Geschichte Nachkriegsgeschichte der Frauen in Ulm soll aufgearbeitet werden

Frau mit Stimmzettel an einer Wahlurne: Frauenwahlrecht der Nachkriegszeit
Frau mit Stimmzettel an einer Wahlurne: Frauenwahlrecht der Nachkriegszeit © Foto: Arne Detert/dpa Archiv
cik 31.08.2017
Anlässlich der Einführung des Frauenwahlrechts vor 100 Jahren soll ein Buch entstehen, fordern Stadträtinnen.

Nach der Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland zogen im März 1919 die ersten Frauen in den Ulmer Gemeinderat ein: Emilie Wechßler (DDP), Katharine Lutz (SPD) und als Nachrückerin Agnes Schultheiß (Zentrum). Zum Jubiläum 100 Jahre später wollen SPD, CDU und Grüne die Geschichte des Frauen-Engagements in Ulm seit der Nachkriegszeit wissenschaftlich aufarbeiten lassen. Die Ergebnisse sollen als Buch erscheinen, schreiben Dagmar Engels, Karin Graf und Sigrid Räkel-Rehner für ihre Fraktionen in einem gemeinsamen Antrag.

Ziel des Projekts soll nicht nur sein, die Geschichte der demokratischen Teilhabe der Frauen in Ulm zu dokumentieren. Vielmehr sollten „Frauen von heute ermutigt werden, sich am Leben der Stadt aktiv zu beteiligen“.

Die Aufarbeitung dieses Teils der Stadtgeschichte soll in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Ulm erfolgen, das über eine gute Quellenbasis verfüge mit Zeitungsartikeln, Schrift- und Personendokumentationen, Bildmaterial und einer Plakatsammlung. Ergänzend dazu gebe es eine Reihe von privaten Sammlungen verschiedener Frauengruppen und einzelner Protagonistinnen der Frauenbewegung, die bereit seien, das Material zur Aufbereitung und sich selbst als Zeitzeuginnen zur Verfügung zu stellen.

Besonderer Fokus auf 70er Jahre

Im Fokus der Aufarbeitung soll die Zeit nach 1955 sein, meinen die Stadträtinnen. Die direkte Nachkriegszeit von 1945 bis 1955 wurde bereits von der Historikerin Marie-Kristin Hauke im Rahmen des Projekts „Erinnern in Ulm – Demokratischer Neubeginn nach 1945“ untersucht. Die Ergebnisse sind dokumentiert im gleichnamigen Katalog  und wurden in einer Ausstellung im Haus der Stadtgeschichte von Dezember 2014 bis Juni 2015 gezeigt.

Ein besonderer Schwerpunkt soll nach den Vorstellungen der drei Fraktionen auf der „Zweiten Frauenbewegung“ ab den 1970er Jahren liegen. In dieser Zeit wurden in Ulm eine Reihe von Einrichtungen gegründet, die heute noch Bestand haben und die Stadtgesellschaft mit prägen. Dazu zählen das autonome Ulmer Frauenzentrum, aus dem der Verein „Frauen helfen Frauen“ hervorging, der Frauentreff, der überparteiliche und überkonfessionelle Arbeitskreis Frauen, die Frauenakademie der vh und „das im Vergleich zu anderen Städten singuläre Bündnis von Frauengruppen zum 8. März“, dem internationalen Frauentag.

Für die Aufarbeitung veranschlagen die Stadträtinnen einen Zeitrahmen von 16 Monaten und Kosten von 72 000 Euro. Das Geld soll von der Stadt zur Verfügung gestellt werden.