Ulm Musiker schieben Behindertenprojekt an

In der Band Care Or Not spielen Behinderte und Nichtbehinderte. Am 8. März treten die Musiker beim Musikmarathon im Roxy auf. Foto: Martin Görz
In der Band Care Or Not spielen Behinderte und Nichtbehinderte. Am 8. März treten die Musiker beim Musikmarathon im Roxy auf. Foto: Martin Görz
Ulm / HELMUT PUSCH 16.02.2013
Ein Brunnen im Sudan, Hilfe für Erdbebenopfer auf Haiti, Unterstützung für ein Hilfsprojekt in Ruanda. Die Einnahmen aus dem Musikmarathon des Vereins "Einsatz" helfen weltweit - aber auch in Ulm.

"Ich wollte dir nur mal eben sagen, dass du das Größte für mich bist. . . " Moritz (16) singt konzentriert "Ein Kompliment" der Sportfreunde Stiller, unterstützt von Popbastion-Coach Bine Eberhardt. Sie lobt ihn: "Hey, das hat du gut gesungen. Hast du viel geübt?" "Ich habe mir die Songs auf mein Handy gezogen und kann sie jetzt überall hören", erklärt Moritz, der erst seit einigen Wochen der Sänger der Band Care Or Not ist. Die ist ein Pilotprojekt der Popbastion. In ihr spielen Behinderte und Nichtbehinderte zusammen. Finanziert hat dieses Projekt der Verein "Einsatz", der den Musikmarathon organisiert.

"Einsatz"? Die Tsunami-Katastrophe 2004 war der Auslöser. Damals taten sich Ulmer Musiker zusammen, um den Opfern in Südostasien spontan zu helfen. Der erste Musikmarathon fand nur wenige Wochen später im Roxy statt. Mittlerweile gibt es den Verein "Einsatz - Musik für Menschen in Not", der jedes Jahr dieses Mammut-Konzert organisiert und mit dessen Erlös Hilfsprojekte unterstützt. Und wenn am 8. März die neunte Auflage des Musikmarathons im Roxy stattfindet, dann wird da auch eine Band dabei sein, die es ohne den Musikmarathon gar nicht gäbe. Eben Care Or Not.

Inklusion lautet seit einigen Jahren der pädagogische Königsweg in der Arbeit mit Behinderten. Will heißen: Es wird anerkannt, dass die Menschen verschieden sind, jeder nach seinen Bedürfnissen gefördert werden muss. Aber das geschieht in den selben Einrichtungen und gemeinsam - auch in einem Projekt der Popbastion. Dort hat sich vor einem halben Jahr die Band Care Or Not formiert. Die Musiker proben unter der Anleitung von Coaches der Popbastion, nutzen die Räume und Anlagen - und das alles unentgeltlich. Dank der 1500-Euro- Spende des Vereins "Einsatz", der die Unkosten des Projekts trägt.

Ein solches Projekt war überfällig, sagt Margret Anthon vom Stadtjugendring, die die Popbastion betreut. Allerdings fehlte es an der Finanzierung. Und diese Lücke füllte der Verein "Einsatz". Der hat zwar in der Vergangenheit vor allem dort Projekte unterstützt, wo mit relativ wenig Geld viel Wirkung erzielt werden konnte, sprich in Ländern wie Ruanda, dem Sudan oder Haiti. Er hat aber auch immer wieder Projekte in Ulm gefördert - auch solche mit einem musikalischen Hintergrund, etwa das Pilotprojekt "Rocken statt Ritzen". Das wandte sich an Jugendliche, die sich selbst verstümmeln. Die Idee: Wer auf der Bühne mit einer Band seine Selbstbestätigung bekommt, braucht sich nicht zu verletzen. "Einsatz" bezahlte die Coaches der Popbastion, die arbeiteten mit den Jugendlichen - so erfolgreich, dass das Projekt mit dem Förderpreis 2011 bis 2013 der Stiftung für ambulante Psychiatrie und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter ausgezeichnet wurde. Der ist mit 7500 Euro dotiert, ein Mehrfaches dessen, was von "Einsatz" als Anschubfinanzierung gekommen war.

Auf einen ähnlich positiven Effekt hoffen die Einsatzleute auch bei ihrem aktuellen Projekt mit der Popbastion. Dort gibt es Pläne, das Inklusionsprojekt weiterzuführen. Mehr noch: Jetzt sollen Instrumente und kleine Verstärker angeschafft werden - für Jugendliche, die sich das sonst nicht leisten könnten. Und auch das wird von "Einsatz" mitfinanziert.

Den nächsten großen Auftritt hat Care Or Not beim nächsten Musikmarathon im Roxy. Lampenfieber? "Das ist schon ein wenig atemberaubend, sonst spielt man doch eher nur für die Verwandtschaft", sagt Gitarrist Joschua (12).

Info
Care Or Not ist eine von 22 Bands, die am 8. März, von 19 Uhr an, beim Musikmarathon im Roxy auf die Bühne gehen.