Musikalische Raritäten mit dem Scherer-Ensemble

VERENA WESTPHAL 30.07.2014

Mit Werken von Orlando di Lasso und seinen schwäbischen Schülern führte das Scherer-Ensemble ein Konzert mit musikalischen Raritäten in St. Michael zu den Wengen auf. Das gemischte Vokalensemble, benannt nach dem Ulmer Münsterorganisten Sebastian Anton Scherer, widmete sich der Aufführung regionaler Musik der Renaissance. Es brachte Komponisten wie Balduin Hoyoul, Leonhard Lechner und Jakob Reiner zu Gehör, die alle zu ihrer Zeit bekannt waren, aber heute eher von Kennern oder Musikhistorikern geschätzt werden. Thomas Müller, der das Ensemble leitet und selbst als Bariton mitsingt, brachte die Schönheit und Klarheit dieser durchdrungenen geistlichen Musik mit den Vokalisten auf einfühlsame und lebendige Art zum Ausdruck.

Um den prägenden di Lasso gruppierten sich viele Schüler und Studenten und dank der Möglichkeit, Noten zu drucken, verbreitete sich die Musik. Im Konzert erklang seine Musik kunstvoll und durchsichtig, der Sprachrhythmus wurde Teil des musikalischen Geschehens.

In der siebenstimmigen Motette "Vide Homo" verdichtete sich die Musik und eine gemeinsame, ruhige Atmung durchströmte die Klänge. Anrührend sang Scherer-Ensemble das "Veni dilecte mi", das schon fast an ein Liebeslied erinnert und möglicherweise um Tugenden geht es in dem schönen Lied "Susanne un jour". Mit Verzierungen und Opulenz spielte dann die Orgel über dieses ergiebige Thema sechs Variationen von Hans Leo Hassler: Joseph Kelemen gab dieser Musik Kraft und Ausdehnung, eine klare rhythmische Ordnung und thematische Transparenz. Die drei deutsch textierten Stücke von Johannes Eccard und Hans Leo Hassler sowie Leo Lechners sehr ergreifendes Lied "Deutsche Sprüche von Leben und Tod" sprechen für die gute Beziehung Lassos zu den Protestanten. Viele Interessierte hatten vor dem Konzert auch die Einführung durch den Musikhistoriker Professor Joachim Kremer besucht.

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