Trauer Nachruf: Ruth Merckle ist gestorben

Ruth Merckle, hier auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2012, ist im Alter von 81 Jahren gestorben.
Ruth Merckle, hier auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2012, ist im Alter von 81 Jahren gestorben. © Foto: Archiv
Ulm/Blaubeuren / Joachim Striebel 02.05.2018
Die Unternehmerin Ruth Merckle ist am Montag gestorben. Die 81-Jährige war nicht nur in den Unternehmen Merckle und Ratiopharm, sondern in vielen Bereichen aktiv.

Die Unternehmerin Ruth Merckle ist tot. Nach Angaben der Familie ist die Blaubeurer Ehrenbürgerin am Montag in ihrer Wohnung in Ulm im Alter von 81 Jahren gestorben. Die gelernte Krankengymnastin war nicht nur am Aufbau der Unternehmen Merckle und Ratiopharm ihres Ehemannes Adolf Merckle beteiligt, sondern setzte sich auf vielen Ebenen für Kirche und Gesellschaft ein. Sie war unter anderem 31 Jahre lang Mitglied im evangelischen Kirchengemeinderat in Blaubeuren, saß sieben Jahre lang im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und war jahrelang aktives Mitglied der Blaubeurer Hospiz-Gruppe. Als „Geschäftsführerin für Unternehmenskultur und soziale Belange“ führte sie bei Merckle/Ratiopharm einen Betriebskindergarten, eine Frauenbeauftragte und eine Kunstbeauftragte ein und war damit der Zeit voraus. Als die Unternehmensgruppe 2008 in Bedrängnis geraten war und ihr Ehemann im Januar 2009 den Freitod gesucht hatte, behielt sie Haltung und klaren Kopf.

Wie ihr Sohn Tobias Merckle berichtet, war sie nach einem Schlaganfall im Jahr 2015 halbseitig gelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen. An Ostern 2018 folgten weitere Schlaganfälle. Ruth Merckle starb am Montag  zwei  Tage nach ihrem 81. Geburtstag. Sie habe sich noch verabschieden können von ihrer Familie, zu der vier Kinder und zehn Enkelkinder zählen.

Walter Hermann, der frühere Vorsitzende des Kirchengemeinderats in Blaubeuren, erinnert sich dankbar an die Zusammenarbeit mit Ruth Merckle. Sie sei mit vollem Einsatz bei der Sache gewesen, etwa bei den Altenfreizeiten im Freizeitheim „Himmelreich“ oberhalb von Blaubeuren. „Sie kam mit dem Rad oder mit dem Auto und hat noch ein paar Leute mitgebracht.“ Neben der Alten- habe ihr die Jugendarbeit am Herzen gelegen. Für den Kindergarten habe, wenn’s nötig war, die Firma eine Spende gemacht. Auch in Ulm und der Region unterstützte die Familie Projekte, unter anderem für den Erhalt des Ulmer Münsters.

Ruth Merckle sei „sehr menschlich und sehr bescheiden“ gewesen, sagt der Blaubeurer Alt-Bürgermeister Georg Hiller. Er ist Vorstandsmitglied der Stiftung „Urgeschichtliches Museum & Galerie 40tausend Jahre Kunst“, zu dessen Gründungsstiftern Ruth und Adolf Merckle gehörten. Ruth Merckle habe aufmerksam zugehört und sorgfältig abgewogen. „Ein Nein war immer gut begründet.“ Hiller bezeichnet Ruth Merckle als eine Frau, die ihre christliche Haltung in die Firma und in die Stadt hineingetragen hat. Bürgermeister Jörg Seibold hat Ruth Merckle als warmherzig und verbindlich erlebt. Eine Frau, die für die Stadt viel geleistet habe, oft unbemerkt im Hintergrund.

Touren mit Sigi Hupfauer

Als Ausgleich unternahm das Ehepaar Merckle Touren im Himalaya, häufig geführt von Everest-Besteiger Sigi Hupfauer aus Pfaffenhofen. In einer Sonderausgabe der Betriebszeitschrift von Merckle/Ratiopharm zur Verabschiedung der Geschäftsführerin im Jahr 2002 schrieb Sigi Hupfauer: „Ruth Merckle läuft mit traumwanderlischer Sicherheit, in all den Jahren hat sie sich nicht einmal einen Knöchel verstaucht. Selbst in brenzligen Situationen ist sie nie aufgeregt oder gereizt. In Gruppen war sie immer ein ausgleichender Faktor.“

Trauerfeier im Ulmer Münster

Beisetzung Die Trauerfeier, die Dekan Ernst-Wilhelm Gohl halten wird, beginnt am Montag, 7. Mai, um 10 Uhr im Ulmer Münster, anschließend findet die Beisetzung auf dem Friedhof in Blaubeuren statt.

Gewohnt in Ulm Ruth Merckle, geborene Holland, wuchs in Ulm auf. Mit ihrem Mann und der Familie wohnte sie dann in Blaubeuren. Ihren Lebensabend verbrachte sie in Ulm.

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