Unweit des Landgerichts, am Karajan-Platz, urteilten am Donnerstagabend rund 550 Schöffinnen und Schöffen in einem Mordprozess. Ferdinand von Schirachs Bühnenhit „Terror“ hatte Premiere am Theater Ulm, solide inszeniert von Sarah Kohrs. Terroristen haben ein Flugzeug entführt, nehmen Kurs auf die Allianz-Arena, wo ein Fußball-Länderspiel läuft. Bundeswehrpilot Lars Koch fühlt sich seinem Gewissen verpflichtet und handelt: schießt den Airbus mit 164 Menschen ab und rettet die 70 000 im Stadion. Aber darf man Menschenleben verrechnen? Es war ein anregendes Debattenstück, das mit einem Freispruch endete: 282 zu 255. Ein Teil des Premierenpublikums aber drückte sich seltsamerweise vor einem Urteil oder mogelte sich an der Zählung vorbei. Und die Aufführung? Im Namen des Zuschauer-Volkes: starker Applaus.