, wenn das 4G-Netz vor Ort überlastet ist. Die Karte der Bundesnetzagentur zeigt aber nur, welche Standard genutzt wird – nicht, wie gut die Datenverbindung tatsächlich ist.

Auf diese Netze setzen Aldi-Talk, Blau, Congstar und Co.

Viele Kunden schließen ihren Prepaid- oder Vertragstarif nicht direkt bei den Netzbetreibern ab, sondern bei anderen Mobilfunkanbietern – zum Beispiel bei Aldi-Talk oder Blau. Diese Anbieter haben kein eigenes Mobilfunknetz, sondern sie nutzen die Netze der drei großen Netzbetreiber.

Aldi-Talk und Blau.de nutzen das Netz der Telefónica. 1und1 bietet sowohl Tarife im Netz der Telefónica als auch bei Vodafone. Congstar ist eine Tochter der Telekom und setzt auf das Netz des Mutterkonzerns. Der Anbieter Klarmobil nutzt sogar alle drei Netze – mit welchem man unterwegs ist, hängt vom Tarif ab.

Zur Auswertung


Die Breitbandmessung der Bundesnetzagentur wird einmal wöchentlich aktualisiert. Unsere Auswertung basiert auf den Daten der 12 Monate vor dem 20. Januar 2020. Ausgewertet wurden die Waben auf der Zoomstufe acht (von neun) in folgendem Gebiet: Von Söflingen bis Pfuhl und vom Wiley bis zum Böfinger Süden.