Der kostenlose Nahverkehr an Samstagen während der Teil-Sperrung der Friedrich-Ebert-Straße sorgt weiter für Ärger unter Zeitkartenbesitzern. Etliche argumentieren: Durch die kostenlosen Samstage von April bis mindestens Jahresende entstehe ihnen ein finanzieller Nachteil, weil der Preis beispielsweise einer Jahreskarte auch die Samstage einschließt. Einige wollen deshalb einen finanziellen Ausgleich. Unterstützung bekommen sie von Kommunalpolitikern. Nach den Grünen fordert auch die SPD eine Entschädigung für Jahreskartenkunden. Die von der Donau-Iller-Nahverkehrsgesellschaft (DING) gestartete Verlosung von 40 Jahreskarten sei allenfalls eine Marketingaktion, „keinesfalls jedoch ein ernsthafter Ausgleich“, meint die SPD-Fraktion.

Sie fordert stattdessen, beim Kauf der nächsten Jahreskarte die Laufzeit um einen Monat zu verlängern. Dann hätten alle Jahreskartenkunden was davon. „Das müsste technisch und organisatorisch machbar sein.“ Wie eine Lösung bei den Schülerkarten aussehen könnte, ist der SPD nicht klar, „einen Ausgleich halten wir aber auch hier aus sozialen Gründen für geboten“.

Ausgleich für Zeitkartenbesitzer

Dass es eine Entschädigung geben muss, steht für die Fraktionsvorsitzende Dorothee Kühne außer Frage: „Die treuesten Kunden dürfen nicht bestraft werden.“ Die Reaktionen von Zeitkartenkunden zeigten, dass sie „durchaus preisbewusst und preisempfindlich“ seien.  Das kostenlose Samstagsticket sei ein Signal gewesen, die Zumutungen während der Bauzeit etwas abzumildern. „Der Ausgleich für Zeitkartenbesitzer ist eine logische Folge.“

Auch die Grünen halten die Verlosung von 40 Jahreskarten für nicht ausreichend. Sie fordern: Der Gemeinderat oder der zuständige Ausschuss soll sich mit anderen Formen einer Entschädigung befassen.

Gründe, warum es erst einmal keine Entschädigung gibt

Dazu wird es vorerst nicht kommen. Aus formalen Gründen, wie Finanzbürgermeister Martin Bendel auf Anfrage sagt. Nach dem Gemeinderatsbeschluss vom Januar zum kostenlosen Nahverkehr an Baustellen-Samstagen gelte eine Sperrfrist von einem halben Jahr, sofern sich der Sachverhalt nicht wesentlich geändert habe. Erst danach könne sich das Gremium mit der gleichen Sache erneut befassen.

Entscheidender sind für Bendel jedoch inhaltliche Gründe. Der Stadt Ulm komme es vor allem auf zwei Aspekte an:

Tarifgefüge

Die Struktur im Donau-Iller-Nahverkehrsverbund ist komplex. Über eine Entschädigung könne nicht die Stadt Ulm allein entscheiden, der DING-Aufsichtsrat müsse zustimmen. Auch vertrieblich wäre eine Entschädigung schwierig. Durch die vielen verschiedenen Zeitkarten (siehe Infokasten) sei eine Neuberechnung kompliziert. „Es ist ein komplexes System, das im ganzen DING-Gebiet gilt“, sagt Bendel. „Das lässt sich nicht von heute auf morgen ändern.“

Kosten

Eine Entschädigung aller Zeitkartenkunden mit nur 2,50 Euro pro Samstag würde laut einer Kalkulation der Stadt rund 2,7 Millionen Euro kosten. Diesen Ausgleich aus Steuergeldern zu bezahlen, hält der Finanzbürgermeister für nicht vertretbar. Und auch nicht für notwendig. „Zeitkartenkunden haben ohnehin einen Preisvorteil“, sagt er. Ihre Tickets sind günstiger, „sie bezahlen zum Beispiel den Preis für zehn Monate, können aber zwölf Monate fahren“. Diese Argumentation teile die Stadt auch Bürgern mit, die sich beschweren.

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Was eine Entschädigung kosten würde


Zeitkarten: Das Tarifgefüge im Donau-Iller-Nahverkehrsverbund (DING) ist sehr komplex. Allein unter Jahreskarten gibt es unterschiedliche Modelle: die normalen Jahreskarten, die Job- und Profitickets für Großkunden wie Firmen, die ihren Mitarbeitern eine bezuschusste Jahreskarte anbieten, sowie das Ticket 65plus für Ältere, alles jeweils entweder mit Einmalzahlung fürs ganze Jahr oder im (monatlichen) Abo-Preis. Dazu kommen Monats-, Wochen-, Schülermonatskarten und Semestertickets. Stand Dezember 2018 sind 11 187 Jahreskarten verkauft und 16 807 Monats-, Wochen-, Schüler- und Studentenkarten in Ulm/Neu-Ulm.

Kalkulation: Die Stadt Ulm hat ausgerechnet, was es kosten würde, wenn den Zeitkartenkunden jeder der 39 Baustellen-Samstage im laufenden Jahr mit 2,50 Euro vergütet werden würde: rund 2,7 Millionen Euro. 1,1 Millionen Euro davon entfallen auf Jahreskarteninhaber, 1,6 Millionen auf sonstige Zeitkartenkunden.