Ulm Narren in Ulm trotzen dem Eis

Ulm / VERENA SCHÜHLY 20.01.2013
Kälte und Eisglätte sorgten beim Narrensprung am Sonntag in Ulm für unangenehme Bedingungen. Die Hästräger und Musiker zeigten sich hart im Nehmen. Doch die Zuschauerreihen waren lichter als sonst.

Das Glatteis durch den nächtlichen Eisregen hat den Verantwortlichen der Narrenzunft Ulm (NZU) am Sonntag Morgen etwas Bauchweh bereitet: Glatte Straßen, besonders mit Kopfsteinpflaster, sind auch für Narren unfallträchtig, und sie halten möglicherweise Besucher ab, sich den Narrensprung anzuschauen. Doch die Befürchtungen haben sich nur zum Teil bewahrheitet: Es gab keine Unfälle wegen des Eises. Die Zahl der Besucher aber fiel mit rund 15.000 Zuschauern, so die Schätzung der Polizei, deutlich magerer aus als in früheren Jahren.

Die Narren selbst nahmen die Minusgrade gelassen. „Das ist eine Open-Air-Veranstaltung: Da muss man das Wetter nehmen, wie es ist“, sagte Reiner Vetter, Einsatzleiter der Polizei und selbst Mitglied der Holl-Hexa. „Uns Narren macht das Wetter nichts aus, wir graben uns notfalls auch durch Schnee.“

Etwa zur gleichen Zeit beschwor der NZU-Zunftmeister Gerhard „Gegge“ Wies beim Zunftmeisterempfang im Kornhaus die Vertreter der Zünfte, das „W-Wort“ – also Winter – einfach nicht in den Mund zu nehmen. Bürgermeister Gunter Czisch umging dieses Gebot, indem er berichtete, was zwei Narren vor ihm beim Weg aus dem Parkhaus sagten: „Da kannst du gar nicht gerade laufen, obwohl du überhaupt nichts getrunken hast.“

Sechs angemeldete Zünfte schafften es wegen der eisglatten Straßen nicht, zum „Ulmzug“ zu kommen. Bei einer Zunft war der Bus auf der Autobahn 8 von der Fahrbahn gerutscht, aber es entstand lediglich Blechschaden. Andere entschieden, dass ihnen die Verkehrslage zu heikel war. Dennoch war der Narrensprung mit 128 Zünften und Musikgruppen eine bunte und fröhliche Angelegenheit, die am Nachmittag drei Stunden die ehemals reichsstädtischen Straßen mit Fasnetstreiben, närrischem Unfug, fetzig-lauter und auch schräger Musik füllte.

Auch wenn es weniger Zuschauer gab, waren die, die gekommen waren, voller Enthusiasmus dabei. „Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung“, meinte Reinhard Gaiser aus Pfuhl, der mit Frau, Kindern und zwei Enkelkindern am Straßenrand in der Gideon-Bacher-Straße stand. Mit warmer Kleidung und guter Laune hielt die kleine Gruppe bis zum Ende aus. Dabei hat die Familie Fasnets-Erfahrung: „Wir haben früher bei den Schalmeien der Seejockel mitgespielt, als es sie noch gab.“

Somit als Umzugs-Profis qualifiziert, antworteten sie den vorüberziehenden Hästrägern immer mit den richtigen Narrenrufen – ob nun das ulmische „Zong-Raus“, das schwäbisch-alemannisch offizielle „Narri-Narro“ oder individueller wie „Biber weg – Hennadreck“, „Tobel Hexa – Lasset’s fetza“ und „Most-Obst“. Zur Belohnung gab es Bonbons und andere Süßigkeiten. Am Ende war die mitgebrachte Tasche der Gaisers prall gefüllt. Den Inhalt werden sich Enkelinnen und Großvater redlich teilen, und er wird lange reichen.

Heerscharen von gruseligen Hexen, wüst aussehenden Geistern, Teufeln, Waldschraten, Dämonen, aber auch phantasievolle Tier- und Misch-Wesen, freundliche Bobbele sowie ehrwürdige Zunft- und Narrenräte zogen durch die Innenstadt zum Münsterplatz. Rund 6500 Hästräger kamen aus der ganzen Region, vom Bodensee übers Allgäu bis nach Bayerisch-Schwaben und den Donau-Winkel. Polizei, Rettungskräfte und die NZU verzeichneten keine besonderen Vorkommnisse, abgesehen von Beschwerden über Wildpinkler in privaten Hauseingängen oder Grundstücken.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel