Verkehr Nach Unfall: Bürgerdienste und Polizei diskutieren über stationäres Messgerät in Olgastraße

Bis an diese Stelle, die Polizei nennt es „Endlage“, wurde der Radfahrer am Samstagabend geschleudert. Ein Auto, das auf der Olgastraße offenbar viel zu schnell unterwegs war, hatte den Radler erfasst und lebensgefährlich verletzt.
Bis an diese Stelle, die Polizei nennt es „Endlage“, wurde der Radfahrer am Samstagabend geschleudert. Ein Auto, das auf der Olgastraße offenbar viel zu schnell unterwegs war, hatte den Radler erfasst und lebensgefährlich verletzt. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / CAROLIN STÜWE, HANS-ULI THIERER 04.08.2015
Wird jetzt endlich ein „Starenkasten“ in der Olgastraße installiert? Die Bürgerdienste sind mit der Polizei im Gespräch – nach einem weiteren schweren Unfall infolge Raserei. OB Gönner: Es muss was passieren.Mit einem Kommentar.
Er ist inzwischen außer Lebensgefahr, der 46-jährige Radfahrer, der am Samstagabend bei einem Unfall in der Olgastraße schwer verletzt wurde. Wie berichtet war er um 23.10 Uhr von der Salzstadelgasse über die Olgastraße gefahren, als er vom BMW eines 21-Jährigen erfasst und durch den Aufprall meterweit durch die Luft geschleudert wurde. Die Geschwindigkeit muss ein Gutachter noch berechnen. Aufgrund der 50 Meter langen Bremsspur schätzt die Polizei aber, dass der junge Autofahrer viel zu schnell unterwegs war.

Das Problem nächtlicher Rasereien mitten durch die Stadt, vor allem in der breiten Olgastraße, ist an höchster Stelle erkannt. Oberbürgermeister Ivo Gönner reagiert auf regelmäßig wiederkehrende Vorfälle und Unfälle mit keinerlei Verständnis: „Man kann nur versuchen, solche Verrückten zu stellen und sie durch Führerscheinentzug aus dem Verkehr zu ziehen. Aber es ist nun mal schwer, etwas gegen diejenigen auszurichten, bei denen nur ein Körperteil gut ausgebildet ist: der rechte Fuß.“ Gallig fügt der OB hinzu, es bestehe bei manchen Menschen eine Relation zwischen unteren und oberen Körperteilen: „Je mehr Fuß, desto weniger Hirn.“

Nach dem erneuten schweren Unfall infolge Raserei auf dem Altstadtring – Friedrich-Ebert-Straße, Olgastraße, Frauenstraße, Neue Straße (siehe Infokasten) – müssen nach den Worten Gönners konkrete Schritte unternommen werden. Eine Verengung der Olgastraße komme aus Sicht der städtischen Verkehrsplaner kaum in Frage. Nach dem Rückbau der Neuen Straße und dem derzeit laufenden Umbau der Karlstraße sei die Olgastraße mehr denn je ein Rückgrat des innerstädtischen Verkehrsnetzes in Ost-West-Richtung.

Die städtischen Bürgerdienste wollen nun gemeinsam mit der Polizei ernsthaft überlegen, an welcher Stelle die Stadt in der Olgastraße ein stationäres Messgerät aufstellen könnte. „Ich will noch nichts zusagen, aber wir haben das Problem bereits vergangene Woche angesprochen“, sagt Roland Häußler, der Chef der Bürgerdienste. Anlass war, dass sich immer wieder Anwohner und Stadträte über die Raserei auf dem Altstadtring beklagen und sei es schon allein über den Lärm aufgrund aufheulender Motoren von Autos und Motorrädern.

Vor gut einem Jahr hatten Überlegungen der Bürgerdienste „mit unseren Sicherheitspartnern“ (Häußler) zum Ergebnis geführt, dass die Stadt gar nichts unternahm. Argument: Wenn die Polizei mit dem Lasergerät „Verdächtige“ misst, spreche sich dies „in diesen Kreisen“ sehr schnell rum. Dennoch kontrolliert die Polizei mindestens einmal pro Woche bei Tag und Nacht die Autofahrer speziell auf dem Altstadtring, sagt Sprecher Wolfgang Jürgens. Hinzu kommt, dass der Streifendienst spontan Raser aus dem Verkehr zieht und die Polizei die Treffpunkte der „potenziellen Rennfahrer“ aufsucht. „Wir sprechen mit denen etwa, wenn der Lack glänzt, aber die Reifen abgefahren sind.“

Einmal im Monat, meist Samstagnacht, misst auch die Stadt die Geschwindigkeiten auf dem Altstadtring – bei insgesamt 500 Messpunkten in Ulm, sagt Häußler. Die Überschreitungsquote in der Olgastraße liege aber nur bei 1,5 Prozent. Seine Erklärung: „Wir haben wenig Deckung in der Olgastraße.“

Immer wieder Unfälle bei Autorennen in der Innenstadt

März 2011 Drei junge Autofahrer lieferten sich in der Friedrich-Ebert-Straße ein Autorennen. Eingangs Olgastraße kriegte ein 19-Jähriger die Kurve nicht, überfuhr die Tramtrasse und prallte frontal in das Auto einer 30-Jährigen. Beide wurden schwer verletzt.

Mai 2014 Auch bei diesem Unfall raste ein Fahranfänger samstagabends bei einem Autorennen auf der Friedrich-Ebert-Straße in der Rechtskurve vor dem Telekom-Gebäude in ein unbeteiligtes Auto des Gegenverkehrs. Der Golffahrer wurde verletzt.

Oktober 2014 Dieser Unfall wieder in derselben Kurve während eines Rennens ging glimpflicher ab: Der 18-jährige Fahrer eines Mercedes prallte gegen den Randstein und ruinierte beide Achsen. Die Insassen blieben unverletzt. Die Polizei suchte Zeugen.

Ein Kommentar von Carolin Stüwe: Nachts Tempo 30

Es muss was passieren, damit nichts mehr passiert. Noch hat Oberbürgermeister Ivo Gönner das Sagen und hoffentlich Einfluss auf seine Verkehrsbehörde und die so genannten Sicherheitspartner der Stadt, die Polizei. Gegen Raserei auf breiten Innenstadtstraßen, wobei es immer wieder zu schweren Unfällen mit unbeteiligten Menschen kommt, helfen vorerst nur Geschwindigkeitsmessungen.

Da die Olgastraße in jeder Hinsicht sehr übersichtlich und ein Messwagen schlecht zu verstecken ist, muss eben besser gestern als morgen ein stationäres Messgerät her. Und das sollte die meiste Zeit „scharf“, also mit laufender Kamera ausgestattet, sein. Die Ausweich-Rennstrecken dürften der Polizei bekannt sein.

Die Olgastraße zurückzubauen, während dies gerade auf der Frauen- und in der Karlstraße passiert, ist dem Berufsverkehr kaum zuzumuten. Ein Unding ist es aber, dass nachts gerade auf der Olgastraße die Ampeln ausgeschaltet sind.

Deshalb bleibt als langfristige Lösung nur, nachts Tempo 30 einzuführen, wie es bereits auf anderen Durchfahrtsstraßen der Fall ist. Nachts sind keine Pendler unterwegs, die dann gleich Widerspruch einlegen würden. Aber nachts wollen Anlieger unter anderem in Olga- und Frauenstraße schlafen. Lärm macht krank. Es kann nicht sein, dass ein paar Halbstarke einen ganzen Straßenzug tyrannisieren. Es muss was passieren, aber rasend schnell.