Kritik Nachtkritik: Balanescus „Treibgut“ angeschwemmt

© Foto: Hermann Posch
Ulm / 01.07.2016
Eine Uraufführung zum Auftakt des Donaufests: Alexander Balanescus „Treibgut“ im Theater Ulm. Rauschender Beifall, der künstlerische Fluss war teils gestaut.
Was ist denn da angeschwemmt worden gestern Abend zum Auftakt des Donaufests? Allerhand „Treibgut“ von Alexander Balanescu, ein „choreografisches Musiktheater“ über die Heimatlosen, an dem auch Matthias Kaiser mitgeschöpft hat.

Dazu gehören ein clowneskes Baby (Thorsten Sigurdsson) und eine nicht weniger kindische Alte namens Granny (Maria Rosendorfsky) mit ihrem Kinderwagen, die Abzählreime singen und am Ende einen ziemlich verdrehten Donauwalzer. Dann arbeitet sich eine 16-köpfige Balletttruppe (Choreografie: Roberto Scafati) vor einer Staumauer ab und tanzt Menschenschicksale.

Balanescu wiederum, der Geiger, sitzt und steht mit seinem Quartett links von der Bühne und spielt mit im langen Fluss seiner Minimal Music, die mal seicht tröpfelt und mal bombastisch über die Ufer tritt. Und einmal geht der Star auf die Bühne und sagt, dass er Balanescu heißt und dieser Name seine Familie vor den Nazis gerettet habe. Dann weicht das Wehr, auf dem Video sprudelt das Wasser, und die Erde dreht sich im Auge weiter.

Das ist alles „Treibgut“, der Zuschauer darf es einsammeln und muss es für sich sortieren. Immerhin: rauschender Beifall gestern Abend bei der Uraufführung (weitere Aufführungen am 3., 5., 7. und 8. Juli).