Ulm Muss ein Tramfahrer Gestürzten helfen?

Ulm / JÜRGEN BUCHTA 24.10.2013
Wozu ist ein Straßenbahnfahrer verpflichtet? Muss er einem beim Aussteigen gestürzten Senior mit einem Rollator helfen? Die SWU sagen: Nein.

Der Vorfall hat sich an der Haltestelle Sonnenstraße in Söflingen ereignet. Als er am 10. Oktober um 19.04 Uhr aus der Straßenbahn aussteigen wollte, stürzte ein älterer Mann, der mit einem Rollator unterwegs war, und blieb in der vorletzten Tür der Bahn liegen.

"Beim Sturz schrie der Mann vor Schmerzen laut auf. Der Ruf war in der gesamten Bahn hörbar", schildert eine Augenzeugin. Fahrgäste halfen dem Mann, wieder auf die Beine zu kommen, während die Tür, in der er lag, mehrmals zum Schließen ansetzte. "Eine junge Krankenschwester, die sich mit der Bahn auf dem Heimweg befand, wurde durch den Schrei des Mannes auf die Situation aufmerksam und stieg ebenfalls an der Haltestelle aus, um Hilfe zu leisten", schildert die Augenzeugin weiter.

Kaum war der Mann wieder auf den Beinen, schlossen die Türen und die Tram fuhr davon. Als sie wenige Minuten später auf der Rückfahrt zum Ehinger Tor erneut an der Unfallstelle vorbeikam, habe der Fahrer auf Höhe der Helfergruppe angehalten und wild in Richtung der Gruppe gestikuliert. Dann sei er weitergefahren.

Hat sich der Fahrer nicht wegen unterlassener Hilfeleistung schuldig gemacht?, schreibt die Frau, die ihren Brief auch an SWU-Verkehrschef Ingo Wortmann geschickt hat. Hat er nicht, antwortet Andreas Ceder, Leiter Vertrieb und Kommunikation des Unternehmens. Andernfalls wäre dies "allen Fahrgästen vorzuwerfen, welche sich noch viel näher am Geschehen befunden, aber nicht reagiert haben". Auch solle ein Tramfahrer sein Cockpit nur "im absoluten Notfall verlassen". Andernfalls werde er nach der Betriebsordnung streng geahndet.

Allerdings hätte sich der Fahrer, schreibt Ceder etwas im Widerspruch zur vorherigen Argumentation, "nachdem sich das Geschehen auf den Bahnsteig verlagerte, erkennen müssen, dass sich eine ungewöhnliche Situation ereignet hat und er im Sinne einer Hilfeleistung, Versicherungsschutz, etc. zumindest aussteigen und sich nach der Situation hätte erkundigen müssen."

"Daher ist hier auch ein Fehlverhalten festzustellen, für welches wir uns wiederum aufrichtig entschuldigen." Der Chef des Fahrers werde mit dem Mann ein Personalgespräch führen und ihn auf sein Fehlverhalten hinweisen.