Natur Nester schützen beim Heckenschnitt

Dieses Nest nimmt kein Vogel mehr an.
Dieses Nest nimmt kein Vogel mehr an. © Foto: Tanja Junginger
Ulm / Carolin Stüwe 14.07.2018
Sträucher dürfen auch im Sommer in Form gebracht werden. Aber der Artenschutz geht vor.

Beim Fort Unterer Eselsberg haben Mitarbeiter des städtischen Baubetriebshofs am Mittwoch gründlich Hecken gestutzt und in Form geschnitten. Dabei wurde das ein oder andere Nest so offengelegt, dass die Altvögel geflüchtet sind und die Eier kalt wurden.

Anwohnerin Tanja Junginger, die mit ihrem Hund täglich dort im Stifterpark spazieren geht, hat dies beobachtet. Sie hat die Arbeiter auch angesprochen, „aber sie haben gesagt, sie hätten nun mal den Auftrag, die Hecken zu schneiden“. Tanja Junginger hat Nester fotografiert und die Fotos per Facebook verbreitet.

Kathrin Haas von der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt sagt zu dem Vorfall: In der Schonzeit zwischen dem 1. März und dem 30. September dürfen zwar keine Hecken und Sträucher entfernt werden. Aber: Der Form- oder Rückschnitt von Hecken und Sträuchern ist erlaubt. „Jedoch muss dabei stets der Artenschutz beachtet werden.“ Das heißt: Man sollte vor dem Heckenschneiden erst nach Vogelnestern schauen und diesen Bereich beim Schneiden dann aussparen. Manche Vögel brüten derzeit bereits zum zweiten oder gar dritten Mal. Kathrin Haas bedauert den Vorfall und wird die Mitarbeiter des Baubetriebshofs noch einmal „aufklären“, was vor einem Heckenschnitt oder gar einer Baumfällung alles zu beachten ist.

Auch private Gartenbesitzer müssen mit dem Baumfällen bis zum Ende der Brutzeit warten, wenn ein Nest belegt ist. Ist dies nicht möglich, weil der Baum umzustürzen droht, muss man bei der Unteren Naturschutzbehörde einen „Fällantrag“ stellen. „Sollte der Baum Fortpflanzungs- oder Ruhestätten aufweisen wie Nester, Baumhöhlen oder Schlupflöcher von Käfern müssen wir unbedingt informiert werden“, betont Kathrin Haas. Verstöße können als Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße geahndet werden.

Die üblichen Pflegemaßnahmen fallen jedoch nicht unter diese strengen Regeln. Jederzeit erlaubt sind beispielsweise:

  • Pflegeschnitt von Formhecken wie Liguster und Thuja
  • Auslichten und Verjüngen von Obstbäumen, Beeren- und Ziersträuchern
  • Sommerschnitt an Obstbäumen
  • Rückschnitt von Gehölzen aus Verkehrssicherheitsgründen.

Mehr dazu unter Tel. (0731) 161- 6042, 161-6045 oder 161-6048.

Auch beim Rasenmähen aufpassen

Kleintiere Für Igel, Spinnen, Eidechsen oder Grashüpfer sind Rasenmäher „eine tödliche Gefahr“, warnt der Naturschutzbund Baden-Württemberg. Bei der Stiftung Warentest hätten jüngst acht geprüfte Geräte bei der allgemeinen Sicherheit nur ein „ausreichend“ erhalten, zwei seien sogar durchgefallen. Obwohl sie langsam unterwegs sind, seien auch Mähroboter eine Gefahr, etwa für Igel in der Dämmerung. Und wer mit seinen Freischneidern oder Fadenmähern unter Hecken sauber macht, könne schlafende Igel verletzen, warnt der NABU.

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