Burgrieden-Rot Mystisch: Die neue Ausstellung im Museum Villa Rot

Ein „Lumenophorus“ – ein Lichtträger – von Roger Aupperle.
Ein „Lumenophorus“ – ein Lichtträger – von Roger Aupperle. © Foto: Roger Aupperle
Burgrieden-Rot / Lena Grundhuber 05.11.2018
Rund 20 Künstler zelebrieren „Magie und Ritual“. Sie lassen Hände fliegen, tragen Licht auf dem Kopf oder treten gleich selbst als Gespenst auf.

„Das sind die einzigen Geister, die wir haben.“ Museumsleiter Marco Hompes sagt das so nüchtern, dass man für den Bruchteil einer Sekunde nicht ganz sicher ist, ob. . . Nein, man sieht natürlich keine Gespenster, es sind nur die Künstler selbst, deren Gesichter anklagend in der Luft herumschweben. Felix Burger und das Duo Böhler & Orendt lesen dem Besucher als Geister der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im dunklen Kabuff ganz schön gruslig die Leviten: „the capacity for the truth is very limited.“

Stimmt, der menschliche Verstand ist in der Tat begrenzt. Weshalb der Mensch ja schon immer den Verdacht hegte, dass da noch andere Dinge jenseits des eigenen Bewusstseins vor sich gehen könnten. Damit sind wir beim Thema: „Magie und Ritual“ heißt die neue Ausstellung im Museum Villa Rot, die mit rund 20 zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern in das Reich von Votivtafel und Voodoopuppe entführt.

Manches zieht sich durch

Ergaben sich magische Praktiken einst noch einigermaßen schlüssig aus einer neuplatonischen Kosmologie, in der alles miteinander in Zusammenhang stand, so verfährt man heute postmodern eklektizistisch: „Jeder bedient sich bei dem, was ihm gefällt“, sagt Marco Hompes. Halloween und Harry Potter, Edelsteine und Engel – der Markt produziert für jeden Bedarf.

Doch so flexibel das magische Denken sei, manches ziehe sich durch die Zeiten und Welten, hat Hompes beobachtet. Zum Beispiel Umzüge in dämonischen Kostümierungen, wie Andriy Hir sie in den Karpaten findet. Auch der Glaube an die Kraft der Hände dürfte die Zeiten überdauert haben. Marjolijn Dijkman reflektiert das klug in ihrer doppelwandigen, doppelbödigen Projektion „In our hands“, in der gespenstische blaue Hände uns mit ihren Bewegungen verzaubern. Wechselt man aber die Seite des Screens, ist man auf einmal selbst der mächtige Magier.

Bedürfnis nach Beschwörung

Da sind wir schon ein Stockwerk höher – physisch wie intellektuell. In der ersten Etage sind die Ansätze reflektiert bis ironisch. Oder sie schweben poetisch irgendwo dazwischen, so wie bei Roger Aupperle, der eine Prozession von Wesen mit Lichthüten durch eine Winterlandschaft tapern lässt. Endgültig (selbst-)ironisch drehen Johanna Mangold und Jan-Hendrik Pelz die Sache in Zusammenarbeit mit Jonathan Meese: Unter anderem seine Haare in ihrem Zaubertrank sollen die beiden zu den besten Künstlern der Welt machen. Das ist lustig, doch um ein Gefühl dafür zu bekommen, woher das Bedürfnis nach Beschwörung eigentlich rührt, sollte man zurückgehen zu Gabriela Oberkofler. Ihre Zeichnungen beziehen sich auf Votivfiguren in ihrer Südtiroler Heimat. „Prekäre Leben“ hat sie die Serie genannt, denn die sorgengeplagten, der Natur ausgelieferten Menschen versuchten damit, ihre existenziellen Nöte zu lindern.

Gewissermaßen zwischen beiden Ebenen – der körperlichen und der theoretischen, der gegenständlichen und der abstrakten – ist Benedikt Hipp unterwegs, der die Einzelschau in der Halle gestaltet. Hipps Vater in der oberbayerischen Heimat besitzt eine riesige Sammlung von Votivgaben, nicht umsonst tauchen Körperfragmente in der Malerei und den Objekten des Sohnes auf.

Auf einem Altar aus goldenen Malerböcken schweben Lungenflügel, in den Zeichnungen werden „Fleischopfer“ dargebracht, surreale Köpfe aus scheinbar geologischen Strukturen setzen sich gegen glatte abstrakte Flächen ab. Andererseits verweisen diese Bilder hochreflektiert auf die Kunstgeschichte: „I am abstract when I get up early“ heißt etwa das große Gemälde mit dem riesigen leuchtenden Korpus. Da strahlt die Magie auf einmal ganz licht.

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Infos und Öffnungszeiten

Zwei Ausstellungen „Magie und Ritual“ mit Werken von rund 20 Künstlerinnen und Künstlern sowie die Ausstellung von Benedikt Hipp laufen im Museum Villa Rot (Burgrieden-Rot) bis zum 10. Februar. Öffnungszeiten sind Mittwoch bis Samstag von 14 bis 17 Uhr, an den Sonn- und Feiertagen von 11 bis 17 Uhr. Mehr Informationen finden sich im Internet unter www.villa-rot.de

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