Wer glaubte, die bisherigen Debatten um den Orange Campus seien an Intensität und Dauer nicht zu überbieten, sah sich am Dienstagabend getäuscht. Erst nach drei Stunden öffneten sich die Türen und dutzende Besucher, viele von ihnen in orangefarbenen „Butter bei die Fische“-T-Shirts, durften in den Großen Sitzungssaal des Ulmer Rathauses strömen. Dort gab OB Gunter Czisch eine denkbar kurze Erklärung ab: „Wir haben intensivst diskutiert und die Dauer der Sitzung zeigt, dass wir hart um die Lösung ringen.“

Als anschließend die SPD-Fraktionschefin Dorothee Kühne den Antrag auf eine „zweite Lesung“ stellte und eine Mehrheit der Stadträte zustimmte, war klar: Eine Entscheidung über den Orange Campus, das Projekt der Bundesliga-Basketballer von Ratiopharm Ulm, wird es so schnell nicht geben. Frühestens im Oktober, wahrscheinlicher noch im November, wird das Thema erneut im Gemeinderat behandelt. Bis dahin sollen die Basketballer um ihre Geschäftsführer Thomas Stoll und Andreas Oettel die fehlenden Unterlagen nachreichen.

Videos mit Geschäftsführern Andreas Oettel und Dr. Thomas Stoll nach der Sitzung:

Wie am Rande der Sitzung zu hören war, geht es vor allem um die noch ausstehende Erklärung der Bank, den Millionenkredit einzuräumen. Offenbar haben mit der Sparkasse Neu-Ulm sowie den Volksbanken in Ulm und Neu-Ulm schon drei Kreditinstitute grünes Licht für das benötigte Neun-Millionen-Darlehen gegeben, am Ende der Woche muss aber noch der Kreditausschuss der Sparkasse Ulm entscheiden. Vorher wollte die Stadtpolitik kein verbindliches Votum geben.

Großes Vertrauen

„Die Beratung hat gezeigt, dass die formulierten Bedingungen nicht vollumfänglich erfüllt sind“, lautete das formale Statement des Oberbürgermeisters. BBU’01-Vorstand Thomas Stoll, der sich im Vorfeld der Sitzung enttäuscht vom Vorschlag der Verwaltung, das Projekt in der gegenwärtigen Form abzulehnen, gezeigt hatte, akzeptierte die Entscheidung, bei den Unterlagen nachzulegen: „Wir werden halt kämpfen. Wie in den vergangenen Wochen und Monaten auch.“ Sein Kollege Andreas Oettel ging ebenfalls auf Kompromisskurs: „Ich hatte bereits im Vorfeld stets gesagt, dass ich großes Vertrauen in die Stadtverwaltung und die Gemeinderäte habe.“

Vielleicht, so Oettel, sei der Zeitplan zu straff gewesen. Ursprünglich hatten die Basketballer angeführt, dass sie eine Entscheidung bis zum 30. September benötigten, weil sonst der Zeitplan des Orange Campus nicht mehr zu halten sei. „Dieser Plan hat sich offenbar geändert“, so Gunter Czisch. Und da sei es gut, nicht unter Druck zu entscheiden und die Bedingungen der Verwaltung zu erfüllen, die neben einer verbindlichen Bankzusage auch belastbare Zusagen für Vermietungen und eine Eigenkapitalquote der Basketballer vorsehen.

„Dampf rausnehmen“

Am Dienstagabend blieb zunächst unklar, wie der weitere Zeitplan aussieht. Theoretisch könnte der Orange Campus schon in der kommenden Gemeinderatssitzung am 11. Oktober wieder auf die Tagesordnung kommen. Beobachter halten dies jedoch für unwahrscheinlich. Vermutlich im November könnte dann eine neue Runde angesetzt werden.

Video mit Oberbürgermeister Czisch nach der Sitzung:

Oberbürgermeister Czisch plädierte dafür, „Dampf aus der Debatte rauszunehmen“. Auch andere Stadträte rieten zu einer Versachlichung der Diskussion. Tenor: Alle wollen die sportliche Zukunft des Ulmer Basketballs fördern, aber das finanzielle Risiko muss überschaubar sein.

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Das Projekt am Neu-Ulmer Donauufer


Orange Campus Das Herzstück der neuen Anlage auf dem Gelände des alten Donaubades sind drei Sporthallen, eine davon mit mehr als 500 Sitzplätzen. Nach Angaben der BBU’01 sollen diese zu 95 Prozent für den Breitensport und den Nachwuchs zur Verfügung stehen.

Die Kosten Die Bruttokosten liegen bei knapp 23 Millionen Euro. Drei Millionen Euro soll die Stadt Ulm  nach den Sportförderrichtlinien zuschießen, 1,5 Millionen kommen von Neu-Ulmer Seite, 0,7 Millionen vom Landessportbund. Zudem soll Ulm ein sogenanntes Förderdarlehen von 3,5 Millionen übernehmen, die Bankkredite liegen bei neun Millionen Euro. Das bedeutet auch, dass der Verein rund 5,5 Millionen Euro Eigenkapital aufbringen muss. Bei der aktuellen Spendenkampagne konnten die Basketballer bisher rund 630 000 Euro einsammeln.