Wie entsteht nochmal Seife? Der Chemieunterricht ist schon so lange her. Manuela Roth weiß es auswendig, denn sie stellt je nach Bedarf mindestens einmal pro Woche Seifen selbst her für ihren Laden "Manus Seifenoper" Am Bleicher Hag 54.

Zu dieser Verseifung werden alle festen Fette wie Kakaobutter im Topf "sanft geschmolzen, damit die Inhaltsstoffe erhalten bleiben", erklärt die 45-Jährige. Dann schüttet sie die flüssigen Fette, also kalte Öle, dazu. Denn Manuela Roth favorisiert die schonende kalte Verseifung, während in der Industrie die Seifen durch Sieden von Fetten mit Natronlauge hergestellt werden.

Da bei dieser chemischen Reaktion stets Wärme frei wird, schüttet Manuela Roth die Natronlauge erst auf tief gekühlte Stutenmilch und vermischt dann alles mit den geschmolzenen Fetten und mit Lavendel- oder Lemongrasöl. Diesen Seifenpudding füllt sie in Formen. Die folgende "Gelphase", in der die Verseifung langsam erfolgt, dauert 24 Stunden. Sind die Seifenstücke fest genug, werden sie in Körbchen gelegt, wo sie noch sechs Wochen "reifen" müssen. Danach werden sie in verzierten Schachteln oder Organzastoff-Säckchen verpackt.

Manuela Roth selbst kam zur Herstellung von Seifen und Cremes ohne künstliche Tenside - der Rohstoff für Waschsubstanzen - aus der eigenen Not heraus: Ihr Körper hatte auf bestimmte Konservierungsmittel in herkömmlichen Seifen und Cremes allergisch reagiert. Durch die Fernsehsendung "Hobbythek" ließ sich die kaufmännische Bankangestellte inspirieren, eigene Kosmetikprodukte herzustellen.

Bald darauf wollten auch Freunde und Bekannte die "sanften Seifen und Cremes", 2009 produzierte Manuela Roth schon nebenberuflich. "Ein Jahr später bin ich voll eingestiegen und habe es bis heute nicht bereut." Seit Juli 2011 köchelt und mischt sie ihre Mixturen in der kleinen Küche der ehemaligen Bäckerei Am Bleicher Hag.

Im Laden stehen zwar wie früher noch Torten und Muffins. Aber die Torten bestehen aus Seife und die Muffins aus halb verseifter Butter. Dies ist aber keine Butter aus Kuhmilch, sondern Kakaobutter und Sheabutter - von Sheanüssen aus Westafrika. Die Fette färbt Manuela Roth mit Kakaopulver und Lebensmittelfarben. Und sie gibt Speisenatron und Zitronensaft, quasi Brause hinzu, damit die Badebutter im Wasser beim Auflösen sprudelt.

Im Kühlschrank verhärtet die Butter in Formen beispielsweise zu Muffinböden. Dann füllt Manuela Roth noch eine Spritztüte mit der Buttermasse und verziert den Badespaß. "Hinterher braucht man sich gar nicht mehr einzucremen, denn das Butterfett pflegt die Haut", erklärt die Expertin.

Sie verkauft ihre Bade-Muffins, die Tortenseifen, die geschlagene Körpersahne, Salzpeelings und Seifen samt getöpferten Seifenschalen aber nicht nur in "Manus Seifenoper", sondern auch auf diversen Kunsthandwerkermärkten bis in Aalen. An Hotels liefert sie Badepralinen mit hoteleigenem Logo. Viele Stammkunden nutzten inzwischen auch ihren Online-Shop. Künftig möchte Manuela Roth "noch die Touristen mitnehmen". Deshalb sucht sie einen zweiten Laden - möglichst direkt in Ulm.