Es war am 26. April 1965, dass der Bauausschuss des Ulmer Gemeinderats damit konfrontiert wurde: Die Gronne, ein 40 Hektar großes Feuchtgebiet zwischen Industriegebiet Donautal und Wiblingen, sollte Naturschutzgebiet werden. Der namhafte Ornithologe Dr. Jochen Hölzinger hatte bei einer Erhebung festgestellt, dass damals schon 120 Vogelarten - heute sind es 140 - an dem Gewässer brüteten oder zumindest Rast machten. Fast ein Paradies. "Fast" deshalb, weil damals noch Enten, Graureiher und Greifvögel gejagt werden durften.

"Erst am 31. März 1973 wurde die Gronne endlich unter Naturschutz gestellt - vor 40 Jahren", erzählt Roland Maier. Er ist mit 78 Jahren heute noch ehrenamtlicher und unermüdlicher Naturschutzwart der Stadt Ulm und hat gerade in Sachen Gronne alle vergilbten Protokolle und Briefwechsel aufgehoben.

Maier erinnert sich noch gut, wie er Anfang der 50er Jahre als junges Mitglied der Naturfreunde Ulm per Fahrrad an der Gronne unterwegs war und die ersten brütenden Kiebitze entdeckte. Denn von 1953 bis 1968 wurden von der Donau abgetrennte Altarme zu Rückhaltebecken für die flussabwärts liegenden Kraftwerke ausgebaggert und erweitert. Daraus entstanden letztlich rechts der Donau das Naturschutzgebiet Gronne und links des Flusses das niedriger eingestufte Landschaftsschutzgebiet Lichternsee.

Bis die Gronne jedoch als Naturschutzgebiet ausgewiesen war, floss noch viel Wasser die längst begradigte Donau hinunter. Vorangetrieben wurde das Vorhaben vom damaligen Naturschutzbeauftragten der Stadt Ulm, Kurt Spinnenhirn. Er ist im vergangenen Sommer im Alter von 82 Jahren gestorben. "Bei der Stadt war uns damals nur der Leiter des Garten- und Friedhofamtes, Heinrich Rupprecht gewogen", erzählt Maier. Dieser habe mit ihm zu der Zeit schon Brutfloße für seltene Vogelarten gebaut.

Ordentlich Gegenwind bekamen die Naturschützer indes vom damaligen Baubürgermeister Helmut Schaber, der auch für das Ressort Umwelt zuständig war. Maier: "Er war der Bremser, weil er als Mitglied im Fischereiverein die Rechte der Fischer in der Gronne sichern wollte." So schrieb wiederum der damalige Vorsitzende des Fischereivereins Ulm/Neu-Ulm, Max Jäger, am 6. Juni 1971 ans Bürgermeisteramt: Für die Gronne genüge der Landschaftsschutz, denn es bestehe kein "sachliches Bedürfnis" nach einem Naturschutzgesetz; es handele sich eher um ein "hochgespieltes Bedürfnis nach dem Schutz von Vögeln".

Da der Naturschutzantrag aber schon längst beim zuständigen Regierungspräsidium Tübingen angekommen war und landesweit Naherholungsprogramme anliefen, wurde die Gronne im Jahr 1973 endlich als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Bloß der nordöstliche Teil, nach dem Fußgängersteg flussabwärts, ist heute zugunsten der Fischerei immer noch Landschaftsschutzgebiet.

Inzwischen haben sich die Wogen zwischen Vogelschützern und Anglern weitgehend geglättet: Der Fischereiverein untersagte Bootsfahrten und das Betreten sensibler Schilfzonen. Da nach wie vor Fußgänger Zutritt haben, gibt es seit zwölf Jahren in Zusammenarbeit mit dem Fischereiverein den Naturlehrpfad "Donau-Gronne-Lichternsee" in Form von Tiertafeln auf besagtem Fußgängersteg zwischen Donautal und Laupheimer Straße.

Trotzdem gebe es noch zu viele Störungen in der Gronne wie Gastfischer, die dort zelten und Badegäste, die Schlauchboot fahren, klagt Maier. Deshalb sollte man beim Lichternsee, sollte er in zwei Jahren als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden nicht denselben Fehler machen und zu viel Freizeitnutzung zulassen.

Info
"40 Jahre Ulmer Naturschutzgebiet Gronne" heißt heute der Vortrag mit Bildern von Umweltreferent Roland Maier im EinsteinHaus. Beginn: 19.30 Uhr, Eintritt frei.