Statistik Besucher im Ulmer Münster werden automatisch erfasst

Ulm / Verena Schühly 13.02.2019
Ein System im Ulmer Münster zählt die ein- und ausgehenden Leute. Eine Personenerkennung ist damit aber nicht möglich.

Mehr als eine Million Besucher – konkret 1.040.025 Menschen – wurden im Jahr 2018 im Münster gezählt. Das ist laut Silke Reiser, die den Besucher­betrieb Ulmer Münster leitet, ein Plus von mehr als 47.000 Besuchern oder knapp fünf Prozent im Vergleich zu 2017. Doch ist das konkret gezählt oder eher geschätzt und hochgerechnet?

Die Zahl ist exakt ermittelt von einer elektronischen Personenzählanlage, die seit Ende 2016 in Betrieb ist, erläutert Reiser. An der Decke hinter den vier Eingangstüren – nördliches Portal mit Turmaufgang, südliches Portal mit Münstershop, Braut- und Reformationsportal – sowie am Hauptportal (offen nur zu Gottesdiensten und Veranstaltungen) sind Sensoren, die ein- und ausgehende Personen erfassen.

Das geschieht mittels einer kurzen Bildfolge, die im Arbeitsspeicher in eine „Punktewolke umgewandelt wird, ähnlich einem QR-Code“, erläutert Silke Reiser. Damit steht die Anzahl fest – aber Personen sind nicht erkennbar.

Nach knapp einer Sekunde werden die Bilddateien im Arbeitsspeicher wieder gelöscht. Die gewonnen Zahlen hingegen werden in einer Cloud gespeichert und sind langfristig abrufbar. Aus den Daten erstellt Reiser ihre Statistiken.

Wie sie betont, ist mit dem System keine Personenerkennung möglich. Es werden keine anderen Daten erhoben, aus denen man Schlüsse ziehen könnte.

Wieso sind Besucherzahlen wichtig?

Das System arbeitet laut Reiser genauer als Lichtschranken. „Diese haben Schwierigkeiten beim Erfassen von Gruppen, da wird nur eine statt beispielsweise fünf Personen gezählt.“ Oder wenn jemand mit einer Einkaufstasche schlenkert, löst das mehrfachen den Zählimpuls aus.

Wieso ist es überhaupt wichtig, dass man die genaue Besucherzahl kennt? Erstens kann Silke Reiser den Personaleinsatz in der Münsterpforte besser planen: „An manchen Tagen brauchen wir doppelte Besetzung.“ Beispielsweise während des Weihnachtsmarkts oder an traditionell besucherstarken Tagen. „Die Pforte ist die zentrale Anlaufstelle im Münster, weil immer jemand da ist. Hier kommen die Leute mit Fragen aller Art her – und wir kümmern uns.“ Wenn man zu zweit ist, kann mal jemand leichter weg.

Ein weiterer Grund ist laut Reiser, dass manche Fördergelder von der Menge der Besucher abhängig sind. Drittens gibt es sicherheitsrelevante Gründe, für die man belastbare Aussagen über die Anzahl der Menschen im Gebäude braucht.

Der Eingang hat sich etabliert

Aus dem Zahlenmaterial kann die Chefin des Besucherbetriebs, die Industriekauffrau gelernt und Marketing studiert hat, einiges ablesen: So betreten rund 60 Prozent der Besucher das Münster über die nördliche Pforte. „Der Eingang hat sich etabliert“, das ist auch so gewünscht. Allerdings verlassen nur 45 Prozent die Kirche über den offiziellen Ausgang, die südliche Pforte mit dem Münstershop: „Da ist Luft nach oben.“ Dazu muss man wissen: Der Besucherbetrieb muss sich selbst tragen, seine Einkünfte erwirschaftet er durch den Turm­eintritt sowie den Verkauf der Produkte und Souvenirs im Shop. Auch der Münster-Stand am Weihnachtsmarkt gehört dazu.

Weitere Daten werden nicht erhoben, sind auch nicht nötig: beispielsweise die Laufwege der Besucher im Münster. „Die Kirche ist ein Schutzraum und Rück­zugsort, das soll bewusst so bleiben“, versichert die 54-Jährige, die den Besucherbetrieb seit 2015 leitet. Im Münster darf sich jeder frei bewegen, es gibt keine abgesperrten Bereiche.

Gleichwohl gibt es Verbesserungsbedarf. „Was bei uns fehlt, ist eine Willkommens-Kultur und ein Orientierungssystem“, sagt Reiser. Viele einmalige Besucher finden sich wegen der schieren Größe des Bauwerks schwer zurecht. Ein Konzept ist in Arbeit.

Weiter berichtet Silke Reiser von einem Test, dass jemand beim Eingang an einem Bistrotisch steht, Besucher willkommen heißt und anbietet: „Kann ich Ihnen helfen?“

In der Lorenzkirche Nürnberg gibt es das als feste Einrichtung. Besucher bekommen dort einen Info-Flyer, und es hat laut Silke Reiser einen erfreulichen Nebeneffekt: „Das beeinflusst die Spendenbereitschaft positiv.“

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