Fasnet Narren in den Ulmer Gassen: „Jetzt guggat au“

Ulm / Carolin Stüwe 21.01.2018
Gute Laune, viele Zuschauer, schöne Kostüme und tapfere Kinder – der Ulmzug in der Stadt war eine rundum gelungene Sache.

Schön, dass die Narrenvereinigung Wolkenschieber Heiligenberg unter den insgesamt 102 Gruppen war. So schien am Sonntagnachmittag sogar hin und wieder die Sonne zwischen zarten Schneeschauern. Zu den Flocken hinzu kamen Konfetti und Dinkel­spelzen, die prima im feuchten Haar hängen blieben. Die Gaudi war groß beim gut besuchten Umzug der Narrenzunft Ulm.

Diese stellte ihre neue Figur vor, den „Spatzameez“ im langen Gehrock und mit Zylinder. Anfang des 19. Jahrhunderts verkündete er die Nachrichten des Ulmer Rates, „als es noch keine SÜDWEST PRESSE gab“, scherzte der 48-jährige Ausscheller, alias Etienne Frei. Er fühle sich geehrt, als neue Einzelfigur mitlaufen zu dürfen.

Maxine Mayer (9), war mit ihren Eltern eher deshalb in die Innenstadt gekommen, „um Gruseliges zu sehen“. Das gab’s zur Genüge wie die blaugesichtigen Teufel der Guggamusik Wadinschränzer Wadyschwyl aus der Schweiz. Oder die vielen Hexen mit ihren großen Nasen. Furcht vor diesen Gestalten hatten aber noch nicht einmal die Kleinsten unter den Zuschauern. Schließlich wurden sie reichlich mit Bonbons beschenkt.

Aus dem See gegraben

Aus Weingarten war in Vertretung der Plätzlerzunft – Plätzler sind die Filzschuppen am rotweißen Häs – Gerhard Rock gekommen. Er liebe die engen Umzugsgassen ums Münster. Der 61-jährige ist erst seit vier Jahren bei der Fasnet dabei, weil sich seine Frau Angela mit dem „Mitspringen“ einen Kindheitstraum erfüllt.

Bei der Dämonen-Gruppe Ehingen mit gegerbten Kuhschwänzen an der Maske springen Michaela Prang (44) und ihre Kinder Marie (12) und Maximilian (10) mit. „Wir gehören zum Gefolge des Groggentäler Zunftgeistes, der am Glombigen Doschdig aus dem See gegraben wird“, sagte Michaela Prang.

Sagen erzählen, historische Einzelfiguren darstellen und das Brauchtum pflegen, ist auch die Absicht der Narrenzunft Ulm beim Narrenbaumstellen und schließlich beim Narrengericht im Fischerviertel. Dass die Tradition gepflegt wird, das gefällt Zuschauerin Hannelene Limpach (80). Die ehemalige Dramaturgin am Theater Ulm erfreute sich an den schönen Häsern beziehungsweise Kostümen der Maskengruppen. „Der Umzug wird immer bunter“, findet die Kölnerin, die in ihrer Heimat „viel Karneval“ gefeiert hat, jedoch schon seit 1979 in Ulm lebt.

Längst hat sich Hannelene Limpach daran gewöhnt, dass es nicht mehr „Kölle alaaf“ heißt, sondern „Zong raus“, Narri-Narro, „jetzt guggat au - ha lass me gau“ oder „Riasrandgugga - Geisle“. Letzterer Narrenruf gehört zur gleichnamigen Musikgruppe aus Geislingen. „Wir spielen Mega Beat“, erklärte Regi (29), gekleidet in Trachtenmode und geschminkt per Airbrush-Technik mit Schneelandschaft und Edelweiß auf dem Gesicht.

Es gab sogar etliche Verkleidete unter den Zuschauern: Drachen, Indianer, Katzen und ein Zebra beispielsweise standen am Straßenrand. Ein junges Paar und ihr Bekannter indes waren als Wildschweine verkleidet. Warum dieses Tier? Dazu erklärte Stefanie Dreher aus Ulm: „Wir haben kürzlich im Fernsehen einen Dokumentationsfilm gesehen – über aus Polen nach Deutschland einwandernde Wildschweine.“

Vorerst kein Nachtumzug in der Donaustadt

Abgelehnt
Vorerst wird es in Ulm keinen Nachtumzug geben wie beispielsweise seit Jahren in Dornstadt. Das hat Stefan Sachs vom Zunftrat der Narrenzunft Ulm bestätigt. Die Gründe: Nachts hätten die Kinder nichts davon. Außerdem verweilen die anreisenden Maskengruppen bei Umzügen am frühen Nachmittag länger in der Stadt und nutzen die Angebote an den Verzehrständen und im Narrenzelt auf dem Münsterplatz. Überdies seien Nachtumzüge für Maskenträger schlecht, weil die Sicht bei Dunkelheit stark eingeschränkt ist.

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