Ulm / bö

Stefanie Mailänder aus der Nähe von Dillingen hat den Frühchentourismus schmerzhaft zu spüren bekommen. Ihre Zwillinge Noah und Elias sind inzwischen fast zwei Jahre alt, putzmunter und gesund. Wenn sie aber an den schwierigen Weg bis zur Geburt und kurz danach denkt, kämpft sie noch heute mit den Tränen. In der neunten Schwangerschaftswoche hatte sie erfahren, dass sie Zwillinge im Bauch hat. Bis zur 22. Woche lief alles gut. Dann schlug ein Frauenarzt Alarm und schickte sie angesichts einer drohenden Frühgeburt an die Ulmer Uni-Klinik. Der Oberarzt dort fragte, was er tun solle, falls die Fruchtblase platze: Die Säuglinge beatmen oder nicht?  „Ich habe nur noch geheult.“ Abends gab es Entwarnung.

Wegen Personalmangels muss die Kinderintensivstation des Uni-Klinikums immer wieder Patientinnen abweisen. Die Qualität der Versorgung sei nicht eingeschränkt, heißt es.

Verlegung nach Stuttgart

Zwei Wochen später war Mailänder erneut notfallmäßig in der Ulmer Klinik – diesmal musste sie bleiben. Doch rasch hieß es:  „Sie müssen nach Stuttgart oder Augsburg, wir haben keinen Platz.“ Und das, obwohl sie sich in Ulm gut aufgehoben fühlte, ihr Mann sie dort problemlos besuchen konnte. Sie wehrte sich vergebens. Als sie abends ins Katharinenhospital nach Stuttgart kam, seien die Ärzte dort fassungslos gewesen: „Was, diese Patientin wurde sitzend transportiert?“

Nach einer Woche täglichen Bittens wurde Mailänder wieder nach  Ulm verlegt.  Auf Umwegen über das BWK – das keine Kinderstation besitzt  – landete sie wieder in der Uni-Klinik.

Nach Geburt ging es weiter nach Heidenheim

21 Tage später: Blasensprung. Die Ärzte beruhigten sie: 30. Woche, kein Problem, ab in den OP, Kaiserschnitt. Beide Jungen wogen 1300 Gramm. Es ging ihnen vergleichsweise gut, nach vier Tagen auf der Intensivstation kamen sie auf die Überwachungsstation. Die junge Mutter war den ganzen Tag bei den Kindern, hielt die klitzekleinen Händchen.

Doch nach drei Wochen  hieß es wieder: kein Platz.  „Ihre Kinder werden nach Heidenheim verlegt.“ Sie wehrte sich, vergebens. Es gehe nicht nur um die medizinische  Versorgung, sondern auch um das Vertrauen in die Ärzte und den erzwungenen laufenden Wechsel in einer hochsensiblen Phase des Lebens, sagt die 33-Jährige. „Das ist nicht zumutbar.“

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