Ulm Naturschützer wettern gegen Ulmer Fischer: Projekt Lichternsee nicht verzögern

Ulm / CAROLIN STÜWE 21.10.2013
Naturschutzverbände fordern die Stadt Ulm auf, sich dafür einzusetzen, dass der Lichternsee Naturschutzgebiet wird. Die Fischer verzögerten alles.

Bei der angestrebten Ausweisung des Lichternsees als zweites Naturschutzgebiet im Donautal drohe aufgrund der Kleinen Landtagsanfrage eine erneute Verzögerung. Das befürchten Naturschutzverbände wie der BUND-Kreisverband Ulm, die örtliche Naturschutzbundgruppe, die Ulmer Naturfreunde sowie der Schwäbische Albverein. Sie fordern in einem offenen Brief an die Ulmer Stadtverwaltung und an den Gemeinderat: „Unterstützen Sie den Entwurf des Regierungspräsidiums für das Naturschutzgebiet Lichternsee.“

Der SPD-Landtagsabgeordnete Martin Rivoir hatte in Stuttgart unter anderem angefragt: „Welche Gruppen wurden bisher angehört und wie ist die Einschätzung der verschiedenen Beteiligten bezüglich Ausweisung des Naturschutzgebietes?“ Hintergrund seines Einsatzes war ein Ortstermin mit dem Fischereiverein Ulm/Neu-Ulm gewesen. Die Fischer wollen sich nicht aus Gronne und Lichternsee vertreiben lassen.

Auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis hatte sich – im Wahlkampf – für das Mitspracherecht der Fischer stark gemacht. Daraufhin hat das Regierungspräsidium zugesagt, dass beim Schutzgebietsverfahren auch der Gemeinderat und entsprechende Interessensgruppen beteiligt werden.

Die Naturschützer beklagen, dass die Unterschutzstellung immer wieder durch die Wünsche der Fischer nach „umfangreichen Ausnahmegenehmigungen für den Angelsport“ behindert worden sei. Aber: Die Ausweisung einer Ruhe- und Schutzzone für die Natur und „privates Angeln“ im gleichen Gebiet widersprächen sich.

Der Fischereiverein behaupte zu Unrecht, er sei beim gegenwärtigen Verfahren nicht beteiligt gewesen. Man habe bereits vor sechs Jahren vor Ort eine Kompromisslösung gefunden. „Leider hat der erweiterte Vorstand des Fischereivereins dann einen Rückzieher gemacht und diese Lösung nicht mitgetragen“, heißt es in dem offenen Brief. Der Vorschlag lautete damals, die Fischer dürften nur noch zeitweise vom Damm zwischen Donau und Lichternsee aus Großfische angeln.

Jetzt aber wollten die Fischer auf einmal den Durchbruch des Dammes zur Donau wieder verschließen. Das jedoch könnte den einzigen Eisvogel-Brutplatz gefährden.