Schwörmontag 2018 Nabada vom Wasser aus: Unterwegs mit einem Themenboot

Ulm / Tobias Knaack 24.07.2018
Neun Abende Arbeit für zwei Stunden Fahrt: Unterwegs beim Nabada mit dem Themenboot der Narrenzunft Ulm.

Der erste Rauch steigt um kurz nach 16 Uhr auf. Gelb-grau zieht er aus dem vier Meter langen Rohr, während Gerold Noerenberg auf einer Kugel über die Donau saust. Nein, natürlich reitet der Neu-Ulmer Oberbürgermeister nicht wie Baron Münchhausen durch die Lüfte. Doch es ist genau dieses Bild, das die Narrenzunft Ulm als „Special Effect“ für ihr diesjähriges Themenboot „Bombenstimmung in Neu-Ulm“ in Anlehnung an die Bombenentschärfungen im Frühjahr gewählt hat.

Ausgedacht hat sich das Stefan Sachs, Zeugwart bei der Narrenzunft. Seine Ideen hole er sich beim Lesen oder Hören von Nachrichten, sagt er. Das genüge. Am liebsten sind ihm lokale  oder regionale Themen: Der Bau von Ikea zum Beispiel, die Baustellen oder aber der Gemeinderat. 25 Jahre ist er schon beim Nabada, 18 davon als Leiter des Narrenzunft-Boots. Die Narrenzunft, 1992 gegründet, ist seit 1986 dabei, damals noch als loser Verband der Narrenzünfte.

Beladen ab sieben Uhr

7.25 Uhr: Sachs und weitere Mitglieder der Narrenzunft stehen auf dem Bauhof Ulm am Kaltwässerle zusammen. Gerade haben sie die Aufbauten für ihr Themenboot auf einen Hänger geladen: kastenartige Holzkonstrukte, daneben das graue Rohr. Der Fahrer spannt Gurte, damit die Fracht nicht verrutscht. Vier Lkw-Gespanne sind im Einsatz, um die Aufbauten der 13 Themenboote zum Edwin-Scharff-Haus zu bringen, erklärt Christoph Amann. Er organisiert den Transport vom Bauhof ans Donauufer. Seit 7 Uhr ist er zugange. In einer Hand hat er die Liste, wann welche Materialien abtransportiert werden, mit der anderen hängt er am Telefon oder weist einen Lkw ein.

Um 9.30 Uhr versenkt Christian Bamberger die letzte Schraube im Holz. Anderthalb Stunden haben er, Stefan Sachs und die anderen Helfer der Narrenzunft die vorbereiteten Aufbauten auf den Zillen montiert, nun steht sie da, die „Bombenstimmung“. Vor anderthalb Wochen haben sie angefangen, an ihrem Boot zu bauen, mit zehn Leuten in wechselnder Besetzung insgesamt gut 30 Stunden – exklusive der Ideenfindung und -skizzierung. Zunächst wurden auf dem Gelände des Bauhofs die Holzlatten für die Konstruktion zurechtgesägt, dann Platten angebracht und insgesamt 30 bis 40 Liter Farbe für die Motive verstrichen: den Wasserturm, das Stadtschild mit dem Titel „Neu-Ulm. Bombenstadt“, den blauen Himmel, die Menschen mit den gepackten Koffern – und natürlich die Noerenberg-Münchhausen-Figur.

Härtetest nach Startschuss

Am aufwendigsten sei die Konstruktion mit dem „Baron-Bürgermeister“ gewesen, erklärt Bamberger. Doch das sei wichtig, denn: „Wir wollen immer ein Boot mit viel Bewegung haben“. Bamberger arbeitet in der Justizvollzugsanstalt Ulm, seine Schicht ist erst um sechs Uhr morgens zu Ende gegangen. Jetzt muss er sich erstmal kurz schlafen legen – auf dem Boot.

Dass das stabil gebaut ist, muss es gut sechs Stunden später beweisen. Kurz nach dem Startschuss durch den organisatorischen Leiter des Nabada, Michael Schwender, herrscht auf der Donau passend zum Thema des Boots „Bombenstimmung“: Wasser-Attacke um Wasser-Attacke geht auf das Boot nieder – in Form von Wasserbomben, aus Eimern und Wasserpistolen.

Im Gedränge halten sich viele der wilden Nabader auf ihren Schwänen, Enten und Einhörnern am Boot fest, reißen und rütteln an ihm. Und zack: Schon gibt es Kleinholz. Eines der Schilder mit dem Titel des Bootes fällt dem Griff eines Nabaders zum Opfer. Auch die Schiene, auf der der „Bomben-Baron-Bürgermeister“ emporsteigt, biegt sich zur Seite. Sachs und Bamberger schieben Noerenberg aber immer und immer wieder nach oben.

Am Vormittag klingelt Michael Schwenders Telefon. „Du bist der erste Mensch, der mich heute anruft, der nicht Christoph Amann heißt“, begrüßt der organisatorische Leiter den Anrufer und lacht. Bei Schwender laufen die Fäden zusammen, also landen auch die Anrufe von Christoph Amann bei ihm. Schwender ist entspannt. „Wir haben alles organisiert. Jetzt muss es nur noch ablaufen“, sagt er und trinkt einen Schluck Kaffee.

Zum Nabada treibt es Schwender auf die Donau: „Ich komme vom Wasser her“, sagt er. Er habe dann ein besseres Gefühl, reagieren zu können. Ähnlich wie der Chef der Tour de France wacht er über dem „Feld“: Wie fügen sich die wilden Nabader in die Gruppe der Themenboote ein? Wo tut sich eine Lücke auf? Entstehen Verbände von Schlauchboot- und Luftmatratzenfahrern?

Am Nachmittag zeigt sich: Schwender bringt den „Verkehr“ gut zusammen. Auch wenn es sich am Schwal und unter der Herdbrücke mächtig staut, die Menge treibt gemächlich feiernd die Donau hinunter. Spätestens nach dem Steg zwischen Friedrichsau und Offenhausen steigen die meisten wilden Nabader aus. An Deck gönnen sich die Narrenzünftler ein paar Drinks, lauthals stimmen sie in „Schönen Gruß, auf Wiedersehen“ von den Toten Hosen ein, das das gerade vorbeifahrene Fanfarenkorps Ulm/Neu-Ulm spielt. Kurz danach ist am Böfinger Wehr Endstation. Dem Titel entsprechend sieht die „Bombenstimmung“ ein wenig ramponiert aus, aber die Mitfahrer sind umso fröhlicher. Für sie geht es nun zurück in die Stadt. Schönen Gruß, auf Wiedersehen nächstes Jahr zum Nabada. Dann aber ohne Bürgermeister, Baron und Bombe.

Die Rückkehr des Illerfloßes nach Ulm

Team 16 Personen hat der organisatorische Leiter des Nabada, Michael Schwender, am Ulmer „Nationalfeiertag“ um sich. Währen des Nabada ist Schwender im Einsatzleiterboot auf der Donau unterwegs. Per Funk ist er mit zwei Kollegen an Land verbunden – einem in Ulm und einem in Neu-Ulm. Außerdem „habe ich alle Nummern“ – von Polizei über DLRG bis Feuerwehr. 

Comeback Nach 100 Jahren war beim Nabada erstmals wieder ein Illerfloß in Ulm unterwegs. Früher brachten die 18 Meter langen Floße Holz in die Donaustadt. Gestern brachten sie bereits kurz vor 16 Uhr feierfreudiges Volk zum Nabada.

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