Ulm Münsterpfarrerin Tabea Frey wird am Sonntag verabschiedet

Tabea Frey zwischen Fialen auf dem Hof der Münsterbauhütte: "Ich habe im Münster jeden Tag etwas Neues entdeckt."
Tabea Frey zwischen Fialen auf dem Hof der Münsterbauhütte: "Ich habe im Münster jeden Tag etwas Neues entdeckt." © Foto: Matthias Kessler
Ulm / JAKOB RESCH 23.04.2016
Sie leistete damit nicht nur am Ulmer Münster, sondern auch in der Landeskirche Pionierarbeit: Tabea Frey war die erste offizielle Tourismuspfarrerin. Jetzt wechselt sie in die Kirchenzentrale nach Stuttgart.

Ihren Abschiedsgottesdienst im Münster hält sie am Sonntag selber. Das ist so üblich in der Evangelischen Kirche, los geht's um 9.30 Uhr, danach gibt es einen Empfang im Café Jam. Dann verlässt Pfarrerin Tabea Frey nach dreizehneinhalb Jahren die Münstergemeinde und beginnt im Juni als Pfarrerin für die Prädikanten, also Laienprediger, und die Mesner in der Landeskirche. In Stuttgart, wo sie geboren ist. Ein Blick zurück nach vorn.

Münster Bevor Tabea Frey 2002 nach Ulm kam, war sie vor dem Bewerbungsgespräch noch einmal ins Münster gegangen und "ein bissle erschrocken" - über die Größe der Kirche und sich selbst: "Oh, ist das groß! Was machst Du hier?" Sie sah aber auch ein Gebäude, "das einem Luft lässt". Und klar, dass es dann vertraut wurde, "wenn man fast jeden Tag hier ist". Doch die Distanz blieb. "Ich habe in all den Jahren nie von meinem Münster gesprochen."

Lieblingsorte Zunächst mochte sie im Münster die Bessererkapelle mit den alten Glasfenstern besonders. Dann neigte sie zur Neithardtkapelle, nicht nur wegen ihrer tollen Akustik: "Die alte Spiritualität dieser Familie hat sich dort bewahrt."

Tourismuspfarrerin Sie sagt lieber Gästepfarramt dazu. Auftrag sei, im Zeichen der Gastfreundschaft zu überlegen, "wie wir Besuchern den Kirchenraum und seine Schätze erschließen und was wir denen bieten können, die das Gespräch suchen".

Sehenswürdigkeit Wo bleibt das Gotteshaus als Touristenattraktion? Ein Spagat: "Wir müssen das Haus offen halten und trotzdem Schutzraum bieten", zum Beten, zum Innehalten. "Das Münster ist kein heiliger Ort an sich, sondern immer noch ein Gebäude in aller Weltlichkeit." Allerdings ein besonderes als Wahrzeichen für Ulm - "Kirche in der Stadt und für die Stadt als Bürgerkirche, wo auch die Muslime sagen: Das ist unser Münster. Was Besseres kann uns gar nicht passieren."

Höhepunkte "Völlig baff" war sie, als nach der Sanierung des Glockenstuhls an Ostersonntag 2009 die Glocken wieder läuteten: "Sie sind wieder da!" Und im Festgottesdienst zum Turmjubiläum 2015 dachte sie: "Wow, wie gut ist der besucht!" Dass das Haus weiter als Gottesdienstraum "wahrgenommen, geschätzt und besucht" wird, freut sie sehr.

Neuland Jetzt wird die 53-Jährige wieder vertieft inhaltlich arbeiten, statt im Licht der Öffentlichkeit zu stehen. Prädikanten werden wichtiger in einer Zeit, da weniger Pfarrer auf all die Predigtstätten kommen. "Sie bringen Erfahrungen aus anderen Berufsfeldern in die Kirche mit. Diesen Schatz gilt es zu heben."

Und Ulm? "Hier und da werde ich zum Einkaufen kommen, nein - zuerst das Münster besuchen."

Münsterpfarrerinnen

Frauen Erste ständige Münsterpfarrerin war Gudrun Bosch von 2000 bis 2002. Sie hatte aber nur einen halben Dienstauftrag am Münster. Mit Margot Lenz gab es zu dieser Zeit auch eine Pfarrerin zur Anstellung, also im Probedienst. Schon Gudrun Bosch war mit werktäglichen Andachten für Touristen da. Ihre Nachfolgerin Tabea Frey war dann neben dem Pfarrdienst für die Gemeinde (Münster Ost) kraft Amtes auch erste Touristenseelsorgerin.

 

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