Bauen Nachverdichtung der UWS am Tannenplatz sorgt für Unruhe

Ulm Wiblingen Streit im Wohngebiet wegen Neubauten auf Parkplatzanlagen
Ulm Wiblingen Streit im Wohngebiet wegen Neubauten auf Parkplatzanlagen © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / ULRIKE SCHLEICHER 20.05.2016
Drei neue Gebäude der UWS in der Kemptener Straße und im Wiblinger Hart verunsichern die Anwohner. Sie fordern, auch Alternativen zu suchen.

Sogar CDU-Gemeinderat Walter Roth muss suchen, wo die drei künftigen Bauplätze in der Kemptener Straße und im Wiblinger Hart sind. „Dabei wohne ich hier auch gleich um die Ecke“, sagt der Augenarzt und dreht sein Rad in die richtige Richtung. Aber das Projekt der UWS existiert zurzeit im Grunde lediglich auf dem Papier. Deshalb ist auch für den Ulmer Gemeinderat „noch alles neu“. Er wisse erst seit rund einer Woche davon.

Roth ist zusammen mit seinen Fraktionskollegen zum Lokaltermin eingeladen. Von einer Gruppe von Anwohnern der beiden Straßen, die von der Nachverdichtung mitten in dem rund 30 Jahre alten Wohngebiet seit 11. Mai wissen und viele Fragen haben. An diesem Abend hatten die UWS zu einem Auftakt-Workshop eingeladen und wollten die Bürger dazu auffordern, während des Planungsprozesses Anregungen und Kritik zu äußern.

Nach den Worten einiger Teilnehmer soll dies jedoch gründlich in die Hose gegangen sein. Die Atmosphäre sei aufgeheizt gewesen, eine sachliche Diskussion kaum möglich. „Es hat uns so zornig gemacht, dass der UWS-Geschäftsführer jede Alternative ausgeschlossen hat“, erklärte eine der Anwohnerinnen dann am Mittwoch beim Lokaltermin.

Schnell wird klar: „Die Parkplätze sind Ihr Hauptproblem“, zieht Roth eine erste Bilanz. Denn alle drei geplanten Gebäude sollen auf Flächen gebaut werde, die momentan Parkplätze sind. Zwei davon sind kostenpflichtig, für einen verlangt die UWS kein Geld. „Alle fallen dann weg: Wo sollen wir künftig parken?“, fragen sich die Anwohner. Vor allem auch während der Bauphase. Eine Frau hat ausgerechnet, dass rund „100 plus“ Parkplätze nötig seien. Dazu bräuchte man eine dreistöckige Tiefgarage. Die koste jedoch zu viel Geld, außerdem sei der Grundwasserspiegel in Wiblingen gefährlich niedrig, überlegen die Anwohner. Eine weitere Frage: Wer zieht in die geplanten Wohnungen? „Wir waren lange genug Brennpunkt“, sagt eine Frau, die sich ehrenamtlich für Kinder mit Migrationshintergrund engagiert hat. Nun sei der Stadtteil auf einem guten Weg. Das soziale Gleichgewicht stimme: „Das soll so bleiben. Wir haben uns das alles mühevoll aufgebaut.“

Die Bürger können einfach nicht glauben, dass wie von der UWS geplant, 70 Prozent der Wohnungen freifinanzierte Mietwohnungen werden. Und nur 30 Prozent „geförderter Wohnungsbau“ ist, wie CDU-Gemeinderätin Karin Graf, die Mitglied im Aufsichtsrat ist, den Anwohnern nochmals mitteilte. Dass in die Neubauten „Leute von der Uni einziehen wie die UWS gesagt hat“, sei ein Witz. „Das wird so eng hier, da zieht keiner hin“, sagte eine Frau. Die UWS sollten auch nach Alternativen suchen, hieß es. Karin Graf nahm Vorschläge auf: ein Grundstück, ebenfalls im Wiblinger Hart am Waldrand, ein Kindergarten in der Kemptener Straße, Flächen am Behindertenheim Tannhof und ein gerodetes Waldstück.

Karin Graf betonte, dass bislang nur die Idee der Gebäude existiere. Um die Bürger mit ins Boot zu holen, sei man so früh an sie herangetreten. „Es ist nichts entschieden.“ Jetzt gehe es darum, aufeinander zuzugehen. Dass am Ende ein Kompromiss stehen müsse, sei jedoch unabdingbar. „Wir haben als Gemeinderat beschlossen, in Ulm rund 3500 Wohnungen in den kommenden fünf Jahren zu bauen.“

Und zwar als Innenentwicklung, das heißt: Wo Platz ist, wird nachverdichtet. Dass das mitunter Einschränkungen in der Lebensqualität bedeute, sei klar, sagte Fraktionskollege Walter Roth. Trotzdem: „Wir verstehen die Ängste der Bürger und möchten sie so gut wie möglich einbinden.“

Wie geht es weiter?

 

Prozedere Als erstes wird ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Ist dieser entschieden, geht es ins Bebauungsplanverfahren, Einsprüche werden gehört, dann der Bebauungsplan vom Gemeinderat verabschiedet – gesetzt den Fall, das Gremium findet den Entwurf gut. Dann besteht Baurecht. Frühestens im Herbst steht fest, welcher Entwurf gebaut wird. Der Baubeginn sei frühestens in einem Jahr.

 

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