Neujahrskonzert Musik und Witz: Neujahrskonzert im Theater Ulm

Magdi Aboul-Kheir 03.01.2018
Die Philharmoniker, Timo Handschuh, Maria Rosendorfksy und Matthias Kaiser laden zu einem fantasievollen musikalischen Trip.

Die alternde Diva ist doch ein wenig kapriziös. Nennt den Dirigenten Timo Handschuh nach seinem Vorgänger „James“, degradiert Operndirektor Matthias Kaiser zum „König“, und die Klappe hält sie erst, wenn Konzertmeister Tamás Füzesi ihr von hinten den Mund zuhält. Aber singen, wow, das kann die Dame!

Natürlich ist die Diva keine Andere als Maria Rosendorfsky. Die beliebte Sopranistin ist beim Neujahrskonzert im Theater Ulm wieder mal für jeden Spaß zu haben – und der Ulmer Musiker Joo Kraus hat ihr jetzt sogar extra einen ebensolchen auf den Leib und das Organ geschrieben.

Die Neujahrkonzerte 2018 bieten als Schlusspunkt tatsächlich etwas ganz Neues: eine Uraufführung. „Just Awesome“ heißt Kraus’ gewitzt-charmantes Orchesterstück. Es ist eine funkelnde, augenzwinkernde Nummer zwischen Broadway-Hochglanz und Latin-Groove, mit Zitaten von „Star Wars“ über „Indiana Jones“ bis zur „Zauberflöte“. Aber auch wenn „Just Awesome“ dank Rosendorfsky, Handschuh und Füzesi zur Comedy-Performance wird – kompositorisch-handwerklich hat Kraus da Ernst gemacht. Das Publikum bejubelte Werk und Ausführende.

Das neue Jahr beginnt in Ulm am Neujahrstag traditionsgemäß exakt um 18 Uhr: wenn das Konzert losgeht. So witzelte Rosendorfsky nach dem rasanten Auftakt mit Michail Glinkas „Ruslan und Ludmilla“-Ouvertüre. Auf die Sopranistin „freuen wir uns ja alle“, sagte Matthias Kaiser und setzte frotzelnd hinzu: „Wenn sie singt.“ Der scheidende Operndirektor moderiert die Konzerte in dieser Saison zum letzten Mal, bietet Infos und Pointen. Das Geplänkel zwischen ihm und Rosendorfsky zieht sich dabei wie ein roter Faden durch den nahezu dreistündigen Abend.

Den wahren roten Faden bietet freilich das Programm. Es ist eine musikalische Reise in viele – auch fantastische – Welten. Erster Stopp: Russland. Rosendorfsky singt die „Schneeflöckchen“-­Arie Nikolai Rimski-­Korsakows: In der überredet die Märchenheldin ihren Papa Väterchen Frost, sie zu den Menschen ziehen zu lassen. Klar, dass ihr das gelingt, so bezirzend wie sie singt.

Weiter geht es ins Schlaraffenland mit Franz Lehárs „Mohnblumen-Walzer“ und „Lebkuchen-­Polka“. Mit Galopp und Duo aus Georges Bizets „Jeux d’Enfants“ bleibt man danach in Kinderwelten, das Philharmonische Orchester der Stadt Ulm fühlt sich auch dort hörbar wohl, von Timo Handschuh energievoll und geschmeidig geleitet. Besonders der Galopp gelingt klanglich hinreißend nuancenreich.

Vom Kinderspiel zur Orgie? Nun, hinter Joaquín Turinas „Orgia“ verbirgt sich in Wahrheit ein kraftvoller andalusischer Männertanz, bei dem die Bläser glänzen. Dann kostet Rosendorfksy einen in Noten gesetzten kleinen Tod aus: in der Arie „Carceleras“ des spanischen Operettenmeisters Ruperto Chapí y Lorente. Bevor es in die Pause geht, fliegt man noch rasch auf den Mond und spielt dort einen Marsch aus Paul Linckes „Frau Luna“.

Nach dem Pausensekt nimmt man gleich ein weiteres Gläschen zu sich: im Tivoli mit Hans Christian Lumbyes „Champagner-Galopp“. Aber egal, wohin die Neujahrsreise geht, ohne Johann Strauß’ Sohn mag man zu diesem Anlass nicht unterwegs sein. Mit Walzer („Rosen aus dem Süden“) und Polka („Nur fort!“) ist er im Programm vertreten.

Nur fort? Nach Nimmerland entführen die Musiker die Besucher alsdann: Maria Rosendorfsky singt zum Dahinschmelzen „Dream With Me“ aus Leonard Bernsteins Musical „Peter Pan“. Wunderschön interpretiert sie auch Shigeru Umebayashis Filmsong „Lovers“ aus dem fantastischen Epos „House of the Flying Daggers“, in warmen Streicherklang und ein blaues Blumen-­Kleid gehüllt.

Zu Besuch in Filmwelten

Und weiter geht es durch Filmwelten, mit Christoph Zirngibls kurzweiliger Suite zum Roadmovie „Trans Bavaria“ und mit dem Bond-Song „Skyfall“ – wobei das Orchester dabei Rosendorfsky fast zu wenig zur Geltung kommen lässt.

Aber unterm Strich war das alles einfach toll, eben „Just Awesome“, und so setzte Joo Kraus’ Komposition und der Diven-Jux ein mehr als passenden Schlusspunkt. Wobei – selbstverständlich war angesichts des Beifalls noch lange nicht Schluss. Drei Zugaben mussten es schon sein: Johann Strauß’ Polka „Unter Donner und Blitz“, Rosendorfskys famose ­„Cabaret“-Darbietung und der Radetzky-­Marsch. Anders könnte eine solche Neujahrsreise schließlich nicht enden – und natürlich mit Standing Ovations im Großen Haus.

Wer Karten will, sollte sich sputen

Tickets Die Neujahrskonzerte am
6., 7. und 14. Januar sind komplett ausverkauft. Lediglich wenige Restkarten gibt es noch fürs Konzert am 21.1. um 19 Uhr. Zudem sind noch Karten für die Aufführungen am 16.1. (20 Uhr), 28.1. (19 Uhr) und 1. Februar (20 Uhr) erhältlich unter Tel. (0731) 161 44 44.