BURKHARD MEIER-GROLMAN  Uhr
Sie bevölkerten schon die Chinesische Mauer und den Roten Platz in Moskau. Jetzt sind die Müllmänner des Kölner Aktionskünstlers HA Schult im Barockschloss Mochental bei Ehingen angekommen.

Der enorm rührige Mochental-Galerist Ewald Karl Schrade, der ja auch seit zehn Jahren die Art Karlsruhe umtreibt, hat da ein ganzes Netz voller glitzernder und glänzender Goldfische an Land gezogen. Die Müllmenschen des Kölner Aktionskünstlers HA Schult machen sich jetzt Schrades Barockschloss bei Ehingen breit.

Dabei sollte man meinen, dass diese aus Abfall, aus Schrott und Müll gefertigten menschenähnlichen Skulpturen ob ihres wirklich sehr trashigen Erscheinungsbildes in diesem reichlich stuckverzierten ehemaligen Sommersitz der Äbte des Klosters Zwiefalten nichts verloren haben. Da passt doch nichts zusammen, geschredderte, angerostete Cola-Büchsen und fein gepinselte bukolische Szenerien in golden gerahmten Deckengemälden. Aber weit gefehlt, gerade diese extremen Gegensätze ziehen sich mächtig an! Aus ihren vermeintlich toten Blechdosenaugen blinzeln die Schultschen Müllmänner aufmüpfig in die Gegend und sie flirten heftig mit dem barocken Himmelspersonal in der Sommerresidenz.

Galerist Ewald Karl Schrade, sein munter plaudernder Künstlergast HA Schult, dessen tausendköpfige Schrottarmee schon seit 1996 durch die Welt tourt, und Schults Lebensgefährtin, die russische Geigerin Anna Zlotovskaya, haben jedenfalls keinerlei Mühe, dem Vernissage-Publikum einen höchst vergnüglichen Kunst-Nachmittag zu verschaffen.

Dieser Aktionskünstler HA Schult ist ja nicht zu übersehen. Sein Auftreten ist oft laut und schrill, zuweilen haut er mächtig auf die Pauke, aber seine Anekdoten und Philippiken sind immer mit einer gehörigen Portion Witz und Galgenhumor gespickt, sodass er äußerst sympathisch rüberkommt und beim Publikum jede Menge Bonuspunkte sammelt.

Kunst-Ästheten mögen diesen Paradiesvogel der Kunst und seine Arbeiten misstrauisch beäugen, aber HA Schult ist eben einer der letzten aus der großen Ära des Joseph Beuys übrig gebliebenen bundesdeutschen Aktionskünstler, da muss man andere Maßstäbe anlegen. Ein Aktionskünstler vom Schlage eines HA Schult braucht die Bühne, er wird sich immer als Rampensau ausweisen, er wird permanent die Medien umwerben, er sucht die Öffentlichkeit. Er will schließlich mit seiner Kunst zentrale Themen unserer Welt angehen, er will zeigen, wie sträflich wir unseren Planeten behandeln und wie fahrlässig wir mit den natürlichen Ressourcen umgehen.

Im Schloss Mochental tummeln sich jetzt genau 47 der Schultschen Müll-Soldaten. Einzeln bringen sie so dreißig bis vierzig Kilo auf die Waage, sie sind an die 1,70 bis 1,80 Meter groß, alle sind sie aus handverlesenem gesäuberten Müll aus Kölner Verbrennungsanlagen gefertigt. Wenn man sich so ein Exemplar in den Vorgarten stellen will, muss man 8000 Euro hinblättern.

Info HA Schults Trash People sind bis 14. Juli in der Galerie Schrade im Schloss Mochental bei Ehingen zu Gast. Öffnungszeiten: Di-Sa 13-17 Uhr, So 11-17 Uhr.

www.galerie-schrade.de