Am Donnerstag erzählten acht Slammer im Roxy von ravenden Raben, popelnden Menschen, niedlichen blonden Gangstern, kommunizierenden Innereien, von falschen  Entscheidungen und einem Pferd mit 100 Pferdestärken. Im Finale standen sich der erste und der letzte Slammer gegenüber – Marvin Suckut und Nektarios Vlachopoulos. Am Ende landete Vlachopoulos mit seinem Text, indem imaginäre Freunde imaginäre Freunde haben, ganz knapp vor den verstaubten Helden von Suckut.
 
Der Student aus Mannheim überzeugte mit seinem Text „Brot oder Spiele“. Vlachopoulos verriet, dass er sich nicht entscheiden kann und „manchmal das Gefühl hat, dass eine Option erst dann zur falschen Entscheidung wird, wenn er sie getroffen hat“. Auch im Finale überzeugte er mit seinem zweiten Text, in dem er eine verworrene Traumreise mit seinen imaginären Freunden bestritt.

Das Finale:


Der Finalauftritt von Nektarios Vlachopoulos.



Der Finalauftritt von Marvin Suckut.


Fast fünf Jahre slammt der 26-Jährige bereits. Geschrieben hat er davor schon, „aber nicht so richtig viel“. Es zog ihn auf die Bühne, da er keine Plattform hatte, um seine Texte zu publizieren. Er würde nicht so viel schreiben, gäbe es nicht den Poetry-Slam. Denn die Slam-Bühne als Plattform und eine Deadline helfen ihm, seine Texte fertig zu bekommen.
 
 
Wie fühlst du dich nach deinem Poetry-Slam-Sieg?
Ja schön. Ich freue mich natürlich.
 
Kam der Sieg für dich unerwartet?
Ähm, kam jetzt nicht aus heiterem Himmel, aber es hätten genauso gut Marvin oder Max sein können.
 
Wie bist du denn zum Slammen gekommen?
Primär geht es mir darum, einen Abnehmer zu finden, für das was ich produziere. Einfach nur ums Schreiben geht’s mir nicht. Dann könnte ich ja einfach nur Schreiben und das für mich behalten. Also das Feedback ist natürlich schon sehr wertvoll dabei.
 
Wie kommst du denn auf deine Themen?
Ganz verschieden. Manchmal wird man von irgendeinem Musikstück inspiriert oder von einem Theaterstück oder von einem Film, manchmal von anderen Poeten, manchmal von irgendeinem Sachverhalt, den man in seinem Freundeskreis erlebt oder einfach von einem gesellschaftlichen Missstand. Also ganz verschiedene Dinge. Im Prinzip der ganze Wahrnehmungsradius, den man so hat, inspiriert einen zu Texten.
 
Was bedeutet der Poetry-Slam für dich?
Poetry-Slam ist für mich die Plattform in der ich das umsetzen kann was ich in meinem Hinterstübchen produzier. Ich finde es immer faszinierend, wenn ich mir was ausdenke und das zu Papier bringe und das dann vortrage und das dann genauso funktioniert, wie ich mir das vorgestellt habe. Eine große Abnehmerschaft für das kreative Schaffen zu finden, kriegt man sonst nirgends so schnell wie beim Poetry Slam.
 
Was motiviert dich?
In erster Linie motivieren mich Deadlines. Wenn ich bis zu dem und dem Termin fix den Text fertig haben muss, dann sitzt der auch zu dem Termin. Sonst kann sich das ewig hinziehen.
 
Bist du schon mal aus Angst nicht aufgetreten?
Nee, das nicht. Ich war ein paar Male kurz davor. Es ist ganz oft so, dass wenn zwei drei richtig krasse Poeten vor einem dran sind, dass man eben denkt: 'Oh Gott, jetzt ist alles gesagt. Was willst du dem jetzt noch hinzufügen?' So dass man wirklich gar keine Lust hat. Und dann überwindet man sich doch irgendwie. Und wenn es dann richtig reinknallt, dann ist das einer der schönsten Momente natürlich. Also wenn man so diesen krassen Kontrast hat zwischen 'gar keinem Bock' und der Moment indem man merkt 'Klick – oh, es funktioniert'.
 
Wie viel Wahrheit ist in deinen Texten?
Es ist alles hundert Prozent wahr. Ich schütte meine Seele… (lacht). Nein, es ist natürlich immer ein bisschen was dazu erfunden, sonst ist es ja nicht interessant genug. Aber im Großen und Ganzen schreibt man ja schon aus seiner Perspektive und es ist eine Person die da auf der Bühne steht. Es ist nie ein reines lyrisches Ich was da erzählt, sonst ist das Ganze ja nicht authentisch. Sonst müsste man das publizieren und nicht vortragen – das merken die Leute.
Da ist schon ganz viel ich drin in dem was ich mach aber natürlich kotze ich den Leuten nicht meine Seele vor die Füße.
 

Hier die Auftritte aller Slammer: