Ulm Nachruf zum Tod von Theodor Fliedner

So wird er wohl in Erinnerung bleiben - hier in seinem Büro an der Universität. Alt-Rektor Theodor Fliedner starb am Montag im Alter von 86 Jahren.
So wird er wohl in Erinnerung bleiben - hier in seinem Büro an der Universität. Alt-Rektor Theodor Fliedner starb am Montag im Alter von 86 Jahren. © Foto: Oliver Schulz
Ulm / RUDI KÜBLER 12.11.2015
Er hat nicht nur die Uni Ulm als Rektor geprägt, er gilt auch als einer der Macher der Wissenschaftsstadt: Der renommierte Mediziner und Wissenschaftler Prof. Theodor Fliedner ist im Alter von 86 Jahren gestorben.

Die Universität Ulm ohne Prof. Theodor Fliedner? Unvorstellbar eigentlich - bis vor wenigen Wochen war der Alt-Rektor, der am 1. Oktober seinen 86. Geburtstag feierte, immer noch präsent auf dem Oberen Eselsberg. Schwer gezeichnet durch seine Parkinson-Erkrankung, ließ es sich der gebürtige Hamburger dennoch nicht nehmen, am Schreibtisch zu sitzen, seine Korrespondenz zu erledigen und auch seine Gedanken zur Zukunft der Universität zu formulieren. Einer Universität, die nicht mehr und nicht weniger für ihn war als: eine Lebensaufgabe. Kein Wunder, er hatte schon als Gründungsprofessor dem Festakt im Kornhaus anno 1967 beigewohnt, er amtierte zwei Wahlperioden (1983-1991) als Rektor - und er gilt als einer der Väter der Wissenschaftsstadt.

Wie kaum ein zweiter hat Fliedner es verstanden, Marken zu setzen - gleichermaßen in der Wissenschaft wie in der Hochschulpolitik. Seine Arbeiten bilden die Basis der heute gängigen Stammzelltransplantation. Gemeinsam mit Heimpel und weiteren Medizinern begründete er in den 70- und 80er Jahren den Ruf des Hochschulstandorts Ulm. Die Gesellschaft für Stammzellforschung hat ihn 2013 für sein Lebenswerk geehrt und als Ehrenmitglied gewürdigt. Des Weiteren war er Mitglied der Heidelberger Akademie, ihm wurde das Bundesverdienstkreuz und mehrere Ehrendoktorwürden verliehen, er erhielt 1996 den Wissenschaftspreis, 2006 auch die Medaille der Stadt Ulm. Letztere für seine Verdienste um die Wissenschaftsstadt, die er zusammen mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten Lothar Späth und mit Alt-OB Ernst Ludwig Mitte der 80er Jahre aus der Taufe hob. Unter seiner Ägide als Rektor war die Denkschrift "Uni Ulm 2000" erarbeitet worden. Sie bildete nicht nur die Grundlage für die Erweiterung der Universität um die Ingenieurwissenschaften und die Informatik im Besonderen, sondern für die Wissenschaftsstadt im Allgemeinen, die eine Zäsur für den Standort Ulm bedeutete: weg von der Industrie- hin zur Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft.

Die akademische Gemeinde trauert um Theoder Fliedner. Sie verliert einen ihrer bekanntesten und markantesten Köpfe. Und sie verliert einen Mann, der sich ein Leben lang für die Universität Ulm eingebracht hat.

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