Ulm Neo-faschistischer Kämpfer am BWK behandelt?

Ulm / HANS-ULI MAYER 04.04.2015
Ein Fernsehbericht schlägt Wellen: Unter denen im BWK behandelten Soldaten aus der Ukraine sollen auch neo-faschistische Kämpfer sein.

Seit der Zusage von Kanzlerin Angela Merkel im August 2014, verwundete ukrainische Soldaten in Deutschland zu behandeln, sind schon dreimal Verwundete ans Bundeswehrkrankenhaus nach Ulm gekommen. Zwei davon sind gestorben, erst dieser Woche ein 19-Jähriger, der mit schweren Kriegsverletzungen an der Wirbelsäule nach Ulm gekommen war.

Für Aufsehen hat diese Woche ein Beitrag im Polit-Magazin Fakt in der ARD gesorgt, wonach unter den Verwundeten zumindest einer gewesen sein soll, der nicht den regulären ukrainischen Truppen angehörte, sondern in einem neo-faschistischen Freiwilligenregiment gegen die prorussischen Separatisten gekämpft hat.

Nach den Informationen, die das Reporterteam des Mitteldeutschen Rundfunks aus Leipzig zusammengetragen hat, haben sich in dieser Einheit Neonazis aus ganz Europa zusammengeschlossen, um an der Seite der Ukraine in den Krieg zu ziehen – vor allem offenbar Männer aus Kroatien, Frankreich, Skandinavien und der Schweiz.

Das so genannte Regiment Asow ist als paramilitärisches Freiwilligenbataillon erst im Frühjahr 2014 von nationalistischen ukrainischen Politikern für den Kampf gegen die Separatisten gegründet worden. Wie der Sender weiter mitteilt, verwenden die freiwilligen Krieger Fahnen und Abzeichen, die nationalsozialistischen Symbolen deutlich nachempfunden sind. So beispielsweise eine Wolfsangel auf gelbem Grund, eine schwarze Sonne und stilisierte Runenzeichen.

Im Deutschen Bundestag war es darüber dieser Tage zu einer Kontroverse gekommen. Abgeordnete der Linken und der Grünen wollten im Auswärtigen Ausschuss von der Bundesregierung wissen, wer an der Auswahl der Verwundeten beteiligt war. Offenbar war bei der Zusage von Kanzlerin Angela Merkel im August vereinbart worden, dass Deutschland nur ukrainische Soldaten behandeln werde. Eine Antwort auf die Anfrage der Linken-Fraktion steht offenbar noch aus.

Währenddessen will man sich im Bundeswehrkrankenhaus in Ulm nicht in die politische Debatte einmischen. Wie ein Sprecher mitteilte, bekommen sie die Patienten vom Auswärtigen Amt zugeteilt und vom ukrainischen Botschafter lediglich die Personalien dazu. „Wir wählen die Leute nicht aus, wie behandeln sie“, sagt Gerd Kremers, der auch davon spricht, dass das BWK „nackter Dienstleister für das Auswärtige Amt“ sei.

Den derzeit verbliebenen drei Patienten gehe es den Umständen entsprechend gut, wenngleich Kremers von „keinen leichten Fällen“ spricht. Insgesamt hat das BWK schon dreimal Verwundete aus der Ukraine aufgenommen.

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