Handel Nach hundert Jahren schließt Pelz Bäuerle

Anna, Martina und Eberhard Bäuerle.
Anna, Martina und Eberhard Bäuerle. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Christine Liebhardt 24.10.2018

Eigentlich ist der Laden in der Dreiköniggasse gerade geschlossen. Aber Bäuerles sind ja nicht so: Das Illerkirchberger Ehepaar, das gestern extra in die Stadt gefahren war, um vor dem Urlaub noch eine Jacke zu kaufen, haben sie spontan reingelassen. Dass das Pelzgeschäft nach fast hundert Jahren schließt, darüber haben die Inhaber ihre Stammkunden in diesen Tagen per Brief informiert. „Das hat rein familiäre und altersbedingte Gründe“, betont Eberhard Bäuerle, „und keinerlei finanzielle Ursachen.“

Die Entscheidung ist kurzfristig gefallen. Tochter Anna Bäuerle, die in vierter Generation im Geschäft mitarbeitet, hat im Sommer in Rotterdam ihr Studium in Nachhaltigkeitsmanagement abgeschlossen – und andere berufliche Perspektiven: Ihre Zukunft sieht sie eher in der Strategieentwicklung großer Unternehmen als im elterlichen Betrieb. Was Vater und Mutter gelassen aufnehmen. „Ich bin nicht an Ulm gebunden, ich bin gerne unterwegs“, erzählt die 26-Jährige. Beim Schließen hilft sie noch.

Denn das geht nicht von heute auf morgen. Die Herbst- und Winterware war schon lange bestellt, die Kleiderstangen hängen voll. Am Freitag beginnt der Abverkauf. Geöffnet bleibt so lange, bis alles weg ist: „So einen Laden muss man leermachen, bevor man ihn zumacht“, sagt Martina Bäuerle. Ihr Mann ergänzt: „Wir wollen das machen, so lange wir es noch gut machen können.“ Die Entscheidung sei ihnen nicht leicht gefallen. „Aber irgendwann muss es dann halt sein. Wir sind in einem Alter, in dem andere schon lange in Rente sind.“ Dass jemand von außen das Geschäft übernimmt, war kein Thema: „Sie finden für so etwas keinen. So eine Sechs-Tage-Woche, das ist nicht für alle. Und kapitalintensiv ist es auch.“

Ursprünglich 1919 in Neu-Ulm als Häute- und Fellhandlung von zwei Brüdern gegründet, wird das Unternehmen ab 1925 von Emil Bäuerle, Eberhard Bäuerles Großvater, geführt. Nach seinem Tod übernimmt seine Witwe Sofie das Geschäft, später führen es ihre Kinder weiter. Nach Ulm zieht Pelz Bäuerle 1955. Zunächst in die Neue Straße, direkt gegenüber dem Neuen Bau; 1982 dann in die Frauenstraße 1. Ein Jahr zuvor war Eberhard Bäuerle in das Pelzgeschäft eingestiegen. Als das Haus in der Frauenstraße 2008 abgerissen wird, folgt der Umzug in die Dreiköniggasse.

Nicht nur die Standorte, auch das Sortiment hat sich im Laufe der Zeit geändert und dem Kaufverhalten der Kunden angepasst: Pelz war weniger gefragt. „Wir haben jetzt auch Daunen- und Outdoorjacken“, sagt Anna Bäuerle. Nicht ohne Stolz weist ihr Vater darauf hin, dass es ein reines Jackengeschäft in ihrer Größe und mit ihrer Auswahl in Süddeutschland nicht mehr gebe. Für ihre sechs Mitarbeiter hofft die Inhaberfamilie auf gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt, es handele sich schließlich um qualifiziertes Fachpersonal.

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