Ulm / Christian Kern Am Dienstag entschied der Günzburger Stadtrat, die Ludwig-Heilmeyer-Straße umzubenennen. Das könnte auch für das rund 40 Kilometer entfernte Ulm weitreichende Konsequenzen haben.

Eine zweispurige Strecke für Autos, ein Gehweg und einige Bäume am Straßenrand – auf den ersten Blick sieht die Ludwig-Heilmeyer-Straße in Günzburg unspektakulär aus. Doch der Schein trügt: Seit einigen Monaten sorgt die Straße für heftige Debatten in der bayrischen Stadt. Der Grund: Der Straßenname ist vielen ein Dorn im Auge.

Denn der Namensgeber Ludwig Heilmeyer (1899-1969) war zwar ein begnadeter Mediziner und Wissenschaftler. Seine Rolle im Nationalsozialismus ist aber weit weniger ruhmreich. So gehörte Heilmeyer in jungen Jahren dem rechtsradikalen Freikorps Epp an. Zudem besuchte er sogenannte „Rassenschulungen“ und wollte mehrfach in berüchtigte Nazi-Partei NSDAP eintreten.

Gründungsrektor Ludwig Heilmeyer hat mit der nationalsozialistischen Ideologie mehr als nur sympathisiert. Die Beweislage ist erdrückend.

Günzburg entscheidet sich für „unangenehmen Weg“

Nun hat der Günzburger Stadtrat die Konsequenzen daraus gezogen: Mit 16 zu 4 Stimmen entscheiden die Stadträte, dass die Ludwig-Heilmeyer-Straße künftig einen anderen Namen tragen soll. „Geschichte kann auch unbequem sein. Wir haben uns für diesen unbequemen Weg entschieden“, sagte Oberbürgermeister Gerhard Jauernig.

Die Entscheidung sorgt aber nicht nur in der bayrischen Stadt für Wirbel. Auch im knapp 40 Kilometer entfernten Ulm stößt sie erneut eine Diskussion an. Schließlich hat auch die Münsterstadt Heilmeyer, immerhin ein Mitgründer der Ulmer Hochschule, mit der „Heilmeyersteige“ am Eselsberg eine prominente Straße gewidmet. Sollte Ulm nun dem Beschluss des Günzburger Stadtrats folgen und den Namen ändern?

Bereits 2018 Thema im Stadtrat

Neu ist das Thema in Ulm nicht. Erst im September 2018 beschloss der Stadtrat, den Heilmeyer-Saal im Grünen Hof in Felix-Fabri-Saal umzubenennen.

Dass die Stadt Ulm jetzt den Heilmeyer-Saal umbenennt, ist angesichts der NS-Vergangenheit des Gründungsrektors der Uni Ulm richtig, meint Rudi Kübler.

Ende Dezember ließ die Stadt dann auch den Straßennamen prüfen. Dazu setzte sie unter anderem eine unabhängige Arbeitsgruppe ein, die Kriterien für eine Umbenennung formulierte. Demnach sei unter anderem dann eine Namensänderung angebracht, wenn die Straßen nach einem ehemaligen NS-Funktionär oder Sympathisanten benannt sind – was wohl auf Ludwig Heilmeyer zutreffen würde.

Heilmeyer, Hindenburg und andere: Eine Kommission legt Kriterien fest für Straßenbenennung. Ein Punkt ist umstritten.

Bewohner sind gegen Vorhaben

Dennoch bleibt die Namensänderung weiter umstritten. Vor allem viele Bewohner der Straße stellen sich gegen das Vorhaben. Denn das würde für sie bedeuten, dass sie ihre Adresse bei Personalausweis und Führerschein ändern lassen müssten. „Wer soll das bezahlen?“, so der langjährige Anwohner Roland Bernt im Interview mit der SÜDWEST PRESSE.

Das könnte dich auch interessieren:

Die A7 zwischen den Anschlussstellen Dettingen und Altenstadt muss in beiden Richtungen zeitweise gesperrt werden. Grund dafür sind Schäden, die beseitigt werden. Daher gibt es bis zum Ende der Sperrung teilweise erheblichen Stau.

Kein Durchkommen für Autos: Ab Dienstag ist die Durchfahrt vom Marktplatz zur Herdbruckerstraße gesperrt.