Kirche Nazi-Schmierereien im Münster wurden gestern entfernt

Ulm / Verena Schühly 04.09.2018

„Die Leute sind erschrocken und betroffen, dass so etwas geschieht.“ So beschreibt der evangelische Dekan Ernst-Wilhelm Gohl die Reaktionen auf die Nazi-Schmierereien im Münster. Wie berichtet, wurden am Samstag AfD-Parolen am Windfang des Reformationsportals entdeckt. Bereits am Mittwoch hatten Unbekannte drei Bänke im südlichen Seitenschiff mit Hakenkreuzen besudelt, ebenso ein Buch am neuen Friedensfenster. Gohl hat Anzeige erstattet.

Gestern Morgen sicherten Spezialisten der Kriminalpolizei Spuren im Münster: Sie nahmen Proben der schwarzen Farbstifte und der Handschriften und versuchten, Fingerabdrücke zu nehmen. Aber das war schwierig: Erstens sind im Münster hunderte von Menschen zugange. Zweitens sind die Oberflächen geölt. „Da haften die Abdrücke nicht so wie an Lack“, erklärt Münsterbaumeister Michael Hilbert. Für ihn sind die Schmierereien „eine total destruktive Aktion“. Auffällig findet er, dass die AfD-Parolen in zwei Handschriften geschrieben wurden: „Das müssen zwei Täter gewesen sein.“

Ihm und Gohl war wichtig, dass die Schmierereien so schnell wie möglich entfernt werden. „Sobald an einer Stelle etwas steht, hinterlässt ein Zweiter seinen Kommentar, und so weiter. Es muss also schnell weg.“ Deshalb ist gestern Nachmittag Schreinermeister Karl-Heinz Adrion von der Münsterbauhütte mit Lösungsmittel, Stahlwolle und einer feinen Metallbürste an die Schmierereien gegangen – und konnte sie damit entfernen. Geblieben sind etwas hellere Flecke, die nachbehandelt werden.

Zwei weitere Fälle in Ulm

Polizeisprecher Wolfgang Jürgens bestätigt, dass Kriminalpolizei ermittelt und Zeugen sucht. Er berichtet auch von zwei weiteren Hakenkreuz-Fällen in Ulm: Ein Grünen-Plakat in der Bahnhofstraße wurde am Donnerstag damit beschmiert ebenso das Treppenhaus eines Gebäudes am Münsterplatz. „Wir prüfen, ob die Fälle zusammenhängen.“

Laut Dekan Gohl überlegt die Kirchengemeinde, mit welcher Art von Veranstaltung sie auf die Vorfälle reagiert: „Vielleicht wenden wir das Motto einfach: Kreuz statt Hakenkreuz. Aber wir wollen nichts tun, was weiter spaltet und polarisiert.“ Die Linksjugend Solid Ulm hat für Freitag, 7. September, eine Demo angemeldet: „Aufstehen gegen Rassismus – Chemnitz ist überall“. Start ist um 18 Uhr am Einstein-Denkmal in der Bahnhofstraße.

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