Ulm / Hans-Uli Mayer  Uhr
Schwierige Beweisaufnahme im Mordprozess Veltlinerweg. Verteidiger zitiert Zuhörerin vor Richter.

Kurz vor halb drei Uhr morgens war für den 79-jährigen Erich B. am 6. Januar die Nacht vorbei. Seine Katze war zu ihm aufs Bett gesprungen und hatte ihn um den Schlaf gebracht. „Ich habe Geräusche gehört und laute Rufe `Ruhe ist jetzt`“, sagte der Mann am Freitag als Zeuge in dem Prozess um den Mord an einem 59-jährigen Bewohner am Veltlinerweg. Nur ein paar Meter weiter hatte in jener Nacht auch der 84-jährige Jürgen R. verdächtige Geräusche gehört und seine Wohnung abgesucht. Nachdem er nichts gefunden hatte, legte er sich ebenso wie sein Nachbar wieder schlafen, um wenig später von der Polizei endgültig aus dem Schlaf gerissen zu werden.

Ein Ehepaar steht ab Freitag in Ulm vor Gericht. Sie sollen bei einem Einbruch am 6. Januar am Ulmer Eselsberg einen Bewohner getötet haben.

Was haben die Nachbar mitbekommen?

Zahlreiche Nachbarn waren am Freitag als Zeugen geladen, das Schwurgericht wollte sich einen Eindruck davon verschaffen, was die Bewohner der Anlage am Veltlinerweg in der Nacht auf Dreikönig mitbekommen haben, in der ihr 59-jähriger Nachbar getötet worden ist. Gehört haben viele etwas, nur konkret zuordnen konnte es niemand.

Dafür berichteten die Zeugen  von einer guten Nachbarschaft  mit dem Sohn und seiner 92-jährigen Mutter, deren Wohnung aus einer gewissen Ängstlichkeit heraus gut gesichert und im Grunde immer abgeschlossen war. Dass es einen direkten Zugang von der Tiefgarage aus gab, wussten offenbar auch die Täter. Die Frage ist, woher?

Die Mutter des Mordopfers am Veltlinerweg ist nicht vernehmungsfähig. Ob ihre Aussage verlesen werden kann, ist unklar.

Angespannte Atmosphäre im Saal

Wie angespannt es in dem Indizienprozess zeitweise zugeht, bei dem beide Angeklagte bisher keine Angaben machen, zeigt eine Situation. Nach einer kurzen Unterbrechung hat der Verteidiger der wegen Beihilfe zum Mord angeklagten Russin, eine Frau von den Zuschauerrängen vor Gericht zitieren lassen. Seine Mandantin hatte angegeben, dass die Tochter eines als Zeugen aufgetretenen Nachbarn sie verbotenerweise mit dem Handy fotografiert habe. Daraufhin ließ sich der Vorsitzende Richter das Handy aushändigen. Er durchforstete die private Fotogalerie der Frau, entdeckte aber keine entsprechende Aufnahme und entließ die Frau wieder.

Der Prozess wird am kommenden Freitag, 23. November, mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgesetzt.

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